Heute am 04. Juni ist Bundesweiter Tag der Organspende, dieser Tag soll die gesellschaftliche Aufmerksamkeit für dieses Thema verstärken. Warum eigentlich?

Mein Organspendeausweis

Mein Organspendeausweis

Nun erst einmal standen in Deutschland zum 30. April 2011 11.821 kranke Menschen 1 auf der Warteliste für ein Spenderorgan sind. Demgegenüber stehen 1.271 Organspender, von denen in Deutschland im Jahr 2010 insgesamt 4482 Organe an andere Menschen transplantiert worden sind 2. Hinzu kommen übrigens noch 755 Lebendspenden von Nieren und Teilen der Leber 3.

Schaut man sich die Statistiken über die Jahre an, z.B. den Verlauf der Statistiken für Nierentransplantationen, stellt man zwei Dinge fest: Zum einen natürlich das krasse Missverhältnis zwischen Menschen die auf der Warteliste stehen und zum anderen die Anzahl der erfolgten Transplantationen. Aber man sieht auch, das sich “Angebot” und “Nachfrage” langsam annähern 4, so wurden 2002 noch rund 9.500 Nieren benötigt und knappe 2.500 Transplantationen erfolgten. 2010 warteten etwas weniger als 8.000 Menschen auf eine Niere und es erfolgten fast 3.000 Transplantationen. Das ist mit Sicherheit ein positiv zu bewertender Trend, trotzdem kommen in Deutschland nur 16 Spender auf eine Millionen Einwohner 5.

Allerdings ist der Bedarf für Spenderorgane immer noch signifikant höher, als die Summe aller Transplantationen. Und das bedeutet für die Menschen auf der Warteliste in der Regel lange Wartezeiten, bevor ein Patient eine Nierentransplantation erhält befindet er sich in der Regel zwischen 5 und 10 Jahren auf der Warteliste. Das ist natürlich unter anderem auch seinem Gesundheitszustand geschuldet, allerdings: Es versterben trotz neuer Therapiemöglichkeiten nach wie vor viele Patienten, die sich auf der Warteliste für eine Transplantation befinden. Das vermag man nun als Schicksal verbuchen, schließlich finden solche Erkrankungen praktisch immer weit entfernt vom Alltag statt.

Vor einer Transplantation muss bekanntermaßen bei einem fraglichen Organspender zunächst der Hirntod festgestellt werden. Aber wie kommt es dazu? Bei etwas mehr als 53 % der Organspendern liegt eine Hirnblutung vor, knapp 20 % erleiden ein massives Schädel-Hirn-Trauma 6 und die meisten Organspender sind zum Zeitpunkt des Hirntodes zwischen 16 und 54 Jahren alt 7. Das sind im Einzelfall immer wahnsinnig bedrückende Schickale, denn in der Regel wird ein gesunder Mensch im besten Alter unvermittelt aus dem Leben gerissen.

Und hier der Knackpunkt: Nur bei 14 % der Organspendern gab es eine persönliche Zustimmung, in nur 8,8 % der Fällen lag tatsächlich einen Organspendeausweis vor. Das bedeutet, dass bei 78 % aller Organspenden die Entnahme der Organe durch die Angehörigen legitimiert wird. Diese sollen in diesem Fall dann im mutmaßlichen Sinne des Verstorbenen urteilen. Insgesamt kommt es nur bei 54% aller potentiellen Organspender zur Organentnahme, wobei übrigens der wichtigste Grund für den Ausschluss einer Organspende ist mit fast 40 % die Ablehnung der Angehörigen ist. 8

Wie bereits erwähnt sind Tod und Krankheit glücklicherweise in der Regel kein wesentlicher Teil unseres alltäglichen Lebens. Und ich will heute an diesem Tag nicht das für und wieder der Organspende diskutieren, sondern dafür werben sich selbst Gedanken zu machen und – gerne auch im Dialog mit anderen Menschen – eine Meinung zu diesem Thema zu bilden. Auf dieser Grundlage sollte möglichst jeder für sich selbst eine eigene informierte Entscheidung fällen und diese zum einen mit einem Organspendeausweis dokumentieren und seine Angehörigen darüber informieren – selbst dann, wenn man die Organspende kategorisch ablehnt. Lasst eure Angehörigen damit nicht alleine!

Einen Organspendeausweis kann man z.B. hier bei der BZgA zum herunterladen als PDF, oder Kartonweise als gedruckte Ausweise bestellen. Aber auch die Deutsche Stiftung Organspende bietet einem übrigens hier auch die Organspendeausweise als Einzelstücke kostenlos per Postversand an. Außerdem kann man die Ausweise natürlich auch bei vielen niedergelassenen Ärzten, in Krankenhäusern und Apotheken kostenlos erhalten, einfach mal danach fragen!


  1. Eurotransplant International Foundation. Preliminary monthly statistics January – April  2011, Mai 2011. Abgerufen am 04.06.2011 von Eurotransplant: http://www.eurotransplant.org/cms/mediaobject.php?file=2011_january1_april30.pdf
  2. Eurotransplant Internation Foundation. Yearly statistics 2010, Februar 2011 Abgerufen am 04. 06 2011 von Eurotransplant: http://www.eurotransplant.org/cms/mediaobject.php?file=year_2010.pdf
  3. Deutsche Stiftung Organtransplantation. (2011). Daten und Grafiken – Lebendspenden. Abgerufen am 04. 06 2011 von DSO – Deutsche Stiftung Organtransplantation: http://www.dso.de/
  4. Deutsche Stiftung Organspende. Aktive Warteliste und Nierentransplantation. Abgerufen am 04. 06 2011 von DSO – Deutsche Stiftung Organspende: http://www.dso.de/grafiken/g32.html
  5. Deutsche Stiftung Organspende. Daten und Grafiken – Postmortale Organspender 2009. Abgerufen am 04. 06 2011 von DSO – Deutsche Stiftung Organspende: http://www.dso.de/zahlenunddaten/grafikpakete/pakete/dso-2010-grafikpaket-03.zip
  6. Deutsche Stiftung Organspende. Daten und Grafiken – Todesursachen Organspender 2009. Abgerufen am 04. 06 2011 von DSO – Deutsche Stiftung Organspende: http://www.dso.de/zahlenunddaten/grafikpakete/pakete/dso-2010-grafikpaket-03.zip
  7. Deutsche Stiftung Organspende. Daten und Grafiken –Alter der Organspender 2009. Abgerufen am 04. 06 2011 von DSO – Deutsche Stiftung Organspende: http://www.dso.de/zahlenunddaten/grafikpakete/pakete/dso-2010-grafikpaket-03.zip
  8. Molzahn, P., Tuffs, D., & Vollmann , P. (Oktober 2003). Heft 17 – Organtransplantation und Organspende. Abgerufen am 04. 06 2011 von Gesundheitsberichterstattung des Bundes: http://www.gbe-bund.de/gbe10/abrechnung.prc_abr_test_logon?p_uid=gasts&p_aid=&p_knoten=FID&p_sprache=D&p_suchstring=8523::Todesursachenstatistik