Transparenz in Sachen Leistungs- und Qualitätsunterschiede

In einem Positionspapier fordert die Piratenpartei, dass Informationen über “Leistungs- und Qualitätsunterschiede“ zugänglich und transparent bereitgestellt werden sollen. Diese Forderung richtet sich meiner Meinung nach vor allem an das Institut für Qualitätssicherung und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG), welches als unabhängiges Institut Nutzen und Schaden von medizinischen Leistungen für Patienten untersucht. Ist ja gut und schön, aber was bedeutet das?

Im Grunde genommen funktioniert das IQWIG so: Es erstellt – in der Regel im Auftrag von Gesundheitsministerium, oder vom gemeinsamen Bundesausschuss – unabhängige und evidenzbasierte (dazu demnächst mehr) Gutachten zu medizinischen Leistungen oder Maßnahmen. Das kann von Medikamenten über Diagnoseverfahren bis hin zu Leitlinien alles mögliche sein. Ziel ist dabei immer die entsprechenden Leistungen, oder Maßnahmen auf Nutzen oder Schaden für Patienten zu untersuchen. Und das ist natürlich streng geheimes Wissen… oh, oder auch nicht…

Damit es an dieser Stelle zu keinen Missverständnissen kommt: Das IQWIG veröffentlicht bereits viele Informationen auf seiner Website: Das sind zum einen alle Ergebnisse seiner Untersuchungen in unterschiedlichsten Versionen z.B. im Volltext, Schnellberichten, Dossiers, oder in “allgemeinverständlich”. Und zum anderen nutzt das IQWIG die Website Gesundheitsinformation.de als Plattform um «unabhängige, evidenzbasierte und allgemeinverständliche Informationen» frei für alle Bürger zur Verfügung zu stellen.

Das ist vielleicht nicht jedem bekannt, aber zumindest die Autoren des Positionspapieres scheinen das gewusst zu haben. Denn gefordert wird in dem Positionspapier eine andere Qualität von Informationen, für die als einziges Beispiel eine Positivliste von Arzneimitteln genannt wird. Die Idee dahinter ist: Alle Medikamente mit nachgewiesener Wirksamkeit landen auf einer großen gemeinsamen Liste. Dann müssen Patienten und Ärzte nicht erst langwierig viele einzelne Studien und Berichte lesen, sondern finden schnell heraus ob ein Medikament hilft – oder auch nicht.

Das IQWIG scheint der perfekte Ansprechpartner für solche Fragen zu sein, soll es doch unabhängig Nutzen und Schaden von unter anderem auch Medikamenten bewerten. Eigentlich ist diese Idee wirklich gut, die Frage ist nur: Was wollen wir eigentlich vom IQWIG begutachtet wissen und wer soll den Auftrag dazu erteilen?

Hierzu sollten aber zunächst einmal die Fragen, bzw. die Zielsetzungen, geklärt werden, damit man nicht nur eine Positivliste für Medikamente als Beispiele im Angebot hat. Mir schwebt da etwas im Sinne der Top 5, der wichtigsten “Informationen” vor, oder ähnliches vor. Damit dem IQWIQ, bzw. dem Gesundheitsministerium (oder wem auch immer), ein konkreter Katalog an wichtigen Fragen und Zielen hinsichtlich Leistungs- und Qualitätsunterschieden vorgelegt werden kann. Es gilt also die Forderung aus dem Positionspapier mit konkreten und ausformulierten Zielen zu unterfüttern, damit sie als eigener Aspekt in zukünftige Wahlprogramme einziehen kann.

(Angemerkt sei hier übrigens noch, dass vom IQWIG in seinen Gutachten natürlich auch wirtschaftliche Aspekte von Leistungen berücksichtigt werden. Wofür es auch schon Kritik als vermeintlicher Helfershelfer der Rationalisierung der Leistungen der Gesetzlichen Krankenversicherung einstecken musste.)