Arzt werden. Warum?

“Erst ein langes trockenes Studium mit viel Auswendiglernen, dann wahnsinnige Arbeitszeiten, viel Verantwortung und das ganze Leid, das Blut und der Eiter. Warum wird man eigentlich Arzt?”

Jeder Mensch, der sich für diesen Beruf entscheidet hat seine eigenen Motive, daher kann ich speziell in dieser Frage eigentlich nur für mich selbst sprechen. Uneigentlich könnte ich hier natürlich auch das wiedergeben, was ich in verschiedenen Gesprächen mit Kommilitonen und (zukünftigen) Kollegen erfahren habe. Allerdings fällt es mir schwer, die Gedanken ordentlich zu sortieren, daher lasse ich das lieber und versuche stattdessen ein paar meiner eigenen Motive darzulegen.

Ob ich bereits als Kind den Wunsch hatte, Arzt zu werden, vermag ich heute nicht mehr so genau zu sagen. Immerhin hatte ich als Heranwachsender ein großes Interesse an Arztserien im Fernsehen und habe Serien wie “Emergency Room”, oder “Chicago Hope” verschlugen. Aber nicht nur das, tatsächlich habe ich den Inhalten in Bibliotheken hinterher recherchiert und versucht Fakt und Fiktion für mich herauszuarbeiten. Einige Charaktere der Serien waren Vorbilder für mich, vor allem weil sie einen Job hatten der in meinen Augen höchste Anerkennung verdient hat.

Tatsächlich aber dachte ich – nachdem ich das erste Mal mit Computern konfrontiert war -für eine lange Zeit: Irgendwas mit Computern will ich machen. Und es brauchte erst ein Praktikum um mich auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen. Denn ich bemerkte, dass es dieses ewig vor dem Computer hocken und Bits schubsen einfach nicht war. Warum? Im Wesentlichen fehlte mir die soziale Interaktion mit anderen Menschen und außerdem erschien mir die alltägliche Arbeit einfach viel zu abstrakt und eintönig. Klar macht mir das arbeiten am Computer auch heute noch Spaß, aber als Beruf kommt es nicht in Frage.

Stethoskop und Blutdruckmessgerät

Ich war zunächst etwas ratlos, entschied mich dann aber doch dafür es in der Medizin zu wagen. Es war gewissermaßen ein Sprung ins kalte Wasser, aber letztendlich genau der richtige. Schnell bemerkte ich, wie ungemein befriedigend die Arbeit mit Menschen ist. Insbesondere dann, wenn man einen kranken Menschen im Prozess der Heilung begleitet und seinen Teil zu diesem Prozess beitragen kann. Man muss halt einfach nicht lange nachdenken, um die Sinnhaftigkeit in diesem Beruf klar erkennen zu können.

Aber natürlich bringt Krankheit immer auch Leid mit sich, auch das gehört dazu. Genau so, wie einen Menschen nicht heilen zu können. Trotzdem befindet man sich in der glücklichen Position auch in solchen Situationen etwas bewegen zu können und sei es auch nur, indem man sich den Schmerzen und Ängsten des Patienten annimmt. Man ist eigentlich auch nur eine Art Dienstleister und begleitet andere Menschen, als Spezialist mit seinem Fachwissen, in ihrer Auseinandersetzung mit einem krankhaften Prozess. Und das alles in einer sehr konkreten und gut greifbaren Form, zumindest meistens.

Außerdem ist kaum ein Arbeitstag wie der andere, obwohl es natürlich immer auch eine gewisse Routine gibt. Aber meiner Erfahrung nach bezieht sich diese eher auf das Handwerk und weniger auf die Patienten und Kollegen und die entstehenden Situationen. Vor allem auch deshalb, weil man in diesem Beruf eine vergleichsweise intime Beziehung zu anderen wildfremden Menschen aufbaut. Und jeder Mensch ist anders, reagiert anders und verlangt das man sich mit ihm auf angemessene Art und Weise auseinandersetzt. Ganz besonders bei schwierigen Persönlichkeiten ist das oft eine besondere Herausforderung.

Nicht jeder Tag ist eine Erfüllung, aber so einen Beruf zu finden erscheint mir ehrlich gesagt eher unrealistisch. Und für solche Tage genügt es dann auch völlig, mit wehendem Kittel und coolem Blick über die Stationen im Krankenhaus hetzen zu können. Immerhin.

2 thoughts on “Arzt werden. Warum?

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