Durch Twitter wandert heute ein Beitrag der unter dem Titel “Der Student, der jüngst noch «hirntod» war” in verschiedenen Zeitungen erschienen ist. Die zugehörige Geschichte ist vor vier Jahren in England passiert und geht etwa wie folgt: Nach einem Autounfall erklären die Ärzte einen Schwerverletzten mit massiven Verletzungen des Gehirns für Hirntod und befragen daraufhin die Eltern bezüglich einer möglichen Organspende. Der Vater glaubt den Ärzten nicht, informiert eine Privatärztin, willigt nicht ein und nach einiger Zeit erwacht der angeblich Hirntote wieder zum Leben – und studiert heute.

Kommentiert wird dieses Geschehen von verschiedenen Ärzten, die im Wesentlichen von einem peinlichen und in Deutschland unmöglichen Vorfall reden, die Diagnose Hirntod in diesem Fall anzweifeln und darauf verweisen doch bitte mehr auf Angehörige zu hören.

Soweit, so gut. Verwiesen wird aber auch auf die Kampagnen für Organspende, in denen darauf verwiesen wird, dass es bei Organspenden auf jede Sekunde ankommen würde. Dies bezieht sich aber nicht auf die Spender, sondern auf die Empfänger. Für diese kann jeder weitere Tag Wartezeit zu viel sein. Das heißt natürlich alles nicht, dass die Diagnostik um den Hirntod festzustellen so fahrlässig wie in dem in den Artikeln im beschriebenen Fall ablaufen darf.

Über den beschriebenen Fall kann man nur Mutmaßungen anstellen, fakt ist aber: Die Diagnose Hirntod war falsch und hätte zu diesem Zeitpunkt – mit der Grundlage “sowas überlebt sonst keiner” – nicht gestellt werden können und dürfen. Es gibt dazu deutsche Leitlinien, die auf dem Transplantationsgesetz beruhen – und diese hätten in diesem Fall niemals die Diagnose “Hirntod” ergeben. Natürlich ist es wichtig und richtig über die Definition des Hirntodes und die Regelung der Organspende zu diskutieren. Aber einen vier Jahre alten Einzelfall aus England emotional aufzubauschen, und die Leser damit einem diffusen Gefühl der Angst auszusetzen, erscheint mir dafür wenig hilfreich.