Dieser Beitrag ist Teil 1 von 7 in der Serie Garden Route

Mit diesem Beitrag beginnt eine Serie von insgesamt 10 Beiträgen, die sich mit meiner Reise auf der Garden Route in Südafrika beschäftigen werden. Viel Spaß!

Auf dem Weg nach Afrika

Da sitze ich nun auf einer Bank, bin nervös und müde. Es ist Freitag Abend, ich sitze am Frankfurter Flughafen auf einer unbequemen Sitzbank, vor meinem Gate und warte. Vor mir liegen insgesamt fast 13 Stunden Flug, beinahe 10.000 Kilometer – erst in knapp 24 Stunden werde ich wieder in einem Bett liegen und richtig schlafen können. Wenn ich durch die großen Glasscheiben nach draußen schaue, dann sehe ich wie der riesige A380 für den Flug nach Johannesburg vorbereitet wird. Währenddessen kämpfen Müdigkeit und die eigentlich nicht vorhandene latente Flugangst um die Überhand kämpfen.

A380 am Frankfurter Flughafen, vom Gate aus gesehen. Vielen Dank für das Foto an Meraj Chhaya von

A380 am Frankfurter Flughafen, vom Gate aus gesehen. Danke für das Foto an Meraj Chhaya von PhoneRPT.

Dann geht es langsam los. Einsteigen, rumfahren, losfliegen. Abendessen, Snacks, echt schön in diesem riesigen Flugzeug. Das Entertainmentsystem der Lufthansa ist echt schick und gut ausgestattet. Jetzt erstmal mit Alkohol beruhigen und dann schlafen, was einerseits schwierig wegen der Platzverhältnisse, andererseits einfach wegen der monotonen Geräuschkulisse und dem leichten Schaukeln ist. Am Morgen erstmal rumlaufen und das Flugzeug erkunden, dann Frühstück. Und plötzlich sind 10 Stunden und 30 Minuten vorbei. Butterweich Landen, rumfahren, aussteigen.

Das Umsteigen klappt einigermaßen gut, ist aber ein kleines Abenteuer weil ich meine Tasche selbst durch den Zoll tragen muss um es dann wieder Einzuchecken. Zum Glück hab ich viel Zeit zum Umsteigen, denn es dauert alles Ewigkeiten. Anschließend wieder warten auf das Kontrastprogramm: In einer in die Jahre gekommene Boeing 737-800 geht es holprig weiter. Es ist unglaublich eng, ungemütlich und man merkt beim Essen, dass man nur mit South African Airlines fliegt. Immerhin dauert es nur 2 Stunden, dann schlägt das Flugzeug auf der Landebahn ein und wir erreichen offiziell Kapstadt.

Erster Eindruck und Eingewöhnung

Erstes Gefühl, beim verlassen des Flugzeugs: Alles ist Warm, einfach nur warm. Aber immerhin wieder festen Boden unter den Füßen! Als Erstes wird am Flughafen der Mietwagen abgeholt, zu unserer Freude wird es nicht der angekündigte Chevrolet Spark, sondern ein Toyota Yaris – allerdings ohne Klimaanlage. Das Procedere wirkt fast amerikanisch, sehr freundlich und penibel. Allerdings nur, wenn man nicht genau hinsieht: Einige kleine Mängeln am Auto sind bisher nicht aufgefallen. Keine große Sache, aber ein Muster das wir im Laufe der Reise an vielen Stellen wiederfinden werden.

Ein Toyota Yaris auf einem Parkplatz

Unser treues Gefährt, in Südafrika

Vom langen Flug bin ich noch zu erschöpft, darum bin ich erstmal nur Beifahrer. Allerdings ist das nicht minder gruselig, denn die südafrikanischen Straßenverhältnisse treiben mein Adrenalinspiegel in ungeahnte Höhen: Linksverkehr, buchstäbliche Schrottkarren, Fußgänger, alles mögliche findet man auf der Autobahn. Endlich kommen wir voller freudiger Erwartung auf das Kommende in einer kleinen Stadt in der Nähe von Kapstadt an. Und spätestens nach der gefühlt endlosen Horrorfahrt bin ich wirklich völlig erschöpft und möchte einfach nur noch einschlafen. Wären da nur nicht die zirpenden Grillen…

Fahrt nach Knysna

Am nächsten Morgen kaufen wir schnell ein paar Dinge ein, werfen unsere Taschen in das Auto und fahren los. Es ist wieder immer noch warm und die Sonne scheint. Immerhin sind die Grillen am Tag ruhig, wobei an schlafen natürlich grade nicht zu denken ist. Zum Glück ist wenig Verkehr und ich beginne langsam damit mich an das Linksfahren zu gewöhnen – mutig genug selbst zu fahren bin ich aber immer noch nicht. Während der Fahrt komme ich mir vor, wie ein kleines Kind. Denn alles was außerhalb der Fensterscheibe an uns vorbeizieht, übt eine große Faszination auf mich aus.

Südafrikanische Straßen

Südafrikanische Straßen

Wir fahren entlang der N2 durch eine größtenteils karge braune Landschaft. Es wirkt fast wie ein Klischee von der Steppe Afrikas, dass ich aus Europa mitgebracht habe. Die Straße verläuft fast die ganze Zeit über erstaunlich grade, allenfalls ein paar Berge bringen sie aus der Bahn. Unterwegs sind außer uns nicht viele weitere Fahrzeuge, dann aber größtenteils ältere weiße Pickups. Bemerkenswert daran ist vor allem, wie viele Menschen im südafrikanischen Verständnis in so ein Auto passen. Wir kommen an einigen Dörfern vorbei, unter anderem an Heidelberg – das ist aber kaum mehr als eine Raststätte.

Baustelle auf der N2 in Südafrika

Baustelle auf der N2 in Südafrika

Südafrika kümmert sich sehr gut um seine Straßen, darum müssen wir einige Male an Baustellen warten, da der Verkehr nur in jeweils eine Richtung fließen kann. Erstaunlich ist dabei, wie viele Arbeiter nur damit beschäftigt sind den Verkehr in der Mittagshitze zu regeln. Arbeitskraft hat hier einen völlig anderen Wert. Nebenbei läuft das Radio, wir können zwischen monotonen Gesprächen, oder aktuellen Hits wählen. Allerdings lässt die Musikauswahl der Sender deutlich zu wünschen übrig, da Genres und Stimmungen so wild durcheinander gemischt werden, sodass es buchstäblich im Ohr knirscht.

Ankunft am Indischen Ozean

Ankunft am Indischen Ozean

Dann endlich ist es soweit, wir erreichen wir in Mossel Bay den indischen Ozean. Ein wunderschöner Ausblick. Eigentlich fehlt uns die Zeit um anzuhalten, aber in Wilderness können wir einfach nicht anders und steigen kurz aus. Allerdings nicht um uns abzukühlen, denn draußen ist es fast genauso warm, wie im Auto. Wir betrachten einen See, der sich unglaublich Harmonisch in die Landschaft einfügt. Dann fahren wir schnell weiter und kommen eine halbe Stunde später in Knysna an, ein sympathisches kleine Städtchen. Es ist nicht viel los, ehrlich gesagt wirkt es relativ verlassen. Nebensaison halt.

Blick auf die Lagune in Knysna

Blick auf die Lagune in Knysna

Wir checken ein im Hostel, ein wunderschönes Haus im Jugendstil. Zwar sind die Farben gewöhnungsbedürftig, aber es ist sauber und aufgeräumt. Es ist immer noch taghell und angenehm warm. Wir entscheiden uns dazu, noch in die Stadt zum Hafen zu gehen um dort etwas zu essen. Dort finden wir uns in einem sympathischen Restaurant wieder, genießen leckeres Essen und beobachten das Treiben. Hier am Hafen wirkt Knysna fast ein wenig wie Venedig: Zwischen den Häusern überall Wasser, jedes Haus hat seinen eigenen Anleger und es liegen viele Boote an den Stegen.

Ein paar bunte Häuser, Boote und viel Wasser

Blick auf die Hafengegend von Knysna

Als wir zurückgehen ist es bereits dunkel, uns ist etwas mulmig. Der Weg ist nicht sonderlich kompliziert und führt durch keine Seitenstraßen, trotzdem die Beleuchtung ist nicht überall optimal. Echt erstaunlich ist, wie nah hier protzige Hotels und heruntergekommene Schuppen beieinander sind. Es fällt mir schwer – erst dank der bekannten Schauergeschichten – die Sicherheitslage einzuschätzen. Aber vom Hostel aus wurde uns der Weg als sicher empfohlen und wir kommen, ohne auch nur die Andeutung einer Gefahr wieder im Hostel an. Nun wird erstmal geschlafen, denn der Tag war lang.


Serie: Garden Route

Jeweils Sonntags, um 20 Uhr: Ein kleiner 10 teiliger Reisebericht von der Garden Route in Südafrika, die ich im Frühjahr 2011 bereist habe. Mit ner Menge schönen Bildern, vielen faszinierenden Dingen und einigen interessanten Kleinigkeiten.

  1. Ankommen, Eingewöhnen, Losfahren – Garden Route
  2. Adventure Tour Knysna – Garden Route
  3. Knysna Elephant Park – Garden Route
  4. Safari im Wildlife Reserve – Garden Route
  5. Robberg Nature Reserve – Garden Route
  6. Monkeyland – Garden Route
  7. Birds of Eden – Garden Route