Dieser Beitrag ist Teil 3 von 7 in der Serie Garden Route

Die Elefanten kommen

Nach dem anstrengenden gestrigen Tag – am Abend gab es am Hostel noch einen Braai, entsprechend spät ging es erst ins Bett – gehen wir es heute langsam an. Erstmal gemütlich etwas vom Buffet frühstücken, dabei entspannt auf der Terrasse sitzen und den anderen Gästen beim packen zusehen. Denn unser Plan für den Tag steht bereits: Wir fahren weiter von Knysna nach Plettenberg Bay und werden auf dem Weg halt machen im Knysna Elephant Park. Schnell packen wir unsere Sachen, bedanken uns kurz bei der freundlichen Besitzerin des Hostels und fahren dann langsam los.

Fahrt zu den Elefanten

Die Fahrt zu den Elefanten

Nach knapp 20 Minuten Autofahrt auf der N2 durch Waldgebiete und vereinzelte Siedlungen biegen wir ab, auf eine sehr sandige Schotterpiste. Es dauert nicht lange und wir kommen an einem Parkplatz an, der von einigen großen Hallen, kleineren Gebäuden und vielen Bäumen flankiert wird. Im Besucherzentrum kaufen wir uns Eintrittskarten, betrachten dann – während einer kurzen Wartezeit auf die nächste Tour – die ausgestellten Exponate: Knochen, Fotos & Modelle. Dann geht es los, erst sehen wir einen Film zur Einführung, steigen dann in offene Wagen mit Sitzbänken, die und fahren von einem Traktor gezogen raus in das Freigelände.

Die Elefanten kommen

Die Elefanten kommen

Es dauert eine Weile, bis wir die ersten Elefanten zu Gesicht bekommen. Denn sie können sich in dem 60 Hektar großen Gelände frei bewegen. Ein wenig irritiert beobachten wir, dass sich die Elefanten freiwillig hinter einem der im Gelände aufstellten Metallgeländer versammelten. Denn man konnte man klar sehen, dass sie von keinem der Guides dorthin getrieben wurden. Dort angekommen stiegen wir aus, erhielten noch ein paar Sicherheitshinweise und durften uns dann – fast wie die Elefanten – mit etwas Abstand entlang des Geländers aufstellen. Denn nun sollten wir die Elefanten füttern.

Elefanten füttern

Und so füttert man Elefanten

Eigens für diese Fütterung hatten wir kleine weiße Plastikeimer dabei, gefüllt verschiedenem in großzügige Stücke zerteilten Grünzeug. Davon nimmt man nun z.B. ein Stück Kürbis in die Hand, der Elefant sieht das und hält einem den Rüssel hin – der dabei eine elegante Drehung um die eigene Achse vollzieht – und legt ihm das Stück in die Öffnung des Rüssels. Aber natürlich hat so ein Rüssel zwei Löcher, deswegen besteht der Elefant auch mit Nachdruck darauf, noch ein zweites Stück zu erhalten. Sobald der Elefant zufriedengestellt ist, führt er den Rüssel zum Mund und verspeist das Grünzeug. Lecker!

Wanderung zum Wasserloch

Irgendwann sind alle Plastikeimer leer, die Elefanten bemerken das relativ schnell und wenden sich daher gelangweilt von uns ab. Und nicht nur das, sie bewegen sich sogar weg von uns und zurück zu einem kleinen Wasserloch. Unsere Tour ist noch nicht vorbei, die Guides teilen uns in kleinere Gruppen auf und anschließend laufen wir den Elefanten zum Wasserloch hinterher. Auf dem Weg dorthin erklärt unser Guide, die Elefanten wären nicht im Park dressiert worden, sondern hätten selbst gelernt die Gäste des Parks als ihre Futterquelle zu nutzen. Darum kamen sie freiwillig zum Metallgeländer.

Elefanten am Wasserloch

Die Elefanten vergnügen sich am Wasserloch

Am Wasserloch angekommen, dürfen wir hautnah dabei zusehen, wie sich die Elefanten entweder mit Schlamm bespritzen, oder sich gerne auch darin wälzen. Es ist einfach nur schön, diesen riesigen Tiere dabei zuzusehen. Um schöne Fotos machen zu können, dürfen wir zu zweit auch noch näher an die Elefanten herangehen – bis auf zwei oder drei Meter. Nebenbei erklärt unser Guide ein paar Dinge zur Geschichte und zum Konzept des Parks: Hier werden Elefanten die anderswo nicht mehr gehalten werden können, z.B. aus dem Krüger-Nationalpark aufgenommen und dürfen hier den Rest ihres Lebens verbringen.

Elefanten am Wasserloch

Die Elefanten vergnügen sich am Wasserloch

Insgesamt leben hier aktuell 12 Elefanten, die meisten davon Waisenkinder, von denen derzeit neun als eine Herde gemeinsam frei auf dem Gelände herumlaufen können. Nur die drei ausgewachsenen Bullen müssen einzeln gehalten werden. Der Guide erzählt uns dann ein paar Fakten über die einzelnen Elefanten, z.B. das die Leitkuh der Herde 22 Jahre alt ist und die beiden Jüngsten erst 3 Jahre. Während er uns dies erzählt, dürfen wir dabei zusehen wie die beiden “Babys” miteinander spielen. Voreinander stehend reiben sie die Köpfe und Rüssel aneinander. Wirklich süß, dieser Anblick!

Spielende Jungelefanten

Die Jungelefanten spielen miteinander

Überhaupt ist es faszinierend in der Nähe dieser Tiere zu sein. Sie wirken so groß und stark, aber gleichzeitig auch verletzlich. Außerdem hinterlassen die Elefanten einen sehr intelligenten Eindruck, nicht nur bei dem Versuch den Besuchen Futter zu entlocken. Es ist schwer in Worte zu fassen, wahrscheinlich muss man es erlebt haben. Jedenfalls erscheinen mir in diesem Moment Zoos total überflüssig, da sie die Tiere viel mehr einschränken – wenngleich ich auch Probleme damit habe den Elefanten hier in diesem Park so nahe zu kommen, vielleicht auch grade weil die Tiere total zahm sind.

Auf Tuchfühlung gehen

Und schließlich, quasi als Krönung dieser Tour, bekommen wir die Gelegenheit die Elefanten zu streicheln. Wobei es eher so ist, dass die “Babys” fressend durch das Gras laufen und sich nicht durch uns Menschen stören lassen. Sie stehen ganz ruhig da, rupfen mit ihrem Rüssel Gras aus dem Boden, stecken es sich ins Maul und kauen – wir stehen ein wenig ehrfürchtig vor dem Elefanten und versuchen ihn ganz vorsichtig am Kopf zu streicheln. Von außen betrachtet muss das ziemlich dämlich aussehen, aber in der Situation selbst siegt der Egoismus und das Interesse an den Tieren.

Elefanten streicheln

Ich streichle die Stirn eines Elefanten

So ein Elefant fühlt sich übrigens meiner Meinung nach ein wenig so an wie Moos. Jedenfalls haben sie viele weiche bis borstige Haare, die teilweise noch leicht feucht sind vom Schlamm aus dem Wasserloch. Während wir direkt neben den Tieren stehen erklärt uns der Guide etwas über die Unterschiede der verschiedenen Elefantenarten. Plötzlich spüre ich wie sich etwas nasskaltes an meine Schulter drückt, ich drehe mich erschreckt um und stelle fest: Der andere kleine Elefant hat mich grade angerempelt. Aber außer einem großen Schlammfleck an meinem T-Shirt ist zum Glück nichts weiter passiert.

Ankommen in Plett

Leider findet die Tour bald ihr Ende, da die nächste Gruppe Besucher im Anmarsch ist. Deutlich bevor wir den Traktor gehört haben, hatten die Elefanten ihn schon bemerkt und liefen wieder zurück in Richtung Metallgeländer. Damit bleibt uns leider wenig anderes übrig, als zurück zum Besucherzentrum zu fahren. Dort werden wir standesgemäß am Restaurant abgesetzt, direkt vor dessen Eingang stehen ein paar Waschbecken – echt praktisch! Nachdem wir uns den Weg durch den Geschenkeladen gekämpft hatten, steigen wir wieder in unser Auto und fahren weiter, in Richtung Plettenberg Bay.

Palmen im Hostel

Blick aus dem Dorm auf die Palmen am Hostel

Es ist etwas schwierig unser Hostel zu finden, aber es gelingt uns besser als erwartet. Das “AmaKaya BackPackers” liegt ziemlich nahe am Zentrum und direkt am Minibus-Stand, weswegen in der Nähe einiges los ist. Das merkt man zum einen am Umgebungslärm und zum anderen daran, dass dieses Hostel von einer hohe Mauer mit Elektrozaun umgeben ist und man einen Code bekommt um das automatische Tor selbstständig öffnen zu können. Für den Abend haben wir bereits einen Plan, nachdem wir einmal in die Stadt geschaut haben, wollen wir noch eine Safari unternehmen. Dazu dann im nächsten Beitrag mehr.


Serie: Garden Route

Jeweils Sonntags, um 20 Uhr: Ein kleiner 10 teiliger Reisebericht von der Garden Route in Südafrika, die ich im Frühjahr 2011 bereist habe. Mit ner Menge schönen Bildern, vielen faszinierenden Dingen und einigen interessanten Kleinigkeiten.

  1. Ankommen, Eingewöhnen, Losfahren – Garden Route
  2. Adventure Tour Knysna – Garden Route
  3. Knysna Elephant Park – Garden Route
  4. Safari im Wildlife Reserve – Garden Route
  5. Robberg Nature Reserve – Garden Route
  6. Monkeyland – Garden Route
  7. Birds of Eden – Garden Route