Es ist erst ein paar Tage her, da erhob Harald Terpe (Gesundheitsexperte der Grünen) den Vorwürf, dass Privatpatienten vermutlich bei Transplantationen bevorzugt werden würden. Grundlage dafür waren Daten von Eurotransplant, in denen Terpe folgendes bemerkt hatte: Der Anteil von Privatpatienten unter den Menschen, die ein Spenderorgan transplantiert bekamen sei auffällig hoch – im Vergleich zu ihrem Anteil auf der Warteliste.

Es passierte natürlich das, was zu erwarten war: Die Empörung war groß, alle großen Medien berichteten darüber und auch auf Twitter wurden die Vorwürfe thematisiert. Diverse Leute in meiner Timeline bekundeten nun endgültig das Vertrauen in die Organspende in Deutschland verloren zu haben und kritisierten Ärzte, die DSO, das Gesundheitsministerium und überhaupt das gesamte korrupte System. Und die Opposition griff natürlich den Gesundheitsminister an und kritisierte die Politik der Koalition in Bezug auf die derzeitige Organspendepolitik.

Ich fand es absurd diese Pseudodiskussion über Organspende zu führen, denn die Daten hatte natürlich niemand zur Hand. Auf Twitter hatte ich vorsichtig vermutet, es könnte systematische Unterschiede zwischen Privat- und Gesetzlich Versicherten geben. Was mich störte war vor allem, dass sich hier auf Grundlage einer Erwartungshaltung empört wurde, anstatt sich erst einmal mit Aussagen von Terpe zu beschäftigen und die Daten kritisch zu analysieren.

Natürlich hält sich die Empörung nicht lange im Internet und schnell geriet das Thema wieder in Vergessenheit. Aber nicht ganz, denn im Spiegel ergriff Axel Rahmel der medizinische Direktor von Eurotransplant das Wort: Die Daten seien “leider missverständlich interpretiert worden“, außerdem könne ein solcher Rückschluss aus den von Terpe genutzten Daten nicht statistisch sauber gezogen werden. Rahmels Argumentation kann ausführlich beim Spiegel nachgelesen werden und wirkt erstmal plausibel. In der Öffentlichkeit wird dies natürlich – erst Recht im Vergleich zur Empörung – wenig bis gar nicht wahrgenommen.

So bleibt unterm Strich eine weiter zunehmende Skepsis gegenüber den an der Organspende beteiligten Organisationen, damit wird die Bereitschaft zur Organspende auch weiterhin sinken. Und ich kann mich nur wiederholen: Themen wie die Organspende sollten wesentlich sensibler gehandhabt werden.