Dieser Beitrag ist Teil 2 von 7 in der Serie Garden Route

Ein Morgen im Hostel

Es ist warm, immer noch. Trotzdem beginnt langsam das Leben im Hostel, die ersten müden Gestalten laufen durch die Flure. Man braucht etwas Glück um einen Platz im Bad zu ergattern, denn alle Gäste wollen Zähneputzen, Duschen, oder auch nur auf die Toilette. In der Küche geht es dafür am spartanischen Buffet gemütlich zu, in allen Ecken arbeiten Gäste an ihrem Frühstück und setzen sich damit nach draußen auf die Terrasse mit Blick über Stadt und Lagune. Man kommt man ganz selbstverständlich mit den Anderen ins Gespräch und tauscht sich über Herkunft, Erfahrungen und Ziele aus.

Das Knysna Backpackers

Blick auf das Knysna Backpackers

Nach dem Frühstück studieren wir die ausliegenden Prospekte um die Aktivitäten für die nächsten Tage zu planen. Für den heutigen Tag entscheiden für uns für eine Tour mit dem “Adventure Center Knysna“, die Besitzerin des Hostels organisiert den Trip freundlicherweise per Telefon für uns. Es dauert nicht lange dann kommt unser Guide “John”, ein großgewachsener sportlich-braungebrannter Typ mit kahlem Kopf. Und in seinem heruntergekommenen weißen VW Bus geht es los – jeder TÜV Mitarbeiter wäre Tod umgefallen. Nach 20 Minuten abenteuerlicher Fahrt kommen wir an, im Urwald.

Willkommen im Dschungel

Wir befinden uns im Harkerville Forest, im wahrsten Sinne des Wortes ein Urwald. Außer der mitten durch den Wald geschlagenen Schotterpiste und einer etwas größeren Lichtung für einen Parkplatz mit Braaiflächen gibt es nur wahnsinnig dichten Wald. Beeindruckend ist alleine schon der Ausblick auf sehr dichte Vegetation, trotz meines sehr guten Orientierungssinnes wäre ich darin – ohne John – mit Sicherheit total verloren… Nach einer kurzen Warnung vor allerlei giftigen Tieren geht es dann los, in den Dschungel.

Dichte Vegetation im Urwald in Südafrika

Dichte Vegetation im Urwald in Südafrika

Wir laufen durch den Urwald, ich bin einfach nur sprachlos angesichts der Intensität der Vegetation. Überall um uns herum sind unbekannte Bäume, Büsche, Pflanzen die wild durcheinander wachsen. Wir halten immer wieder an und John erklärt uns etwas: Die Besonderheit einer Pflanze, wo welche Insekten und Tiere zu finden sind, oder die bewegte Geschichte dieses Urwalds. Hier hat es sogar lange Zeit freilebende Elefanten gegeben, was angesichts der Dichte der Vegetation unvorstellbar wirkt. Heute gibt es nur noch weniger als eine Hand voll Elefanten, die hier ihre Runden ziehen – immerhin: noch gibt es sie.

Kleiner Bach mit Wasser wie Tee im Urwald

Kleiner Bach im Urwald

Mitten im Wald kommen wir zu einem kleinen Bach, in ihm fließt Wasser das aussieht wie Tee – am ehesten (wie passend) Rooibos. John erklärt uns, das die Farbe durch die viele Mineralien entsteht und zeigt uns das man das Wasser ohne Gefahr trinken kann. Schließlich erreichen wir den steinigen Strand, an dem wir eine längere Pause machen. Wir klettern über die Felsen, betrachten die Muscheln, die Landschaft und die Brandung des indischen Ozeans. Dann geht es weiter, wir klettern mitten in der Sonne wieder hoch zum Parkplatz des VW Bus und sehen dabei ein atemberaubendes Panorama der Küste.

Blick auf die Felsen an der Küste in Knysna

Blick auf die Felsen an der Küste in Knysna

Auf unserem Weg sind wir durch ein Tal gelaufen, weil wir uns die ganze Zeit mitten im Urwald befanden war es trotz des Sonnenscheins angenehm kühl und schattig. Nun befinden wir uns eher in einer Art Heidelandschaft und wir kommen ganz schön ins Schwitzen. Endlich erreichen wir das Auto, stärken uns kurz und fahren dann los: Nach Concordia, dem Township von Knysna. Noch im Urwald sehe ich das erste mal eine Gruppe wilder Paviane, die allerdings scheu sind und bei unserem Anblick schnell verschwinden.

Die Townshiptour

Die erste Hälfte des Tages ist vorbei, die zweite besteht aus einer Tour im Township von Knysna. John fährt mit dem VW Bus hinein und ich habe ein mulmiges Gefühl im Bauch, schließlich stoppt er auf einem Platz vor einem Geschäft. Er erklärt uns kurz wie wir uns zu verhalten haben: Keine Angst haben, Fotos machen ist erlaubt, bei ihm bleiben und immer freundlich sein. Dann steigen wir aus und beginnen das Township zu Fuß zu erkunden. Als einzige Weiße fallen wir natürlich auf und sind die Attraktion, vor allem für die Kinder. 

Straße im Township "Concordia" in Knysna

Straße im Township “Concordia” in Knysna

Mein mulmiges Gefühl bleibt, aber es bessert sich merklich – wenn auch langsam. Auf unserem Weg kommen wir vorbei an Werkstätten, Kneipen, Supermärkten, und sogar einer ATM. Zwar ist die Bauweise in der Regel etwas gewöhnungsbedürftig, aber z.B. im Supermarkt erhält man alle wichtigen Artikel für den Alltag – sogar Tiefgekühltes. Alle Leute treten uns gegenüber freundlich auf, mit einem Friseur kommen wir ins Gespräch. Von der von mir insgeheim befürchteten Anarchie im Township ist nichts zu merken.

Blick auf selbst gebaute Häuser im Township

Blick auf selbst gebaute Häuser im Township

Während wir umherlaufen erklärt uns John einige Dinge. Wir erfahren u.a. das die Stromversorgung nicht von den Bewohnern stammt, sondern die Stromkonzerne das Netz aufgebaut haben, warten und den Strom kostenfrei abgeben – die Kosten holen sie natürlich über die Preise bei den zahlenden Kunden wieder. Es gibt Straßenbeleuchtung über hohe Masten und sogar guten Handyempfang. Und obwohl erstaunlich viel Müll in der Gegend rumliegt erfahren wir, dass es sogar eine Müllabfuhr gibt.

Zwei Kinder im Township

Zwei Kinder im Township

Für die Kinder sind wir als Weiße eine Attraktion, sie laufen uns hinterher, wollen auf den Arm genommen werden, oder posieren gerne für Fotos – und bestehen dann darauf die Bilder auf dem Display der Digitalkamera anzusehen! Mit einer Gruppe Kinder spielen wir für einige Minuten lang Fußball quer über einen belebten Platz. Für ein Stück des Weges übergibt uns John an einen Jugendlichen, und er erzählt uns seine bedrückende Sicht auf das Leben im Township. Es hat viele Vorteile, wie geringe Lebenshaltungskosten und den Zusammenhalt der Gemeinschaft – als großen Nachteil aber auch die Perspektivlosigkeit.

Blick vom Township auf die Lagune von Knysna

Blick vom Township auf die Lagune von Knysna

Zum Abschluss der Tour gehen wir in eine Kneipe, nehmen Platz auf der Dachterrasse und genießen den Ausblick auf die Lagune. Dort rekapitulieren wir das gesehene und das erlebte: Die meisten Leute im Township wohnen hier, weil sie sich nur hier einen gewissen Lebensstandard leisten können, es gibt viele kostenfreie Angebote durch den Staat (Strom, Wasser, Entsorgung) die teilweise exzessiv genutzt werden und die Leute leben in einer Gemeinschaft. Aber gleichzeitig ist die Arbeitslosigkeit enorm hoch, die Bildung sehr gering und nur wer Teil der Gemeinschaft ist genießt relative Sicherheit. Schließlich fährt uns John zurück zum Hostel und lässt uns – erschlagen von den Eindrücken – dort zurück.


Serie: Garden Route

Jeweils Sonntags, um 20 Uhr: Ein kleiner 10 teiliger Reisebericht von der Garden Route in Südafrika, die ich im Frühjahr 2011 bereist habe. Mit ner Menge schönen Bildern, vielen faszinierenden Dingen und einigen interessanten Kleinigkeiten.

  1. Ankommen, Eingewöhnen, Losfahren – Garden Route
  2. Adventure Tour Knysna – Garden Route
  3. Knysna Elephant Park – Garden Route
  4. Safari im Wildlife Reserve – Garden Route
  5. Robberg Nature Reserve – Garden Route
  6. Monkeyland – Garden Route
  7. Birds of Eden – Garden Route