Dieser Beitrag ist Teil 7 von 7 in der Serie Garden Route

Direkt gegenüber, eine Art Garten Eden. Für Vögel.

Grade eben noch waren wir auf dem Parkplatz vor den Toren von Monkeyland. Jetzt gehen wir entlang von Blumen und Sträuchern auf ein Waldstück zu, dass von einer Art Netz umgeben ist, dass an vielen sehr großen Stützen aufgehängt ist. Der Eingang ist ein kleines Holzhaus, dass uns nicht nur zufällig an Monkeyland erinnert. Wir betreten es, zeigen unser Kombiticket (wie praktisch!) vor und wollen nun unsere nächste Station “Birds of Eden” betreten. Begrüßt werden wir übrigens erneut von Schildern, die uns davor warnen dass Vögel großen Gefallen an Schmuck finden würden und dazu auffordern bitte keine Flamingos oder andere Einwohner des Parks mitzunehmen.

Freundliches Hinweisschild am Eingang

Freundliches Hinweisschild am Eingang

Wie Monkeyland ist auch Birds of Eden ein ganz besonderer Park, denn auch hier stammen die fliegenden Bewohner praktisch alle aus Käfighaltung. Und damit diese nicht einfach so wegfliegen können, aber trotzdem genug Platz haben, wurde hier die größte Voliere der Welt errichtet. Sie ist knapp 2,3 Hektar groß und wurde errichtet indem ein engmaschiges Netz über 28 Stahlmasten mitten in einem Stück Urwald gespannt wurde. Dadurch steht den Vögeln ein etwa 375.000 m³ großes Reich zur Verfügung, durchflossen von mehreren Bächen, mit Wasserfall, einem See und wahnsinnig viel dichter Vegetation. Und es sieht in echt noch viel beeindruckender aus, als auf dem Bild.

Erster Eindruck von innerhalb der Voliere

Erster Eindruck von innerhalb der Voliere

Hier gibt es (glücklicherweise?) keine geführte Tour, sondern einen knapp 1,2 Kilometer langen Laufsteg, auf dem die Besucher selbstständig alles erkunden dürfen. Wir wurden sogar extra drauf hingewiesen, dass wir uns dafür so viel Zeit nehmen dürften, wie wir wollen. Und so machen wir uns auf den Weg. Der Holzsteg führt uns zunächst in großer Höhe fast durch die Baumkronen – und überall sind Vögel zu sehen und vor allem zu hören. Kein Wunder, denn hier leben über 3.000 Vögel aus über 220 Arten.

Faszinierende Vögel, hautnah im Urwald erlebt.

Entlang des Holzsteges sind immer wieder an Auslegern kleine Futterstationen platziert. Sodass sich dort immer wieder kleine Horden von allen möglichen Vögeln platz nehmen um sich mit Körnern, Wasser, oder beidem zu stärken. Dadurch sieht man als Besucher immer wieder neue Arten aus der Nähe, obwohl die meisten Vögel immer noch scheu genug sind und schnell das Weite suchen, wenn man zu nah kommt. Wir gehen einige Schritte, machen Fotos, oder bleiben einfach nur so stehen und betrachten. Wir sehen wilde Tauben, Kakadus, diverse kleine Papageien und viele mehr!

Ihn haben wir leider vom Balzen abgehalten

Ihn haben wir leider vom Balzen abgehalten

Inzwischen ist der Holzweg fast auf dem Bodenniveau angekommen und wir hören es im Unterholz rascheln. Wir schauen herunter und sehen einen relativ großen, gelb-orangen Vogel am Ufer eines kleinen Baches herumstolzieren, was irgendwie fehl am Platze aussieht. Belustigt gehen wir weiter und bleiben nach einer Kurve verzückt stehen: Ein weiterer dieser Vögel steht mitten auf dem Holzweg und balzt ein Weibchen an, dass oben auf dem Geländer des Holzstegs sitzt. Offenbar stören wir die beiden und das Weibchen macht sich schnell aus dem Staub, aber von dem Männchen können wir glücklicherweise ein paar tolle Fotos machen!

Der kleine Mohrenkopfpapagei

Der kleine Mohrenkopfpapagei

Eine weitere kleine Überraschung für uns stellt ein kleiner Mohrenkopfpapagei (der heißt leider wirklich so!) da. Eigentlich wollten wir nur ein paar Fotos von ihm machen, doch er hat andere Pläne: Er findet uns so spannend, dass er mit verzückten Lauten zu uns kommt. Als wir darauf mit nachgeahmten Rufen von Nymphensittichen reagieren, lässt er keine Ruhe mehr. Letztendlich entschließt er sich sogar dazu, über meine Arme auf den Rücken zu laufen und es sich dort gemütlich zu machen. Ein sehr schönes Erlebnis, auch wenn man schnell vergisst wie spitz Krallen und Schnabel von Papageien sind – offenbar schmeckte ich so gut, dass man mich diverse Male probieren musste!

Auf Tuchfühlung mit einem Gelbbrustara

Auf Tuchfühlung mit einem Gelbbrustara

Ein ganzes Stück weiter auf unserem Weg sehen wir zwei Aras, die aber so weit oben auf einem Baum sitzen, dass wir sie kaum erkennen können. Ein paar Meter und einige kunterbunte kleine Vögel weiter auf dem Holzsteg, sehen wir dann einen Gelbbrustara – endlich! Er ist grade dabei eine Mahlzeit aus einer Futterstation zu sich zu nehmen und stört sich kaum an unserer Anwesenheit. Und ich bin beeindruckt. Dieser Vogel hat ein faszinierendes Gefieder und ist einfach unglaublich groß – der Schnabel macht mir fast schon Angst. Als wir weitergehen wollen verfolgt und plötzlich der Ara und mir fällt auf, dass mein oranges T-Shirt vielleicht eine blöde Farbwahl für diese Tour war.

Es wird nass. Willkommen in der Welt der Wasservögel!

Die Vegetation ändert sich, wir kommen nun in die Nähe eines kleinen Sees und der Holzsteg geht nahtlos über in einen gepflasterten Weg. Begrüßt werden wir von zwei Gänse, die wie Wachen mitten auf dem Weg stehen und ankommende Besucher skeptisch betrachten. Kurze Zeit sind wir ratlos, aber als die Gänse sich überhaupt nicht rühren entschließen wir uns darum, einfach einen großen Bogen um sie zu gehen. Und tatsächlich, es stört die beiden “Wachen” nicht, als wir in gebührendem Abstand über das Gras an ihnen vorbei schleichen. Aber sie bleiben wachsam stehen.

Zwei Enten bewachen den weiteren Weg

Zwei Enten bewachen den weiteren Weg

Hier bekommen wir nun auch verschiedenste Wasservögel zu Gesicht. Unter anderem Flamingos, denen wir einige Zeit interessiert beim Putzen und Essen zusehen. Irgendwie sehen sie ja schon ziemlich lustig aus, mit ihren krummen Schnäbeln und den irrsinnig langen schlacksigen Beinen. Und im Gegensatz zum Besuch eines Zoos habe ich hier irgendwie ein besseres Gefühl. Klar sind die Tiere letztendlich immer noch eingesperrt in einer großen Voliere, aber es ist eben eine sehr große Voliere mit wirklich viel Platz. Und können – sofern ihre Flügel nicht in der Käfighaltung gestutzt wurden – frei herumfliegen.

Zwei Flamingos im Wasser

Zwei Flamingos im Wasser

Neben den Flamingos gibt es aber noch mehr, unter anderem Perlhühner (aber die Bilder erspare ich euch…) und andere irrwitzige Tiere, die ich nie zuvor gesehen habe. Unter anderem den lustig aussehenden Knysna Lourie. Aber es würde leider den Rahmen völlig sprengen, wenn ich die hier alle aufzählen würde… :-( In dem kleinen See kurz vor dem Ausgang finden wir dann noch viele kunterbunte Mandarinenten, deren Gefieder in den schönsten Farben leuchten. Ehrlich gesagt finde ich dagegen unsere heimischen Enten fast ein wenig langweilig! In dem See voller Enten befindet sich eine kleine Plattform mit großen Metallschildern, zur Information denken wir und laufen zügig dorthin.

Eine kunterbunte Mandarinente

Eine kunterbunte Mandarinente

Aber Pustekuchen, auf den Schildern sind nur große Abbildungen von Fastfood die im nahen Restaurant verspeist werden können. Wir sind offenbar wieder zurück in der “Zivilisation” und tatsächlich ist der Ausgang nicht mehr weit. Aber nach dem wir bald 2 Stunden in der Voliere unterwegs waren können wir sie ruhigen Gewissens verlassen. Es war eine echt schöne Zeit und wir haben vorher noch niemals so viele faszinierende Vögel in einem so natürlich wirkenden Lebensraum gesehen. Allerdings war es schade, dass wir uns kein Informationsheft gekauft haben, dann hätten wir die Vögel wahrscheinlich besser identifizieren können… Geschafft gehen wir zurück zum Parkplatz.

Verabschiedung durch eine Entenfamilie, kurz vor dem Ausgang

Verabschiedung durch eine Entenfamilie, kurz vor dem Ausgang


Serie: Garden Route

Jeweils Sonntags, um 20 Uhr: Ein kleiner 10 teiliger Reisebericht von der Garden Route in Südafrika, die ich im Frühjahr 2011 bereist habe. Mit ner Menge schönen Bildern, vielen faszinierenden Dingen und einigen interessanten Kleinigkeiten.

  1. Ankommen, Eingewöhnen, Losfahren – Garden Route
  2. Adventure Tour Knysna – Garden Route
  3. Knysna Elephant Park – Garden Route
  4. Safari im Wildlife Reserve – Garden Route
  5. Robberg Nature Reserve – Garden Route
  6. Monkeyland – Garden Route
  7. Birds of Eden – Garden Route