Dieser Beitrag ist Teil 6 von 7 in der Serie Garden Route

Angekommen im Land der Affen

Wir befinden uns wieder auf der N2 und fahren weiter Richtung Osten, vorbei an Keurboomstrand. Und ich bin immer wieder aufs neue völlig fasziniert von der Landschaft hier. Ein wenig erinnert es an Europa, wegen der vielen Bäume, aber es wirkt viel urtümlicher. An einer Tankstelle biegen wir ab, viele Leute sind hier unterwegs und laufen in langen Schlangen an der Straße entlang. Die Erklärung dafür folgt auf dem Fuße, denn unsere Fahrt geht weiter, über eine schale Straße, vorbei an einem Township. Und schließlich erreichen wir den großen Parkplatz unseres Ziels: Monkeyland.

Kapuzineräffchen mit Kind

Begrüßung: Kapuzineräffchen mit Kind

Es ist immer wieder merkwürdig, dieses Südafrika. Nicht einmal einen Kilometer weit entfernt von hier liegt ein Township, aber dieser Parkplatz fühlt sich an, wie in Mitteleuropa. Wir lassen unsere Sachen im Auto und betreten durch eine Art Schleuse den Park. Der Fußweg führt uns einige Meter durch den dichten Urwald, bis wir an zwei Holzhäusern ankommen. Und hier ist einiges los, einige Affen klettern an den Häusern entlang und gucken sich interessiert die Besucher an – wahrscheinlich hoffen sie auf etwas essbares.

Interessantes Hinweisschild am Eingang

Interessantes Hinweisschild am Eingang

In einem der Häuser kaufen wir unsere Tickets und müssen dann noch einige Minuten auf den Beginn unserer geführten Tour warten. Schon dabei bekommen wir einige der Affen zu Gesicht. Und wir verstehen das oben abgebildete Schild, denn den Affen scheint sehr wohl klar zu sein, dass wir Menschen viele leckere und interessante Gegenstände mit uns führen. Dann geht die Tour los, wir sind etwas mehr als ein Dutzend Teilnehmer und unser Guide Sirgeon führt uns mitten durch den Urwald. Und überall um uns herum raschelt es, fast so als wären wir unter ständiger Beobachtung. Von wem wohl?

Affe auf Futterplattform

Affe auf Futterplattform

Wir folgen einigen ausgetretenen Pfaden und kommen an einer kleinen Lichtung an, auf der eine etwa einen Meter hohe Plattform in einer Art Sandkasten steht. Unser Guide erklärt uns, hier würden die Affen ihre Nahrung erhalten. Zu den Essenszeiten würde hier vor allem Obst in verschiedensten Varianten auf die Plattformen gelegt und die Affen kämen dann von Zeit zu Zeit vorbei und würden sich einfach bedienen. Mit dem positiven Nebeneffekt, dass die Besucher sie dadurch leicht zu Gesicht bekommen können.

Mit offenen Augen durch den Urwald laufen

Von unserem Guide bekommen wir erklärt, dass Monkeyland so eine Art Tierheim für Affen ist. Hier werden ehemals eingesperrte Affen aufgenommen und durchlaufen einen Prozess der Auswilderung. Sodass sie sich dann am Ende auf dem 23 Hektar großen Gelände des Parks frei bewegen können und damit hier auf fast natürliche Weise leben. Die Führungen von Besuchern und Merchandising würden dem Park dabei helfen, den Betrieb aufrechtzuerhalten. Außerdem möchte man die Besucher dazu animieren, über deren Beziehung zu Affen nachzudenken.

Schildkröte im Unterholz

Schildkröte im Unterholz

Aber nicht nur Affen gibt es hier in Monkeyland zu Entdecken, sondern unter anderem auch ziemlich große Schildkröten, die sich hier mit atemberaubend geringer Geschwindigkeit durch das Unterholz bewegen. Und auch viele Vögel umgeben uns, es fühlt sich an, wie ein wirklich lebendiger Lebensraum – und wir sind mitten drin. Unsere Tour besteht aus kurzen Wegen von 2 – 5 Minuten durch den Urwald, unterbrochen von Stopps an interessanten Punkten. Diese Punkte sind meistens Lichtungen, mit den schon weiter oben von mir beschriebenen Plattformen. An diesen Stellen sind in der Regel verschiedene Affenarten zu sehen, zu denen unser Guide uns einige Fakten erklärt – unter anderem zu Lebensweise, Ernährung, Familienstruktur, oder sonstigen Besonderheiten.

Gibbon in den Baumkronen

Gibbon in den Baumkronen

Wir erfahren viele neue Dinge vor allem über die Unterschiede zwischen Affen (engl. Monkeys) und Menschenaffen (engl. Apes). Und wir bekommen immer wieder verschiedenste Arten zu Gesicht, kein Wunder denn auf dem Gelände leben laut Guide etwa 400 Tiere aus 16 Tierarten. Unter anderem Bärenpaviane, Kapuzineräffchen und auch Gibbons. Alle sind auf ihre Art spektakuläre Tiere, vor allem aber ein männlicher Gibbon namens “Atlas” ist eindrucksvoll: Er springt in hohem Tempo von Ast zu Ast und singt dabei in großer Lautstärke sein Lied – um Weibchen anzulocken. Für menschliche Ohren fast schon unangenehm laut, aber zu unserem Glück findet er Menschen doof.

Die berühmte Hängebrücke

Die berühmte Hängebrücke

Nun geht es weiter über eine 128 Meter lange Hängebrücke – laut Guide die längste Hängebrücke ihrer Art in Südafrika – wobei wir quasi durch die Baumkronen gehen. Eigentlich eine schöne Idee um in den Bäumen sitzende Affen zu entdecken, denn vom Boden aus kann man die sehr schlecht erkennen, aber leider bekommen wir keine zu Gesicht. So ist es nur ein Gänsemarsch mit von unserem Guide vorgeschriebenen Abstand über eine wackelige und klapprig anmutende Hängebrücke zwischen den Ästen.

Erstaunliche Anblicke

Es ist schwierig den Eindruck zu beschreiben, aber es ist immer wieder völlig faszinierend die diversen Affenarten aus der Nähe und in der “Natur” betrachten zu können. Denn man erkennt erstaunlich oft – oder meint es zumindest – menschliche Züge in unseren nähsten Verwandten, wie unser Guide immer wieder betont. Das sind vor allem Kleinigkeiten, sowas wie die winzigen Fingernägel der Totenkopfäffchen, die denen von kleinen Kindern extrem ähnlich sind.

Totenkopfäffchen aus der Ferne

Totenkopfäffchen aus der Ferne

Beeindruckend ist auch die Faszination, mit der uns einzelne Affen immer wieder betrachten, oder in unsere Nähe kommen. Wobei unser Guide uns als Gruppe ermahnt, den Tieren nicht zu nahe zu kommen, da sie nicht immer so friedlich wären wie sie auf uns wirken würden. Dann erzählt er uns Anekdoten davon, wie Besucher im Park unter anderem Handtaschen, Handys, Haarbüschel und vor allem Nahrungsmittel eingebüßt hätten. Erstaunlich… die Affen sehen doch sooo süß und friedlich aus…

Und Totenkopfäffchen aus der Nähe

Und Totenkopfäffchen aus der Nähe

Dann sehen wir tatsächlich noch einen Lemur im Baum hängen und fühlen uns an Madagascar erinnert. Zum Abschluss bekommen wir noch eine kurze Führung zu den einzigen Käfigen auf dem Gelände, in denen befinden sich Affen die auf ihre Auswilderung vorbereitet werden und sich derzeit noch akklimatisieren müssen. Hierzu erklärt unser Guide uns noch einige Fakten zu diesem Prozess, wobei wir ehrlich gesagt nach über 1,5 Stunden Führung durch den Urwald nicht mehr so ganz aufnahmefähig sind.

Lemur auf einem Ast

Lemur auf einem Ast

Schließlich erreichen wir wieder die Holzhäuser und unsere Führung endet – wie war es auch anders zu erwarten – im Souvenir Laden. Wir sind insgesamt sehr begeistert und verlassen Monkeyland wieder zufrieden durch die Schleuse. Auf dem Parkplatz schauen wir kurz am Auto nach dem Rechten und stärken uns kurz. Denn unsere nächste Station ist nur wenige Meter entfernt, davon werde ich aber erst im nächsten Beitrag berichten! :-)


Serie: Garden Route

Jeweils Sonntags, um 20 Uhr: Ein kleiner 10 teiliger Reisebericht von der Garden Route in Südafrika, die ich im Frühjahr 2011 bereist habe. Mit ner Menge schönen Bildern, vielen faszinierenden Dingen und einigen interessanten Kleinigkeiten.

  1. Ankommen, Eingewöhnen, Losfahren – Garden Route
  2. Adventure Tour Knysna – Garden Route
  3. Knysna Elephant Park – Garden Route
  4. Safari im Wildlife Reserve – Garden Route
  5. Robberg Nature Reserve – Garden Route
  6. Monkeyland – Garden Route
  7. Birds of Eden – Garden Route