Endlich wieder ein Bond, diesmal heißt er “Skyfall” und kommt passend zum fünfzigsten Geburtstag. In der langen Wartezeit sind die Trailer viel diskutiert worden und die sich darin abzeichnende Geschichte wurde scharf analysiert. Gab es da überhaupt noch Spielraum für Überraschungen und können die hohen Erwartungen erfüllt werden?

Der 23. Teil der Bond-Saga wurde verfilmt von Sam Mendes und produziert von Michael G. Wilson und Barbara Broccoli. In seinen 143 Filmminuten wird übrigens im Gegensatz zu seinen Vorgängern keine Fortsetzung dargestellt. Diesmal hat der MI6 mit dem Verlust einer Festplatte voller Daten über Geheimagenten zu kämpfen. James Bond (Daniel Craig) soll die Hintermänner ausfindig machen, wobei er zunächst scheinbar stirbt. Als “M.” (Judi Dench) in den Ruhestand geschickt werden soll und der MI6 von fremden Mächten angegriffen wird, kehrt Bond zurück und meldet sich wieder zum Dienst – um das Problem zu lösen, wobei er auf Raoul Silva (Javier Bardem) trifft…

Der Film lässt alte Traditionen aus vorherigen Bondfilmen aufleben und fühlt sich nach seinen beiden Vorgängern wieder deutlich mehr wie ein “echter” Bond an. Oder zumindest fast, denn er ist immer noch eine moderne Variante, die deutlich mehr auf Action setzt, als die Klassiker. Aber es gab vielen kleine fast nostalgische Momente, z.B. während der ersten 30 Sekunden, oder in den smarten Dialogen, ganz zu schweigen von dem epischen Titelsong von Adele. Insgesamt hat mich die Geschichte von “Skyfall” kaum zur Ruhe kommen lassen und war mit vielen abwechslungsreichen Ideen gespickt.

Nach der Finanzkrise hatte das Studio Metro-Goldwyn-Mayer Insolvenz angemeldet, was die Pläne für diesen Film völlig über den Haufen geworfen hatte. Es dauerte lange, bis sich Team und Handlung für das Projekt gefunden hatten, doch am Ende steht nun ein großartiger Film: Sowohl die Qualität von Ton und Bild, insbesondere die Leistung der Kameraführung und die Gestaltung der Drehorte waren sehr gut. Und bis auf wenige, kleine Dinge (z.B. die Darstellung von Software und Hacking, oder das herausnehmbare Gebiss) waren auch die visuellen Effekte sehr gut und ausgefeilt.

Wirklich gut gefallen haben mir die schauspielerischen Leistungen der drei Hauptdarsteller, welche alle eine wirklich überzeugende Vorstellung abgeliefert haben. Auch begeistert mich, dass der Film die Rolle wiederkehrenden von Nebendarstellern höher gewichtet und ihnen einen größeren Raum gibt als frühere Bond Teile. Auch die insgesamt ernstere Grundstimmung der neuen Bond Filme gefällt mir sehr, während der Klamauk in den Hintergrund rückt und subtilerer Humor Einzug erhält – zum Glück!

Die Pluspunkte sind, dass endlich ein “Bond-Gefühl” zurückkehrt auf die Leinwand, dass ich nicht mehr für möglich hielt, dass das Konzept des Films als ganzes aufgeht und der phantastische Bösewicht. Als Minuspunkt ist der Film etwas hektisch und zu aufgeladen mit Action, die teilweise eher an das A-Team oder MacGyver erinnert hat. Außerdem spielen die Frauen im Film eine viel zu passive Rolle, trotz ihrer großen Bedeutung in der Geschichte! Trotz allem: Diesen Film möchte man trotz der teuren Kinokarten unbedingt im Kino sehen, da wo ein richtiger James Bond hingehört: Auf großer Leinwand.