In letzter Zeit lese ich ständig irgendwas von Indikationen, da gibt es irgendwie absolute und relative. Aber… Was ist das überhaupt? Was bedeutet es? Und warum gibt es das?

Grundsätzlich bedeutet die Stellung einer Indikation, dass ein Arzt nach definierten Kriterien entscheidet, welche medizinische Maßnahmen bei einem bestimmten Krankheitsbild angebracht sind. Die Entscheidung, welche Maßnahme zum Einsatz kommt muss dann im Rahmen einer “informierten Zustimmung” im Gespräch mit dem Patienten festgelegt werden. Faktoren die hierbei berücksichtigt werden müssen betreffen nicht nur die Diagnose, sondern auch den (allgemeinen) Zustand des Patienten, anatomische Verhältnisse und vieles mehr.

Besondere Bedeutung hat die Indikationsstellung in der Chirurgie, da hier die invasivsten Eingriffe in die körperliche Unversehrheit eines Menschen stattfinden. Hier ist eine besondere Sorgfalt an den Tag zu legen, denn erfolgt ein Eingriff ohne medizinische Indikation oder explizite Einwilligung des Patienten liegt eine Körperverletzung als Straftat vor. Letztendlich gibt es einen kleinen “Zoo” an möglichen Indikationen, ich will hier im Folgenden ein paar Schildern und auf deren Bedeutung eingehen:

Die Notfallindikation stellt das eine Extrem der Skala dar: Hierfür muss eine akut lebensbedrohliche Situation vorliegen, die akute lebensrettende Maßnahmen erfordert. Sofern nicht ausdrücklich durch den Patienten verfügt wurde, dass bestimmte Maßnahmen nicht erfolgen sollen, werden die Ärzte in solchen Situationen alle zur Verfügung stehenden Maßnahmen ausschöpfen.

Beispiele für solche Situationen sind zum Beispiel Notoperationen bei starken Blutungen, oder die Reanimation bei Herz-Kreislauf-Stillstand. In solchen Fällen wäre der Tod des Patienten ohne medizinische Maßnahmen unverzüglich zu erwarten.

Bei einer vitalen Indikation liegt eine lebensbedrohliche Situation vor, die ebenfalls lebensrettende Maßnahmen erfordert. Es handelt sich in diesem Fall allerdings um keine Entscheidung von Minuten, sondern der Tod des Patienten ohne medizinische Maßnahmen wäre binnen Tagen bis Monaten zu erwarten.

Solche Situationen können zum Beispiel kindliche Herzfehler sein, die ohne Herzoperation in den ersten Tagen bis Wochen des Lebens mit großer Wahrscheinlichkeit zum Tod führen.

Die absolute Indikation bedeutet, es liegt eine Situation vor, in der durch ein Krankheitsbild (langfristig) absehbare negative Auswirkungen auf die Gesundheit eines Patienten entstehen werden. Hier besteht also keine zeitkritische Gefährdung des Lebens des Patienten, sondern es geht darum, die Gesundheit und damit auch die Lebensqualität so gut wie möglich zu erhalten. In solchen Situationen sollen daher durch entsprechende Maßnahmen die negativen Auswirkungen eines Krankheitsbildes so gering wie möglich gehalten werden.

Einfachstes Beispiel für solche Situationen sind die meisten Knochenbrüche, deren Behandlung dient vor allem dem Erhalt der Lebensqualität. Aber auch die Operation von Lippen-Kiefer-Gaumenspalten zählen hierzu, da in der Regel funktionelle Einschränkungen (Atmen, Essen, Sprechen, etc.) bestehen.

Als relative Indikation bezeichnet man Situationen, in denen eine Behandlung vorteilhaft, aber nicht zwingend notwendig ist. Hier ist der Wesentliche Faktor die Lebensqualität des Patienten, die Maßnahmen sollen (mögliche) negative Auswirkungen auf die Lebensqualität begrenzen. Aber die Lebensqualität ist ein schwieriges Feld. Hier versammeln sich auf der einen Seite ganz viele Maßnahmen die wenig miteinander gemeinsam haben und auf der anderen Seite einzelne Patienten die unterschiedlichste Bedürfnisse haben.

Als Beispiel hierfür kann man das Anlegen von Segelohren nehmen, da sich der Nutzen hier nur auf die Verbesserung der Lebensqualität des Betroffenen beschränkt. Nicht unter diese Definition fallen übrigens Eingriffe, die ausschließlich der Kosmetik dienen.

Zu guter letzt gibt es natürlich auch Situationen in denen eine Maßnahme einem Patienten keinen Vorteil bringen würde und damit keine Indikation hätte. Oder – das ist der andere Extremfall – dem Patienten Schaden verursachen würde, dann wäre eine Maßnahme Kontraindiziert.

Anmerken muss ich allerdings noch eins, ich schrieb grade das rein kosmetische Eingriffe nicht unter die Definition der relativen Indikation fallen. Damit sind ausschließlich so genannte “Schönheitsoperationen” zusammenfasst, also Eingriffe wie Brustvergrößerungen, oder das Fettabsaugen. Bei diesen Eingriffen besteht nur in seltenen Fällen eine medizinische Indikation!

Explizit davon differenzieren muss man Eingriffe, die sich schwammig unter dem Begriff der plastischen Chirurgie versammeln. Hier geht es auch um ästhetische Aspekte, aber vor allem um die Wiederherstellung von verlorengegangenen Funktionen des Körpers, die z.B. durch Verletzungen, Tumoren oder auch Fehlbildungen entstanden sind. Bei diesen Eingriffen besteht oftmals “nur” eine relative Indikation, aber es besteht eine medizinische Indikation, die Maßnahme ist also medizinisch notwendig!

Und als letztes noch die wichtigste Botschaft: Eine Indikation ist immer eine Einzelfallentscheidung, die (fast) immer kritisch zu stellen ist.