In seiner Mitgliederzeitung vom 25. Januar berichtet der Marburger Bund unter dem Titel “Erster Schlagabtausch…” von der ersten Verhandlungsrunde für die Ärzte mit TV-Ärzte/ VKA. Im zweiten Absatz wird der Verhandlungsführer Rolf Lübke wie folgt zitiert:

“Wir haben den Arbeitgebern deutlich gemacht, dass wir substanzielle Verbesserungen bei den Gehältern und Arbeitszeitregelungen erwarten, ohne die ein Kompromiss nicht vorstellbar ist.”

Nun ist es ein alter Hut, dass die Ärzt*innen grundsätzlich immer mehr Geld haben wollen und langsam sieht sich kaum ein Mensch noch in der Lage, die immer neuen Gehaltsforderungen einfach so zu akzeptieren. Übrigens auch ich als junger Arzt nicht, vor allem weil ich die Arbeitsbedingungen und -zeiten für das viel größere Problem, als meinen Kontostand halte. Die folgenden Forderungen des Marburger Bundes in dieser Verhandlungsrunde offenbaren meiner Meinung nach das enorme Problem, vor allem auch auf Seiten der Gewerkschaft:

[…] – praxisgerechte Bereinigung der Voraussetzungen zur Überschreitung der täglichen Höchstarbeitszeit durch: (1) Einbindung des Betriebsarztes bei der Einführung von Arbeitszeitmodellen, welche die Überschreitung der täglichen Höchstarbeitszeit vorsehen (Sicherstellung des Gesundheitsschutzes); (2) Regelung der Überschreitung der täglichen Höchstarbeitszeitgrenze für alle Bereitschaftsdienststufen einheitlich und direkt im Tarifvertrag; […] (4) Sicherstellung, dass innerhalb eines 24-Stunden-Bereitschaftsdienstes an Wochenenden und Feiertagen nicht mehr als 49 Prozent Arbeitsleistung anfallen; (5) Reduzierung der wöchentlichen Höchstarbeitszeitgrenze; (6) Erhöhung des Tabellenentgelds um 400 Euro monatlich für die individuell zu erklärende Bereitschaft zur Überschreitung der 48-Stunden-Grenze (Opt-Out); […]

Um es kurz zusammenzufassen: Die Gewerkschaft der Ärzt*innen setzt sich nicht dafür ein, dass die tägliche Höchstarbeitszeit nicht mehr überschritten werden darf. Wieso auch, das ist vermutlich nur ein plakativer Titel… Sondern dafür, dass diese Situation in den Tarifverträgen geregelt wird und eine entsprechende Entlohnung stattfindet. Im weiteren Text wird noch erklärt, dass dies vor allem auch dazu dienen soll es den Arbeitgebern unattraktiv zu machen Routinetätigkeiten in den Bereitschaftsdienst zu verlagern, weil dies so unwirtschaftlicher werden würde. Das halte ich zwar grundsätzlich für richtig, bin aber trotzdem ziemlich erstaunt darüber… Denn es handelt sich ganz offenkundig um keine Regelung für Ausnahmefälle, sondern um eine “praxisgerechte Bereinigung der Voraussetzungen”, was heißt: Dieser in meinen Augen untragbare Zustand wird von der Gewerkschaft grundsätzlich akzeptiert.

Es scheint den Verhandlungsführern wichtiger zu sein finanzielle Aspekte zu regeln, als dafür Sorge zu Tragen, dass ganz simple arbeitsrechtliche Dinge wie z.B. die tägliche Höchstarbeitszeit nicht regelhaft überschritten werden. Ich kann das langsam echt nicht mehr Verstehen, was nützt mir alles Geld der Welt wenn ich immer wieder meine Arbeitszeit um ein vielfaches überschreite und die entsprechende Mehrbelastung ertragen muss?

Es wird meiner Meinung nach dringend Zeit, dass der Marburger Bund seinen Fokus weg vom Geld, hin zu den eigentlichen Arbeitsbedingungen verschiebt.