Wir brauchen Open Access. Jetzt!

Also ich bin ja der Auffassung erlegen, dass es eine natürliche Begeisterung von Menschen für freie Sachen gibt: freie Software, Freibier und natürlich freies Wissen. Ich bin mir sicher, dass sich nicht zuletzt deshalb viele tausende Interessierte an Projekten wie der Wikipedia aktiv beteiligen – und viele Millionen zumindest passive Leser sind. Leider ist nicht das ganze Wissen der Menschheit frei, eher im Gegenteil: In der Regel ist es kaum möglich wissenschaftliche Arbeiten frei zu erhalten, da sie nur in Fachzeitschriften veröffentlicht werden, die ziemlich rigide mit den Verwertungsrechten umgehen.

Abhilfe schaffen will die eine Bewegung, die sich Open Access auf die Fahnen geschrieben hat. Die zentrale Forderung ist dabei der freie Zugang zu wissenschaftlicher Literatur für Jedermann, am besten unter freien Lizenzen. Es klingt nach einer legitimen Forderung, doch leider ist der öffentliche Druck auf den wissenschaftlichen Betrieb und die großen Magazine immer noch viel zu gering – das muss sich ändern! Hier folgt nun ein kleines Beispiel, warum sich das meiner Meinung nach dringend ändern muss:

Schon mal vom Chordom gehört? Wahrscheinlich nicht, aber das ist auch kein Problem. Es handelt sich dabei um einen vergleichsweise seltenen Knochentumor, der die Wirbelsäule betrifft. Auf eine Millionen Menschen gesehen erkrankt pro Jahr grade einmal ein Einziger an dieser zwar bösartigen, aber langsam fortschreitenden Erkrankung. Therapieren kann man den Tumor zwar mittels Operationen und Bestrahlungen, aber aufgrund seiner Lage ist dies sehr risikoreich und mit erheblichen Nebenwirkungen behaftet. Chemotherapien befinden sich derzeit erst in der Erprobung, insgesamt liegt das durchschnittliche Überleben der der Patienten heute bei “nur” 7 Jahren.

Im Jahr 2006 wurde bei Josh Sommer, einem 23 jährigen Studenten, das eben angerissene Chordom diagnostiziert. Als er kurz nach der Diagnose damit begann, sich mit seiner Krankheit auseinanderzusetzen, stellte er schnell fest das ihm das alleine kaum gelingen würde. Tatsächlich hatte selbst das Krankenhaus indem die Diagnose gestellt wurde, keinen ausreichenden Zugang zu angemessener Literatur bezüglich dieses Tumors. Aber im Gegensatz zu wohl den meisten anderen Menschen hat sich Josh davon nur kurzzeitig entmutigen lassen und dann die “Chordoma Foundation” gegründet.

Diese hat sich zur Aufgabe gemacht, das Krankheitsbild besser zu erforschen und vor allem die gewonnenen Erkenntnisse der breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Unter anderem zu diesem Zweck hat die Chordoma Foundation bereits mehrere Workshops veranstaltet, um die an diesem Thema arbeitenden Wissenschaftler zusammenzubringen. Doch nicht nur das, sie fördert auch aktiv die freie Weitergabe der gewonnen Erkenntnisse an Patienten, Angehörige und Interessierte. Denn grade im Umgang mit Krankheit – und erst recht mit Krebs – ist Wissen für alle Beteiligten unglaublich wichtig.

Eigentlich ein positives Beispiel, nur hat leider bei weitem nicht jede Krankheit so engagierte Fürsprecher, geschweige denn gemeinnützige Organisationen die sich der Erforschung und dem freien Wissen über die Erkrankung verschrieben haben. So sind in der Regel nur wenige und häufig durch Marketing gefärbte Informationen von Firmen frei im Internet verfügbar, genaue wissenschaftliche Informationen dagegen nur selten. Und das muss sich meiner Meinung nach dringend ändern. Denn das Wissen über Krankheiten ist so ein wichtiges Gut für die Menschheit, das es für Jedermann frei verfügbar sein muss!

Super 8. Wie wars?

Wieder einmal war ich in der Sneak Preview, diese Woche erfreute uns das Kino zu meiner großen Freude mit “Super 8“. Endlich mal ein Film, den ich schon seit dem ersten Teaser-Trailer unbedingt im Kino sehen wollte. Wenn auch mit einer kurzen Phase der Skepsis nach dem ersten richtigen Trailer, aber nur einer kurzen…

Das Gespann J. J. Abrams und Steven Spielberg lässt bereits einiges über diesen Science-Fiction-Film erahnen, dessen 112 Minuten Laufzeit für nur $ 50 Mio gefüllt wurden. Der Film spielt 1979 und eine Gruppe von Teenagern dreht in einer fiktiven Kleinstadt einen Super-8 Film für einen Wettbewerb. Mit dabei sind auch Joe (Joel Courtney) und Alice (Elle Fanning), die  zunächst Zeugen eines seltsamen Zugunglücks werden und dann viele unerklärlichen Ereignisse in ihrer Kleinstadt bemerken. Anscheinend ist irgendein Wesen, das in diesem Zug war, beim Unglücks entkommen. Während sich die Airforce um Vertuschung bemüht, drehen sie ihren Film weiter und versuchen das Geheimnis zu lüften.

Ich muss zugeben, die Story wirkt nicht außergewöhnlich und tatsächlich ist sie es auch nicht. Aber immerhin sie ist unterhaltsam und mitreißend genug um beim Zuschauen keine Langeweile aufkommen zu lassen – auch wenn man sich immer gut denken kann was wohl als nächstes passieren wird. Allerdings hätte man gut einige der Nebenhandlungen weglassen können, da vieles leider nur angerissen wurde, oder Ereignisse ohne jede Konsequenz blieben. Aber auch wenn sich die Story etwas in Kleinigkeiten verheddert, wurden grade die filmenden Teenager gut und glaubwürdig in Szene gesetzt..

Der Film war ein ambitioniertes Projekt, das im großen und ganzen seine Ziele erreicht: Ich habe mich eigentlich die ganze Zeit über in die 70er Jahre zurückversetzt gefühlt, was sicher vor allem am überzeugenden Look der Sets und der guten Ausstattung gelegen hat. Insgesamt gut waren auch die visuellen Effekte, allerdings manchmal auch leider etwas übertrieben. Und obwohl ich zunächst daran gezweifelt habe, muss ich eingestehen, dass mir die jungen Schauspieler sehr gut gefallen haben, grade auch weil sie die Story erstaunlich gut tragen konnten.

Ein großes Manko muss ich allerdings ansprechen: Klar könnte man erahnen, dass sich der Film möglicherweise an die Science-Fiction Klassiker von Spielberg anlehnen würde. Und wenn man eine derartige Story erwarten würde, dann gefällt einem das Ende vielleicht. Aber ich persönlich hatte andere Erwartungen an den Film und dieses Ende nur schwer nachvollziehen können, es war einfach zu viel und zu… Es hat aus meiner Sicht einfach nicht gepasst und einiges vom gesamten Vergnügen des Filmes genommen.

Für den Film sprechen als Pluspunkte der großartige Look, die wunderbar spielenden Teenager und natürlich: der authentische Dreh eines Films im Film, sowie ganz besonders dessen Vorführung während des Abspanns. Dagegen stehen die Minuspunkte der viel zu kleinteiligen Story mit einem vermurksten Ende und das Wesen selbst, auch wenn es lange Zeit sehr gut nur angedeutet wurde – zum Glück! Wahrscheinlich wirkt der Film nur im Kino wirklich richtig gut, deswegen sollte man ihn auch dort gesehen haben. Wohl eher entbehrlich dürfte allerdings die DVD zum Film sein.

Arzt werden. Warum?

“Erst ein langes trockenes Studium mit viel Auswendiglernen, dann wahnsinnige Arbeitszeiten, viel Verantwortung und das ganze Leid, das Blut und der Eiter. Warum wird man eigentlich Arzt?”

Jeder Mensch, der sich für diesen Beruf entscheidet hat seine eigenen Motive, daher kann ich speziell in dieser Frage eigentlich nur für mich selbst sprechen. Uneigentlich könnte ich hier natürlich auch das wiedergeben, was ich in verschiedenen Gesprächen mit Kommilitonen und (zukünftigen) Kollegen erfahren habe. Allerdings fällt es mir schwer, die Gedanken ordentlich zu sortieren, daher lasse ich das lieber und versuche stattdessen ein paar meiner eigenen Motive darzulegen.

Ob ich bereits als Kind den Wunsch hatte, Arzt zu werden, vermag ich heute nicht mehr so genau zu sagen. Immerhin hatte ich als Heranwachsender ein großes Interesse an Arztserien im Fernsehen und habe Serien wie “Emergency Room”, oder “Chicago Hope” verschlugen. Aber nicht nur das, tatsächlich habe ich den Inhalten in Bibliotheken hinterher recherchiert und versucht Fakt und Fiktion für mich herauszuarbeiten. Einige Charaktere der Serien waren Vorbilder für mich, vor allem weil sie einen Job hatten der in meinen Augen höchste Anerkennung verdient hat.

Tatsächlich aber dachte ich – nachdem ich das erste Mal mit Computern konfrontiert war -für eine lange Zeit: Irgendwas mit Computern will ich machen. Und es brauchte erst ein Praktikum um mich auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen. Denn ich bemerkte, dass es dieses ewig vor dem Computer hocken und Bits schubsen einfach nicht war. Warum? Im Wesentlichen fehlte mir die soziale Interaktion mit anderen Menschen und außerdem erschien mir die alltägliche Arbeit einfach viel zu abstrakt und eintönig. Klar macht mir das arbeiten am Computer auch heute noch Spaß, aber als Beruf kommt es nicht in Frage.

Stethoskop und Blutdruckmessgerät

Ich war zunächst etwas ratlos, entschied mich dann aber doch dafür es in der Medizin zu wagen. Es war gewissermaßen ein Sprung ins kalte Wasser, aber letztendlich genau der richtige. Schnell bemerkte ich, wie ungemein befriedigend die Arbeit mit Menschen ist. Insbesondere dann, wenn man einen kranken Menschen im Prozess der Heilung begleitet und seinen Teil zu diesem Prozess beitragen kann. Man muss halt einfach nicht lange nachdenken, um die Sinnhaftigkeit in diesem Beruf klar erkennen zu können.

Aber natürlich bringt Krankheit immer auch Leid mit sich, auch das gehört dazu. Genau so, wie einen Menschen nicht heilen zu können. Trotzdem befindet man sich in der glücklichen Position auch in solchen Situationen etwas bewegen zu können und sei es auch nur, indem man sich den Schmerzen und Ängsten des Patienten annimmt. Man ist eigentlich auch nur eine Art Dienstleister und begleitet andere Menschen, als Spezialist mit seinem Fachwissen, in ihrer Auseinandersetzung mit einem krankhaften Prozess. Und das alles in einer sehr konkreten und gut greifbaren Form, zumindest meistens.

Außerdem ist kaum ein Arbeitstag wie der andere, obwohl es natürlich immer auch eine gewisse Routine gibt. Aber meiner Erfahrung nach bezieht sich diese eher auf das Handwerk und weniger auf die Patienten und Kollegen und die entstehenden Situationen. Vor allem auch deshalb, weil man in diesem Beruf eine vergleichsweise intime Beziehung zu anderen wildfremden Menschen aufbaut. Und jeder Mensch ist anders, reagiert anders und verlangt das man sich mit ihm auf angemessene Art und Weise auseinandersetzt. Ganz besonders bei schwierigen Persönlichkeiten ist das oft eine besondere Herausforderung.

Nicht jeder Tag ist eine Erfüllung, aber so einen Beruf zu finden erscheint mir ehrlich gesagt eher unrealistisch. Und für solche Tage genügt es dann auch völlig, mit wehendem Kittel und coolem Blick über die Stationen im Krankenhaus hetzen zu können. Immerhin.

Knysna Elephant Park – Garden Route

 Dieser Beitrag ist Teil 3 von 5 in der Serie Garden Route

Die Elefanten kommen

Nach dem anstrengenden gestrigen Tag – am Abend gab es am Hostel noch einen Braai, entsprechend spät ging es erst ins Bett - gehen wir es heute langsam an. Erstmal gemütlich etwas vom Buffet frühstücken, dabei entspannt auf der Terrasse sitzen und den anderen Gästen beim packen zusehen. Denn unser Plan für den Tag steht bereits: Wir fahren weiter von Knysna nach Plettenberg Bay und werden auf dem Weg halt machen im Knysna Elephant Park. Schnell packen wir unsere Sachen, bedanken uns kurz bei der freundlichen Besitzerin des Hostels und fahren dann langsam los.

Fahrt zu den Elefanten

Die Fahrt zu den Elefanten

Nach knapp 20 Minuten Autofahrt auf der N2 durch Waldgebiete und vereinzelte Siedlungen biegen wir ab, auf eine sehr sandige Schotterpiste. Es dauert nicht lange und wir kommen an einem Parkplatz an, der von einigen großen Hallen, kleineren Gebäuden und vielen Bäumen flankiert wird. Im Besucherzentrum kaufen wir uns Eintrittskarten, betrachten dann – während einer kurzen Wartezeit auf die nächste Tour – die ausgestellten Exponate: Knochen, Fotos & Modelle. Dann geht es los, erst sehen wir einen Film zur Einführung, steigen dann in offene Wagen mit Sitzbänken, die und fahren von einem Traktor gezogen raus in das Freigelände.

Die Elefanten kommen

Die Elefanten kommen

Es dauert eine Weile, bis wir die ersten Elefanten zu Gesicht bekommen. Denn sie können sich in dem 60 Hektar großen Gelände frei bewegen. Ein wenig irritiert beobachten wir, dass sich die Elefanten freiwillig hinter einem der im Gelände aufstellten Metallgeländer versammelten. Denn man konnte man klar sehen, dass sie von keinem der Guides dorthin getrieben wurden. Dort angekommen stiegen wir aus, erhielten noch ein paar Sicherheitshinweise und durften uns dann – fast wie die Elefanten – mit etwas Abstand entlang des Geländers aufstellen. Denn nun sollten wir die Elefanten füttern.

Elefanten füttern

Und so füttert man Elefanten

Eigens für diese Fütterung hatten wir kleine weiße Plastikeimer dabei, gefüllt verschiedenem in großzügige Stücke zerteilten Grünzeug. Davon nimmt man nun z.B. ein Stück Kürbis in die Hand, der Elefant sieht das und hält einem den Rüssel hin – der dabei eine elegante Drehung um die eigene Achse vollzieht – und legt ihm das Stück in die Öffnung des Rüssels. Aber natürlich hat so ein Rüssel zwei Löcher, deswegen besteht der Elefant auch mit Nachdruck darauf, noch ein zweites Stück zu erhalten. Sobald der Elefant zufriedengestellt ist, führt er den Rüssel zum Mund und verspeist das Grünzeug. Lecker!

Wanderung zum Wasserloch

Irgendwann sind alle Plastikeimer leer, die Elefanten bemerken das relativ schnell und wenden sich daher gelangweilt von uns ab. Und nicht nur das, sie bewegen sich sogar weg von uns und zurück zu einem kleinen Wasserloch. Unsere Tour ist noch nicht vorbei, die Guides teilen uns in kleinere Gruppen auf und anschließend laufen wir den Elefanten zum Wasserloch hinterher. Auf dem Weg dorthin erklärt unser Guide, die Elefanten wären nicht im Park dressiert worden, sondern hätten selbst gelernt die Gäste des Parks als ihre Futterquelle zu nutzen. Darum kamen sie freiwillig zum Metallgeländer.

Elefanten am Wasserloch

Die Elefanten vergnügen sich am Wasserloch

Am Wasserloch angekommen, dürfen wir hautnah dabei zusehen, wie sich die Elefanten entweder mit Schlamm bespritzen, oder sich gerne auch darin wälzen. Es ist einfach nur schön, diesen riesigen Tiere dabei zuzusehen. Um schöne Fotos machen zu können, dürfen wir zu zweit auch noch näher an die Elefanten herangehen – bis auf zwei oder drei Meter. Nebenbei erklärt unser Guide ein paar Dinge zur Geschichte und zum Konzept des Parks: Hier werden Elefanten die anderswo nicht mehr gehalten werden können, z.B. aus dem Krüger-Nationalpark aufgenommen und dürfen hier den Rest ihres Lebens verbringen.

Elefanten am Wasserloch

Die Elefanten vergnügen sich am Wasserloch

Insgesamt leben hier aktuell 12 Elefanten, die meisten davon Waisenkinder, von denen derzeit neun als eine Herde gemeinsam frei auf dem Gelände herumlaufen können. Nur die drei ausgewachsenen Bullen müssen einzeln gehalten werden. Der Guide erzählt uns dann ein paar Fakten über die einzelnen Elefanten, z.B. das die Leitkuh der Herde 22 Jahre alt ist und die beiden Jüngsten erst 3 Jahre. Während er uns dies erzählt, dürfen wir dabei zusehen wie die beiden “Babys” miteinander spielen. Voreinander stehend reiben sie die Köpfe und Rüssel aneinander. Wirklich süß, dieser Anblick!

Spielende Jungelefanten

Die Jungelefanten spielen miteinander

Überhaupt ist es faszinierend in der Nähe dieser Tiere zu sein. Sie wirken so groß und stark, aber gleichzeitig auch verletzlich. Außerdem hinterlassen die Elefanten einen sehr intelligenten Eindruck, nicht nur bei dem Versuch den Besuchen Futter zu entlocken. Es ist schwer in Worte zu fassen, wahrscheinlich muss man es erlebt haben. Jedenfalls erscheinen mir in diesem Moment Zoos total überflüssig, da sie die Tiere viel mehr einschränken – wenngleich ich auch Probleme damit habe den Elefanten hier in diesem Park so nahe zu kommen, vielleicht auch grade weil die Tiere total zahm sind.

Auf Tuchfühlung gehen

Und schließlich, quasi als Krönung dieser Tour, bekommen wir die Gelegenheit die Elefanten zu streicheln. Wobei es eher so ist, dass die “Babys” fressend durch das Gras laufen und sich nicht durch uns Menschen stören lassen. Sie stehen ganz ruhig da, rupfen mit ihrem Rüssel Gras aus dem Boden, stecken es sich ins Maul und kauen – wir stehen ein wenig ehrfürchtig vor dem Elefanten und versuchen ihn ganz vorsichtig am Kopf zu streicheln. Von außen betrachtet muss das ziemlich dämlich aussehen, aber in der Situation selbst siegt der Egoismus und das Interesse an den Tieren.

Elefanten streicheln

Ich streichle die Stirn eines Elefanten

So ein Elefant fühlt sich übrigens meiner Meinung nach ein wenig so an wie Moos. Jedenfalls haben sie viele weiche bis borstige Haare, die teilweise noch leicht feucht sind vom Schlamm aus dem Wasserloch. Während wir direkt neben den Tieren stehen erklärt uns der Guide etwas über die Unterschiede der verschiedenen Elefantenarten. Plötzlich spüre ich wie sich etwas nasskaltes an meine Schulter drückt, ich drehe mich erschreckt um und stelle fest: Der andere kleine Elefant hat mich grade angerempelt. Aber außer einem großen Schlammfleck an meinem T-Shirt ist zum Glück nichts weiter passiert.

Ankommen in Plett

Leider findet die Tour bald ihr Ende, da die nächste Gruppe Besucher im Anmarsch ist. Deutlich bevor wir den Traktor gehört haben, hatten die Elefanten ihn schon bemerkt und liefen wieder zurück in Richtung Metallgeländer. Damit bleibt uns leider wenig anderes übrig, als zurück zum Besucherzentrum zu fahren. Dort werden wir standesgemäß am Restaurant abgesetzt, direkt vor dessen Eingang stehen ein paar Waschbecken – echt praktisch! Nachdem wir uns den Weg durch den Geschenkeladen gekämpft hatten, steigen wir wieder in unser Auto und fahren weiter, in Richtung Plettenberg Bay.

Palmen im Hostel

Blick aus dem Dorm auf die Palmen am Hostel

Es ist etwas schwierig unser Hostel zu finden, aber es gelingt uns besser als erwartet. Das “AmaKaya BackPackers” liegt ziemlich nahe am Zentrum und direkt am Minibus-Stand, weswegen in der Nähe einiges los ist. Das merkt man zum einen am Umgebungslärm und zum anderen daran, dass dieses Hostel von einer hohe Mauer mit Elektrozaun umgeben ist und man einen Code bekommt um das automatische Tor selbstständig öffnen zu können. Für den Abend haben wir bereits einen Plan, nachdem wir einmal in die Stadt geschaut haben, wollen wir noch eine Safari unternehmen. Dazu dann im nächsten Beitrag mehr.

Nicht fürs Leben, sondern für die Klausuren lernen wir. Wirklich!

Das Ende des Sommersemesters rückt schnell näher und damit auch der ungemütlichste Teil eines Studiums: Die Klausuren. Aus Sicht der Universitäten sind sie nötig, um uns Studenten neben der regelmäßigen physikalischen Teilhabe die erfolgreiche Teilnahme von Lehrveranstaltungen attestieren zu können. Oh und natürlich um den Studenten Etiketten in Form von Noten verpassen zu können – wenngleich auch die Bedeutung von Prüfungsergebnissen von Studiengang zu Studiengang stark schwankt.

Ich als Medizinstudent habe insofern Glück, als das grundsätzlich die Regel “Vier gewinnt” bei allen Prüfungen gilt. Kurz zur Erklärung, für die Nicht-Studenten: “Vier ist bestanden, Bestanden ist gut, und Gut ist fast Eins“. Viele Studenten sind natürlich trotzdem von gewissem Ehrgeiz getrieben, oder glauben daran, dass die Klausuren irgendeine Art von Effekt für irgendetwas außerhalb des jeweiligen Studiums haben würden. Meiner Meinung nach ein fataler Irrglaube.

Es gibt viele Varianten, wie Professoren und Dozenten ihre Klausuren gestalten können. Unterscheiden kann man dabei aber prinzipiell zwei Typen: Erstens Klausuren bei denen  zu bestimmtem Material (Quellen, Fällen, Rechenaufgaben) in freier Arbeit eine Lösung geschrieben werden muss. Und zweitens Klausuren die sowohl Fragen, als auch Antwortmöglichkeiten vorgeben und richtige, oder falsche Antworten markiert werden müssen. Wobei es je nach Studiengang immer eine gewisse Vorselektion gibt.

Grade im Medizinstudium werden fast ausschließlich Klausuren des zweiten Typs geschrieben: Kreuze jeweils die richtigen, oder falschen Antworten an. Fertig. Und genau hier schaffen sich die Klausuren ihr eigenes Universum. Es ist einfach nicht möglich in einer vertretbaren Anzahl von Fragen (ca. 20 bis 30) zu prüfen, ob jemand den zu prüfenden Themenkomplex durchdrungen und verstanden hat. Daher zielen viele Fragen auf sehr spezielle Sachverhalte ab, die sich in den Lehrbüchern allenfalls in Fußnoten finden lassen.

Weil Studenten in der Masse nicht doof sind und gerne die Klausuren gut überhaupt bestehen wollen, gibt es in der Regel einen Schwarzmarkt mit Altklausuren. Dort haben frühere Semester ihre Klausuren gesammelt, mit Antworten versehen und führ ihre Nachfolger bereitgestellt. Das ist wichtig, denn oftmals sind die thematischen Schwerpunkte der Klausuren nicht aus der Lehre ersichtlich und ohne Vorbereitung in die Klausur zu gehen würde einen wirklich erheblichen Lernaufwand bedeuten.

Klar muss man immer für Klausuren lernen, aber leider schreibt man am Semesterende typischerweise eine ganze Reihe von Klausuren zu unterschiedlichsten Themen. Da muss man eine ökonomische Lösung finden, sodass die Mehrzahl der Medizinstudenten den “einfachen” (und klischeehaften) Weg wählt und einfach die Altklausuren mit ihren Lösungen auswendig lernt. Oder zumindest sein Lernen auf die aus den Altklausuren bekannten Schwerpunkte verlagert.

Mit dieser Technik lässt sich – zumindest im Medizinstudium – fast alles bestehen. Aber fürs Leben gelernt hat man nichts, denn gelernt hat man nur irgendwelches spezielles Wissen, oder einzelne Fragen und ihre Antworten – verstanden leider wenig bis gar nichts. Sodass man in der Regel bereits wenige Tage nach der Klausur praktisch an nichts mehr vom gelernten erinnern kann. Meiner Meinung nach sind die Klausuren – so wie sie derzeit zumindest im Medizinstudium praktiziert werden – total unsinnig und bedeuten, außer einer gigantischen Vernichtung von Lebenszeit, nichts als Selbstbetrug.

Brautalarm. Wie wars?

Endlich wieder Sneak Preview, diesmal gab es “Brautalarm” zu sehen. Ein Film dessen Trailer auf mich wie eine weitere uninspirierte 0815-Hochzeitskomödie gewirkt hat. Daher hätte ich ihn mir – außerhalb der Sneak Preview – wohl niemals angesehen, was echt schade gewesen wäre!

Die Eckdaten: Unter der Regie von Paul Feig entstand für $ 32,5 Mio ein Film, der seine 125 Minuten Laufzeit – wie im Trailer angekündigt – mit der Trauzeugenschaft von Annie (Kristen Wiig) für ihre beste Freundin Lillian (Maya Rudolph) füllt. Die Hochzeit ist Nebensache, denn eigentlich geht es nur um Annie: Gescheitert mit ihrer Bäckerei, wohnt sie unzufrieden in einer WG, will aber trotz eines Angebotes nicht bei ihrer Mutter (Jill Clayburgh) einziehen. Als Brautjungfer sieht sich Annie mit Helen (Rose Byrne), die ihren Platz als beste Freundin streitig macht, und drei weiteren Brautjungfern (Wendi McLendon-CoveyEllie KemperMelissa McCarthy) konfrontiert. Außerdem flirtet sie mit aus Liebeskummer Nathan (Chris O’Dowd), einem Polizisten.

Nachdem ich den Trailer gesehen hatte, erwartete ich keinerlei Überraschungen in diesem Film. Zumindest was den Plot angeht, sollte ich recht behalten. Aber: Eine vorhersehbare Geschichte verblasst gegen wirklich gute Unterhaltung. Die Charaktere sind glaubhaft inszeniert und durchleben eine meistens sehr lustige Geschichte voller Höhen, Tiefen und noch tieferen Tiefen. Und der Zuschauer fühlt, lacht und leidet wirklich mit den Schauspielern gemeinsam, die nebenbei gesagt größtenteils echt gute Arbeit abliefern.

Die Gags funktionieren – obwohl häufig weit unter der Gürtellinie – praktisch immer, obwohl der Fremdschämfaktor teilweise sehr hoch ist. Auf eine magische Art habe ich mich einige Male an große Meisterwerke von früher erinnert, wenn ZuckerAbrahams und Zucker einzelne Szenen immer weiter und weiter auf die Spitze getrieben haben. Glücklicherweise hat sich Feig dafür nicht nur wie damals beim Slapstick bedient, sondern setzte mehr auf Dialoge. Obwohl der Slapstick auch nicht außen vorgelassen wurde.

Die Pluspunkte habe ich eigentlich schon den ganzen Post über aufgezählt: Es ein wahnsinnig lustiger und unterhaltsamer Film, getragen von tollen Frauen in wirklich guten Rollen. Als Minuspunkte fällt mir die übliche vorhersehbare Geschichte ein, oh und das einige gute Szenen aus dem Trailer nicht im Film vorkommen. Ein Film, den man gerne im Kino erleben möchte und der seinen Eintrittspreis gut rechtfertigen kann. Ob man ihn sich dann auch noch ins DVD-Regal stellen möchte, überlege ich zur Zeit noch.

Studieren mit Hund. Wie ist das?

“Wie ist das eigentlich, wenn man ein Haustier z.B. einen Hund hat und dann das Elternhaus verlässt um Studieren zu gehen?”

Machbar, aber aufwändig und zeitraubend.

Wenn man als Mensch primär die Verantwortung für ein Tier übernommen hat, dann ist es eine logische Konsequenz, das ein dieses Lebewesen auch in die Lebensphase “Studium” begleitet. Und man hat selbstverständlich dafür Sorge zu tragen, den Bedürfnissen des Tieres auch im Alltag gerecht zu werden. Das Tier hat sich das Studium seines Besitzers nicht ausgesucht und genießt das Gewohnheitsrecht, denn es war “vorher” schon da. Daher es verdient die Berücksichtigung bei allen Plänen, die einen Einschnitt im Leben darstellen.

Natürlich hat man eigentlich andere Sorgen und entdeckt z.B. die Freiheit der Eigenständigkeit. Da sind Verpflichtungen – wie z.B. ein Tier – nicht unbedingt so gewünscht, aber ein Tier ist kein Spielzeug das man einfach mal beiseitelegen könnte. Wobei es natürlich einen Unterschied macht, welches Tier man sein eigen nennt: Fische, oder Vögel machen weniger Aufwand als Nagetiere, Katzen dagegen etwas mehr und Hunde wohl am meisten. Behaupte ich jetzt einfach mal.

Mein Alltag wird durch eine Hündin bereichert, womit ich mich (ungewollt ;) ) in meiner Auflistung in die Königskategorie einordne. Denn Hunde verlangen meiner Meinung nach mehr Zeit, als andere Haustiere: Sie wollen regelmäßig ausgeführt werden, was bedeutet das man mehrmals am Tag für 30 bis 90 Minuten das Haus verlässt. Diese Zeit widmet man ganz dem Tier, auch bei Regen, oder Schnee. Meistens stellt es eine willkommene Abwechslung im Alltag da um den Kopf frei zu kriegen – gelegentlich nervt es aber auch.

Eine wichtige Erkenntnis, die man als studierender Hundebesitzer schnell bemerkt ist: Ohne Hilfe geht es nicht. Man benötigt ein möglicht weit gespanntes Netz aus zwei Typen von Menschen: einerseits Leuten die bereit sind Hundesitter zu spielen, oder die andererseits bereit sind den Hund als Begleitung zu akzeptieren. Verständlicherweise möchte nicht jeder das mich der Hund begleitet, unabhängig davon ob es um einen Spieleabend, oder eine Lerngruppe geht. Man muss also vorausplanen.

Letztendlich das wichtigste überhaupt: Man benötigt einen Plan. Wann habe ich Uni, Sport, etc.? Wann muss ich mit dem Hund raus und wann kann ich nicht? Und wer kann dann? Und wenn wir weggehen, wo kann der Hund mit und was muss ich dabei ggf. beachten? Aber dafür genießt man auch viele Vorteile: Man kommt an die frische Luft, lernt schnell andere Hundebesitzer kennen, hat (sofern der Hund das mag) immer jemanden zum kuscheln und aufmuntern, u.v.m….

Letztendlich ist das alles gut machbar, geht allerdings deutlich zu lasten der Spontanität. Aber das ist wohl ein allgemeines Merkmal von “Verantwortung übernehmen”.

Rückmeldung

Wie es immer so ist, wenn man sich große Ziele setzt: Den Start schafft man mit Leichtigkeit, verliert dann aber früher oder später im Alltag das Ziel aus den Augen und lässt dann nach…

Jetzt war es bei mir nicht nur der Alltag, sondern die Summe diverser Gründe, die vom bloggen abgehalten haben. Und obwohl ich immer noch viel um die Ohren habe, wird es ab dieser Woche hier im Blog endlich weitergehen. Zumindest ist das mein Plan! ;-)

Adventure Tour Knysna – Garden Route

 Dieser Beitrag ist Teil 2 von 5 in der Serie Garden Route

Ein Morgen im Hostel

Es ist warm, immer noch. Trotzdem beginnt langsam das Leben im Hostel, die ersten müden Gestalten laufen durch die Flure. Man braucht etwas Glück um einen Platz im Bad zu ergattern, denn alle Gäste wollen Zähneputzen, Duschen, oder auch nur auf die Toilette. In der Küche geht es dafür am spartanischen Buffet gemütlich zu, in allen Ecken arbeiten Gäste an ihrem Frühstück und setzen sich damit nach draußen auf die Terrasse mit Blick über Stadt und Lagune. Man kommt man ganz selbstverständlich mit den Anderen ins Gespräch und tauscht sich über Herkunft, Erfahrungen und Ziele aus.

Das Knysna Backpackers

Blick auf das Knysna Backpackers

Nach dem Frühstück studieren wir die ausliegenden Prospekte um die Aktivitäten für die nächsten Tage zu planen. Für den heutigen Tag entscheiden für uns für eine Tour mit dem “Adventure Center Knysna“, die Besitzerin des Hostels organisiert den Trip freundlicherweise per Telefon für uns. Es dauert nicht lange dann kommt unser Guide ”John”, ein großgewachsener sportlich-braungebrannter Typ mit kahlem Kopf. Und in seinem heruntergekommenen weißen VW Bus geht es los – jeder TÜV Mitarbeiter wäre Tod umgefallen. Nach 20 Minuten abenteuerlicher Fahrt kommen wir an, im Urwald.

Willkommen im Dschungel

Wir befinden uns im Harkerville Forest, im wahrsten Sinne des Wortes ein Urwald. Außer der mitten durch den Wald geschlagenen Schotterpiste und einer etwas größeren Lichtung für einen Parkplatz mit Braaiflächen gibt es nur wahnsinnig dichten Wald. Beeindruckend ist alleine schon der Ausblick auf sehr dichte Vegetation, trotz meines sehr guten Orientierungssinnes wäre ich darin – ohne John – mit Sicherheit total verloren… Nach einer kurzen Warnung vor allerlei giftigen Tieren geht es dann los, in den Dschungel.

Dichte Vegetation im Urwald in Südafrika

Dichte Vegetation im Urwald in Südafrika

Wir laufen durch den Urwald, ich bin einfach nur sprachlos angesichts der Intensität der Vegetation. Überall um uns herum sind unbekannte Bäume, Büsche, Pflanzen die wild durcheinander wachsen. Wir halten immer wieder an und John erklärt uns etwas: Die Besonderheit einer Pflanze, wo welche Insekten und Tiere zu finden sind, oder die bewegte Geschichte dieses Urwalds. Hier hat es sogar lange Zeit freilebende Elefanten gegeben, was angesichts der Dichte der Vegetation unvorstellbar wirkt. Heute gibt es nur noch weniger als eine Hand voll Elefanten, die hier ihre Runden ziehen – immerhin: noch gibt es sie.

Kleiner Bach mit Wasser wie Tee im Urwald

Kleiner Bach im Urwald

Mitten im Wald kommen wir zu einem kleinen Bach, in ihm fließt Wasser das aussieht wie Tee – am ehesten (wie passend) Rooibos. John erklärt uns, das die Farbe durch die viele Mineralien entsteht und zeigt uns das man das Wasser ohne Gefahr trinken kann. Schließlich erreichen wir den steinigen Strand, an dem wir eine längere Pause machen. Wir klettern über die Felsen, betrachten die Muscheln, die Landschaft und die Brandung des indischen Ozeans. Dann geht es weiter, wir klettern mitten in der Sonne wieder hoch zum Parkplatz des VW Bus und sehen dabei ein atemberaubendes Panorama der Küste.

Blick auf die Felsen an der Küste in Knysna

Blick auf die Felsen an der Küste in Knysna

Auf unserem Weg sind wir durch ein Tal gelaufen, weil wir uns die ganze Zeit mitten im Urwald befanden war es trotz des Sonnenscheins angenehm kühl und schattig. Nun befinden wir uns eher in einer Art Heidelandschaft und wir kommen ganz schön ins Schwitzen. Endlich erreichen wir das Auto, stärken uns kurz und fahren dann los: Nach Concordia, dem Township von Knysna. Noch im Urwald sehe ich das erste mal eine Gruppe wilder Paviane, die allerdings scheu sind und bei unserem Anblick schnell verschwinden.

Die Townshiptour

Die erste Hälfte des Tages ist vorbei, die zweite besteht aus einer Tour im Township von Knysna. John fährt mit dem VW Bus hinein und ich habe ein mulmiges Gefühl im Bauch, schließlich stoppt er auf einem Platz vor einem Geschäft. Er erklärt uns kurz wie wir uns zu verhalten haben: Keine Angst haben, Fotos machen ist erlaubt, bei ihm bleiben und immer freundlich sein. Dann steigen wir aus und beginnen das Township zu Fuß zu erkunden. Als einzige Weiße fallen wir natürlich auf und sind die Attraktion, vor allem für die Kinder.

 

Straße im Township "Concordia" in Knysna

Straße im Township "Concordia" in Knysna

Mein mulmiges Gefühl bleibt, aber es bessert sich merklich – wenn auch langsam. Auf unserem Weg kommen wir vorbei an Werkstätten, Kneipen, Supermärkten, und sogar einer ATM. Zwar ist die Bauweise in der Regel etwas gewöhnungsbedürftig, aber z.B. im Supermarkt erhält man alle wichtigen Artikel für den Alltag – sogar Tiefgekühltes. Alle Leute treten uns gegenüber freundlich auf, mit einem Friseur kommen wir ins Gespräch. Von der von mir insgeheim befürchteten Anarchie im Township ist nichts zu merken.

Blick auf selbst gebaute Häuser im Township

Blick auf selbst gebaute Häuser im Township

Während wir umherlaufen erklärt uns John einige Dinge. Wir erfahren u.a. das die Stromversorgung nicht von den Bewohnern stammt, sondern die Stromkonzerne das Netz aufgebaut haben, warten und den Strom kostenfrei abgeben – die Kosten holen sie natürlich über die Preise bei den zahlenden Kunden wieder. Es gibt Straßenbeleuchtung über hohe Masten und sogar guten Handyempfang. Und obwohl erstaunlich viel Müll in der Gegend rumliegt erfahren wir, dass es sogar eine Müllabfuhr gibt.

Zwei Kinder im Township

Zwei Kinder im Township

Für die Kinder sind wir als Weiße eine Attraktion, sie laufen uns hinterher, wollen auf den Arm genommen werden, oder posieren gerne für Fotos – und bestehen dann darauf die Bilder auf dem Display der Digitalkamera anzusehen! Mit einer Gruppe Kinder spielen wir für einige Minuten lang Fußball quer über einen belebten Platz. Für ein Stück des Weges übergibt uns John an einen Jugendlichen, und er erzählt uns seine bedrückende Sicht auf das Leben im Township. Es hat viele Vorteile, wie geringe Lebenshaltungskosten und den Zusammenhalt der Gemeinschaft – als großen Nachteil aber auch die Perspektivlosigkeit.

Blick vom Township auf die Lagune von Knysna

Blick vom Township auf die Lagune von Knysna

Zum Abschluss der Tour gehen wir in eine Kneipe, nehmen Platz auf der Dachterrasse und genießen den Ausblick auf die Lagune. Dort rekapitulieren wir das gesehene und das erlebte: Die meisten Leute im Township wohnen hier, weil sie sich nur hier einen gewissen Lebensstandard leisten können, es gibt viele kostenfreie Angebote durch den Staat (Strom, Wasser, Entsorgung) die teilweise exzessiv genutzt werden und die Leute leben in einer Gemeinschaft. Aber gleichzeitig ist die Arbeitslosigkeit enorm hoch, die Bildung sehr gering und nur wer Teil der Gemeinschaft ist genießt relative Sicherheit. Schließlich fährt uns John zurück zum Hostel und lässt uns – erschlagen von den Eindrücken – dort zurück.

Kino.to: Und wir wussten, das es falsch ist. Echt jetzt!

Das Internet ist eine wunderbare Plattform für Empörung. Wahrscheinlich wird deswegen mehrmals am Tag eine andere Sau durchs Dorf getrieben, je nach Lust, Laune und tagesaktuellem Geschehen. So auch gestern, da hat die Staatsmacht zum Schlag gegen das allseits beliebte Streaming-Portal “Kino.to” ausgeholt. Das Resultat: 13 Beteiligte wurden verhaftet und die Website ging offline. Natürlich dauerte es nicht lange, bis die digitalen Öffentlichkeit den Verlust bemerkte und dem Frust z.B. bei Twitter Luft machte.

Wahrscheinlich gibt es kaum jemanden im Internet, der noch nie von einem Angebot wie Kino.to profitiert hat – selbst bei YouTube tauchen gelegentlich ganze Filme auf. Nutzer und Anbieter schlossen einen gemeinsamen Pakt: Die Nutzer nehmen diverse Unwägbarkeiten wie miserables Design, tonnenweise Werbung und die wechselhafte Qualität der Streams in Kauf – erhalten dafür von den Anbietern Filme, Dokumentationen und Serien zeitnah ohne großen Aufwand für den Hausgebrauch.

Aber mal unter uns: Jedem muss klar gewesen sein, dass die Anbieter solcher Seiten nicht altruistisch aus purer Menschenliebe heraus gehandelt haben. Zum einen werden vor allem durch die Platzierung von Werbung, zum anderen haben bestimmt auch einzelne Nutzer die angebotenen Pro-Accounts genutzt und für schnellere Streams, oder ähnliches bezahlt. Es war ein Geschäft, wie z.B. Napster, oder Rapidshare. Zwar soll “Kino.to” als Mittelsmann nichts gezahlt haben, aber ich halte personelle Überschneidungen zwischen der Plattform und den eigentlichen Streamingseiten für sehr wahrscheinlich.

Natürlich empfindet niemand Sympathien für die Unterhaltungsindustrie, deren gefühltes Geschäftsmodell vor allem die Gängelung der Nutzer zu sein scheint. Dabei ist dies natürlich ein Kampf gegen Windmühlen, denn mit jedem Schritt der gegen Urheberrechtsverletzungen unternommen wird entstehen dutzende neue Angebote. Diese suchen sich immer wieder neue Lücken in der Gesetzgebung – im vorliegenden Fall vermitteln sie z.B. nur Links zu Streams an Nutzer und bieten selbst gar keine Urheberrechtlich geschützten Inhalte an. Für die Nutzer ist das natürlich ein Segen.

Aber wir alle wissen, dass sich die Unterhaltungsindustrie dies nicht gefallen lassen kann und wird. Darum ist dieser Schritt gegen “Kino.to” ungefähr so unterwartet gewesen, wie das Amen in der Kirche. Außerdem ist uns allen bewusst, wie sehr sich derartige Streaming-Portale im Graubereich der Gesetze bewegen. Ich kann diese ganze gespielte Aufregung einfach nicht nachvollziehen, vor allem weil die Nutzer wie die Geier ohne mit der Wimper zu zucken weiterziehen werden. Klar ist die Schließung von “Kino.to” nur ein Symbol, aber keines das auch nur im entferntesten mit Robin Hood zu tun hat. Also liebe Empörte schaltet bitte einen Gang zurück, denn es nervt. Danke!