Immer wieder hab ich beim Arbeiten im Krankenhaus bemerkt, dass zwischen mir und den “alten” Ärzten ein tiefer Graben verläuft. Zumindest was die Einstellung zur Medizin als Job angeht. Entsprechend begeistert war ich, als ich heute bei Facebook folgenden Artikel der FAZ sah: “Generation Y: der alte Arzt hat ausgedient“, so heißt das also. Ich habe zwar auch Kritik an der Darstellung der so genannten “Generation Y” in diesem Artikel, stimme aber dem Inhalt in weiten Teilen zu. Denn die Erwartungen der jungen Mediziner (mich eingeschlossen), an das Berufsleben wandeln sich radikal.

Der Beruf “Arzt” ist längst keine Berufung mehr, die über allem steht. Er wurde degradiert zu einem normalen Beruf, wie jeder andere. Dadurch ändert sich der Maßstab, mit dem bewertet wird: mangelndes Sozialleben durch unbezahlte Überstunden? Tagelange ständige Dienste? Miserable Weiterbildung durch autoritäre Choleriker? Unvereinbarkeit von Familie und Beruf? Das alles ist traurige Realität, in den deutschen Krankenhäusern. Und wird vom Nachwuchs längst nicht mehr klaglos akzeptiert.

Ein Novum, erhoben Ärzte doch bislang höchstens dann ihre Stimmen um für mehr Gehalt zu kämpfen. Doch der demographische Wandel macht es möglich, denn wo Ärztemangel herrscht, ist niemand mehr dem System gegenüber machtlos. Wenn eine Klinik keine passenden Arbeitsbedingungen schafft, bleibt der Nachwuchs einfach weg. Es entsteht also endlich ein wirklicher Arbeitsmarkt, was einigen Leuten ernsthaft Angst macht. Den in den herrschenden Zeiten von Privatisierungen und Gewinnmaximierung im Gesundheitswesen kommt das denkbar ungünstig.

Als Teil der “Generation Y” in der Ärzteschaft muss ich aber betonen, dass es bei diesem Kampf nicht darum geht möglichst wenig zu arbeiten. Diesen Eindruck könnte man nach der Lektüre des FAZ Artikels leider bekommen, was ich schade finde. Denn es geht doch eigentlich im Prinzip darum, die über viele Jahre gewachsenen verkrusteten Strukturen der ärztlichen Arbeit im Gesundheitswesen zu überwinden!

Ich bin Jahrgang 86, will als Arzt im Krankenhaus arbeiten, aber ich erwarte Respekt von meinem Arbeitgeber. Respekt dafür, dass

  • ich ein Sozialleben haben will und die Arbeit als Arzt nicht mein ganzes Leben ausfüllen darf.
  • ich erwarte meine Arbeitszeiten einhalten zu können, Überstunden eine Ausnahme sind und angemessen ausgeglichen werden.
  • ich eine fundierte und an einem verbindlichen Curriculum orientierte Weiterbildung erhalte.
  • ich Familie und Beruf vernünftig mit Hilfe meines Arbeitgebers unter einen Hut bringen kann.

Dann bin ich gerne bereit dazu viel und auch hart zu arbeiten und mich dabei voll und ganz im Rahmen meiner Fähigkeiten ins Team einzubringen. Oder ist das zu viel verlangt?