Category: Fragezeichen

Indikationen in der Medizin. Was? Und Warum?

In letzter Zeit lese ich ständig irgendwas von Indikationen, da gibt es irgendwie absolute und relative. Aber… Was ist das überhaupt? Was bedeutet es? Und warum gibt es das?

Grundsätzlich bedeutet die Stellung einer Indikation, dass ein Arzt nach definierten Kriterien entscheidet, welche medizinische Maßnahmen bei einem bestimmten Krankheitsbild angebracht sind. Die Entscheidung, welche Maßnahme zum Einsatz kommt muss dann im Rahmen einer “informierten Zustimmung” im Gespräch mit dem Patienten festgelegt werden. Faktoren die hierbei berücksichtigt werden müssen betreffen nicht nur die Diagnose, sondern auch den (allgemeinen) Zustand des Patienten, anatomische Verhältnisse und vieles mehr.

Besondere Bedeutung hat die Indikationsstellung in der Chirurgie, da hier die invasivsten Eingriffe in die körperliche Unversehrheit eines Menschen stattfinden. Hier ist eine besondere Sorgfalt an den Tag zu legen, denn erfolgt ein Eingriff ohne medizinische Indikation oder explizite Einwilligung des Patienten liegt eine Körperverletzung als Straftat vor. Letztendlich gibt es einen kleinen “Zoo” an möglichen Indikationen, ich will hier im Folgenden ein paar Schildern und auf deren Bedeutung eingehen:

Die Notfallindikation stellt das eine Extrem der Skala dar: Hierfür muss eine akut lebensbedrohliche Situation vorliegen, die akute lebensrettende Maßnahmen erfordert. Sofern nicht ausdrücklich durch den Patienten verfügt wurde, dass bestimmte Maßnahmen nicht erfolgen sollen, werden die Ärzte in solchen Situationen alle zur Verfügung stehenden Maßnahmen ausschöpfen.

Beispiele für solche Situationen sind zum Beispiel Notoperationen bei starken Blutungen, oder die Reanimation bei Herz-Kreislauf-Stillstand. In solchen Fällen wäre der Tod des Patienten ohne medizinische Maßnahmen unverzüglich zu erwarten.

Bei einer vitalen Indikation liegt eine lebensbedrohliche Situation vor, die ebenfalls lebensrettende Maßnahmen erfordert. Es handelt sich in diesem Fall allerdings um keine Entscheidung von Minuten, sondern der Tod des Patienten ohne medizinische Maßnahmen wäre binnen Tagen bis Monaten zu erwarten.

Solche Situationen können zum Beispiel kindliche Herzfehler sein, die ohne Herzoperation in den ersten Tagen bis Wochen des Lebens mit großer Wahrscheinlichkeit zum Tod führen.

Die absolute Indikation bedeutet, es liegt eine Situation vor, in der durch ein Krankheitsbild (langfristig) absehbare negative Auswirkungen auf die Gesundheit eines Patienten entstehen werden. Hier besteht also keine zeitkritische Gefährdung des Lebens des Patienten, sondern es geht darum, die Gesundheit und damit auch die Lebensqualität so gut wie möglich zu erhalten. In solchen Situationen sollen daher durch entsprechende Maßnahmen die negativen Auswirkungen eines Krankheitsbildes so gering wie möglich gehalten werden.

Einfachstes Beispiel für solche Situationen sind die meisten Knochenbrüche, deren Behandlung dient vor allem dem Erhalt der Lebensqualität. Aber auch die Operation von Lippen-Kiefer-Gaumenspalten zählen hierzu, da in der Regel funktionelle Einschränkungen (Atmen, Essen, Sprechen, etc.) bestehen.

Als relative Indikation bezeichnet man Situationen, in denen eine Behandlung vorteilhaft, aber nicht zwingend notwendig ist. Hier ist der Wesentliche Faktor die Lebensqualität des Patienten, die Maßnahmen sollen (mögliche) negative Auswirkungen auf die Lebensqualität begrenzen. Aber die Lebensqualität ist ein schwieriges Feld. Hier versammeln sich auf der einen Seite ganz viele Maßnahmen die wenig miteinander gemeinsam haben und auf der anderen Seite einzelne Patienten die unterschiedlichste Bedürfnisse haben.

Als Beispiel hierfür kann man das Anlegen von Segelohren nehmen, da sich der Nutzen hier nur auf die Verbesserung der Lebensqualität des Betroffenen beschränkt. Nicht unter diese Definition fallen übrigens Eingriffe, die ausschließlich der Kosmetik dienen.

Zu guter letzt gibt es natürlich auch Situationen in denen eine Maßnahme einem Patienten keinen Vorteil bringen würde und damit keine Indikation hätte. Oder – das ist der andere Extremfall – dem Patienten Schaden verursachen würde, dann wäre eine Maßnahme Kontraindiziert.

Anmerken muss ich allerdings noch eins, ich schrieb grade das rein kosmetische Eingriffe nicht unter die Definition der relativen Indikation fallen. Damit sind ausschließlich so genannte “Schönheitsoperationen” zusammenfasst, also Eingriffe wie Brustvergrößerungen, oder das Fettabsaugen. Bei diesen Eingriffen besteht nur in seltenen Fällen eine medizinische Indikation!

Explizit davon differenzieren muss man Eingriffe, die sich schwammig unter dem Begriff der plastischen Chirurgie versammeln. Hier geht es auch um ästhetische Aspekte, aber vor allem um die Wiederherstellung von verlorengegangenen Funktionen des Körpers, die z.B. durch Verletzungen, Tumoren oder auch Fehlbildungen entstanden sind. Bei diesen Eingriffen besteht oftmals “nur” eine relative Indikation, aber es besteht eine medizinische Indikation, die Maßnahme ist also medizinisch notwendig!

Und als letztes noch die wichtigste Botschaft: Eine Indikation ist immer eine Einzelfallentscheidung, die (fast) immer kritisch zu stellen ist.

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Mehrklassenmedizin, mal anders?

Frau Müller, 82 Jahre, die Mutter von Dr. Meier aus der Inneren, ist hier stationär wegen […]” und dann ging es weiter im normalen Text. Die zentrale Botschaft war bei allen Beteiligten angekommen, viel wichtiger als die Erkrankung der Patientin war ihre Zugehörigkeit. Denn es gibt einen erlesenen Zirkel, zu dem nur gezählt wird wer Angehöriger oder guter Freund von Mitarbeitern eines Krankenhauses ist. Es handelt sich dabei um eine besondere Form der Mehrklassenmedizin, die alleine auf persönlicher Bekanntschaft beruht. Die Frage ist: kann das etwa verwerflich sein?

Nein. Erstmal ist das natürlich nicht verwerflich, denn im Grunde ziehen die allermeisten Leute irgendwie einen persönlichen Vorteil aus ihrem Arbeitsverhältnis: Günstigere Konditionen, kürzere Warte- und schnellere Bearbeitungszeiten, die Möglichkeiten sind förmlich unendlich. Im Fall der Medizin ist dies in der Regel die implizite (gelegentlich auch explizite) Forderung einer Sonderbehandlung der Patienten dieses Zirkels. Alles muss top sein, es dürfen keine Fehler passieren, die Mitarbeiter sollen daher möglichst sorgsam und ordentlich arbeiten, der Datenschutz und die Intimsphäre des Patienten sollen besonders berücksichtigt werden… Klingt gut, oder?

Aber ich frage mich in solchen Situationen: Sollte Muss das nicht immer so sein? Wie z.B. auch ein Piloten tragen die Mitarbeiter im Krankenhaus eine große Verantwortung, für die Gesundheit ihrer Patienten. Daher müssen immer große Ansprüche an die Versorgung von Patienten gestellt werden. Und dabei ganz besonders auch an die körperliche Unversehrtheit, die Wahrung der Intimsphäre und den Datenschutz. Unversehrtheit meint in diesem Zusammenhang übrigens eher die aktive Vermeidung von Fehlern und das sorgsame, ordentliche Arbeiten – krank, oder verletzt sind die Patienten ohnehin schon.

Wenn eine bestimmte Gruppe herausgestellt wird, bei der alles “besser” laufen soll, als sonst. Gesteht man sich dann nicht ein, das die “normale” Behandlung nicht gut genug ist? Was für einen beliebigen Menschen ausreicht, ist offensichtlich für meine Angehörigen lange nicht genug. Ich empfinde das als einen sehr unbefriedigenden Zustand und bemühe mich immer darum, alle Patienten so gut es mir möglich ist zu betreuen. Und irgendwie erscheinen mir solche Äußerungen dann als Dolchstoß… Wie seht Ihr das?

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Schwule dürfen kein Blut spenden. Warum?

Neulich beim Blutspenden bin ich darüber stutzig geworden, dass Schwule alleine aufgrund ihrer sexuellen Orientierung vom Blutspenden ausgeschlossen werden. Warum machen die das und ist das nicht total diskriminierend?

Ehrlich gesagt: Mir geht es genau so. Wenn ich mir die Kriterien für den Ausschluss von der Blutspende ansehe, dann fasse ich mir reflexartig an den Kopf. Aber woher kommt dieses Ausschlusskriterium und wie wird es von den Verantwortlichen begründet?

Die Blutspende in Deutschland als solches wird geregelt durch das Transfusionsgesetz (TFG), dort wird im § 5 “Auswahl der spendenden Personen“, dass die Bundesärztekammer dazu Richtlinien erlassen soll. Diese gibt es in Form der “Richtlinien zur Gewinnung von Blut und Blutbestandteilen und zur Anwendung von Blutprodukten (Hämotherapie)“. Im Abschnitt 2.2.1 dieser Richtlinien werden die Kriterien zum dauerhaften Ausschluss von der Blutspende – unter anderem – wie folgt definiert:

„Personen, deren Sexualverhalten oder Lebensumstände ein gegenüber der Allgemeinbevölkerung deutlich erhöhtes Übertragungsrisiko für durch Blut übertragbare schwere Infektionskrankheiten, wie HBV, HCV oder HIV bergen.” […] “- Männer, die Sexualverkehr mit Männern haben (MSM) “

Damit wird jeder Mann, der im Laufe seines Lebens Sexualverkehr mit einem anderen Mann gehabt hat, für sein gesamtes Lebens von der Blutspende ausgeschlossen. Es ist hierbei übrigens völlig egal, was für eine Art von Verkehr (z.B. Oral, oder Anal) praktiziert wurde, ob es im Rahmen einer Beziehung passiert ist, oder ob Verhütung im Spiel war.

Die Verantwortlichen argumentieren damit, dass bei diesem Kriterium das risikoreiche Sexualverhalten und nicht die sexuelle Orientierung im Vordergrund stehen würden. Daher spräche die Richtlinie an dieser Stelle inzwischen nicht mehr von “homo- und bisexuellen Männern“, sondern von „Männern, die Sexualverkehr mit Männern haben (MSM)“. Was allerdings de facto nichts daran ändert, welche Menschen systematisch von der Blutspende ausgeschlossen werden.

Aus den epidemiologischen Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI) lässt sich tatsächlich ableiten, dass HIV Neuinfektionen bei MSM im Vergleich zu heterosexuellen Männern signifikant häufiger sind. Damit begründen die Verantwortlichen, dass MSM – gegenüber der Allgemeinbevölkerung – ein erhöhtes Risiko für sexuell übertragbare Erkrankungen haben. Deshalb werten sie den Sex zwischen Männern als Risikofaktor für die Blutspende.

Jede Blutspende muss laut § 5 (3) des Transfusionsgesetz Tests auf HIV, sowie Hepatitis B und C untersucht werden. Dazu werden verschiedene Tests mit sehr hoher Sensitivität eingesetzt, die in der Lage sind auch geringe Virusmengen festzustellen. Allerdings liefern diese Tests erst ab einer gewissen Anzahl von Viren im Blut ein zuverlässiges Ergebnis. Insbesondere bei HIV gibt es eine so genannte Fensterphase, in der die Infektion noch nicht sicher festgestellt werden kann. Diese Zeitspanne beträgt bis zu mehreren Wochen, eine Zeit in der eine HIV-positive Blutspende möglicherweise nicht entdeckt würde.

Zur Frage nach dem tatsächlichen Risiko, gibt es eine Reihe von wissenschaftlichen Untersuchungen. Alle kommen zu dem Schluss, dass die Zulassung von MSMs zur Blutspende zur Steigerung von HIV-positiven Blutspenden kommen würde. Damit würde das Risiko, sich als Empfänger einer Bluttransfusion mit HIV anzustecken, zunehmen. Wahrscheinlich wäre es keine große Steigerung, aber vorhanden wäre sie. Über das genaue Ausmaß streiten sich die Beteiligten noch, für die Verantwortlichen steht jedoch fest: Kein unnötiges Risiko eingehen, weswegen MSMs auch weiterhin kein Blut spenden dürfen.

Ob man dies nun als diskriminierend wertet, oder eben nicht, liegt natürlich im Auge des Betrachters. Zumindest aber sollten die Art des Sexualverkehrs, sowie der Beziehungsstatus und die An- oder Abwesenheit von Verhütung eine Rolle für diesen Ausschuss spielen. Dann würde es vielen Menschen bestimmt leichter fallen, nicht gleich an Diskriminierung zu denken.

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Arzt werden. Warum?

“Erst ein langes trockenes Studium mit viel Auswendiglernen, dann wahnsinnige Arbeitszeiten, viel Verantwortung und das ganze Leid, das Blut und der Eiter. Warum wird man eigentlich Arzt?”

Jeder Mensch, der sich für diesen Beruf entscheidet hat seine eigenen Motive, daher kann ich speziell in dieser Frage eigentlich nur für mich selbst sprechen. Uneigentlich könnte ich hier natürlich auch das wiedergeben, was ich in verschiedenen Gesprächen mit Kommilitonen und (zukünftigen) Kollegen erfahren habe. Allerdings fällt es mir schwer, die Gedanken ordentlich zu sortieren, daher lasse ich das lieber und versuche stattdessen ein paar meiner eigenen Motive darzulegen.

Ob ich bereits als Kind den Wunsch hatte, Arzt zu werden, vermag ich heute nicht mehr so genau zu sagen. Immerhin hatte ich als Heranwachsender ein großes Interesse an Arztserien im Fernsehen und habe Serien wie “Emergency Room”, oder “Chicago Hope” verschlugen. Aber nicht nur das, tatsächlich habe ich den Inhalten in Bibliotheken hinterher recherchiert und versucht Fakt und Fiktion für mich herauszuarbeiten. Einige Charaktere der Serien waren Vorbilder für mich, vor allem weil sie einen Job hatten der in meinen Augen höchste Anerkennung verdient hat.

Tatsächlich aber dachte ich – nachdem ich das erste Mal mit Computern konfrontiert war -für eine lange Zeit: Irgendwas mit Computern will ich machen. Und es brauchte erst ein Praktikum um mich auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen. Denn ich bemerkte, dass es dieses ewig vor dem Computer hocken und Bits schubsen einfach nicht war. Warum? Im Wesentlichen fehlte mir die soziale Interaktion mit anderen Menschen und außerdem erschien mir die alltägliche Arbeit einfach viel zu abstrakt und eintönig. Klar macht mir das arbeiten am Computer auch heute noch Spaß, aber als Beruf kommt es nicht in Frage.

Stethoskop und Blutdruckmessgerät

Ich war zunächst etwas ratlos, entschied mich dann aber doch dafür es in der Medizin zu wagen. Es war gewissermaßen ein Sprung ins kalte Wasser, aber letztendlich genau der richtige. Schnell bemerkte ich, wie ungemein befriedigend die Arbeit mit Menschen ist. Insbesondere dann, wenn man einen kranken Menschen im Prozess der Heilung begleitet und seinen Teil zu diesem Prozess beitragen kann. Man muss halt einfach nicht lange nachdenken, um die Sinnhaftigkeit in diesem Beruf klar erkennen zu können.

Aber natürlich bringt Krankheit immer auch Leid mit sich, auch das gehört dazu. Genau so, wie einen Menschen nicht heilen zu können. Trotzdem befindet man sich in der glücklichen Position auch in solchen Situationen etwas bewegen zu können und sei es auch nur, indem man sich den Schmerzen und Ängsten des Patienten annimmt. Man ist eigentlich auch nur eine Art Dienstleister und begleitet andere Menschen, als Spezialist mit seinem Fachwissen, in ihrer Auseinandersetzung mit einem krankhaften Prozess. Und das alles in einer sehr konkreten und gut greifbaren Form, zumindest meistens.

Außerdem ist kaum ein Arbeitstag wie der andere, obwohl es natürlich immer auch eine gewisse Routine gibt. Aber meiner Erfahrung nach bezieht sich diese eher auf das Handwerk und weniger auf die Patienten und Kollegen und die entstehenden Situationen. Vor allem auch deshalb, weil man in diesem Beruf eine vergleichsweise intime Beziehung zu anderen wildfremden Menschen aufbaut. Und jeder Mensch ist anders, reagiert anders und verlangt das man sich mit ihm auf angemessene Art und Weise auseinandersetzt. Ganz besonders bei schwierigen Persönlichkeiten ist das oft eine besondere Herausforderung.

Nicht jeder Tag ist eine Erfüllung, aber so einen Beruf zu finden erscheint mir ehrlich gesagt eher unrealistisch. Und für solche Tage genügt es dann auch völlig, mit wehendem Kittel und coolem Blick über die Stationen im Krankenhaus hetzen zu können. Immerhin.

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Studieren mit Hund. Wie ist das?

“Wie ist das eigentlich, wenn man ein Haustier z.B. einen Hund hat und dann das Elternhaus verlässt um Studieren zu gehen?”

Machbar, aber aufwändig und zeitraubend.

Wenn man als Mensch primär die Verantwortung für ein Tier übernommen hat, dann ist es eine logische Konsequenz, das ein dieses Lebewesen auch in die Lebensphase “Studium” begleitet. Und man hat selbstverständlich dafür Sorge zu tragen, den Bedürfnissen des Tieres auch im Alltag gerecht zu werden. Das Tier hat sich das Studium seines Besitzers nicht ausgesucht und genießt das Gewohnheitsrecht, denn es war “vorher” schon da. Daher es verdient die Berücksichtigung bei allen Plänen, die einen Einschnitt im Leben darstellen.

Natürlich hat man eigentlich andere Sorgen und entdeckt z.B. die Freiheit der Eigenständigkeit. Da sind Verpflichtungen – wie z.B. ein Tier – nicht unbedingt so gewünscht, aber ein Tier ist kein Spielzeug das man einfach mal beiseitelegen könnte. Wobei es natürlich einen Unterschied macht, welches Tier man sein eigen nennt: Fische, oder Vögel machen weniger Aufwand als Nagetiere, Katzen dagegen etwas mehr und Hunde wohl am meisten. Behaupte ich jetzt einfach mal.

Mein Alltag wird durch eine Hündin bereichert, womit ich mich (ungewollt ;)) in meiner Auflistung in die Königskategorie einordne. Denn Hunde verlangen meiner Meinung nach mehr Zeit, als andere Haustiere: Sie wollen regelmäßig ausgeführt werden, was bedeutet das man mehrmals am Tag für 30 bis 90 Minuten das Haus verlässt. Diese Zeit widmet man ganz dem Tier, auch bei Regen, oder Schnee. Meistens stellt es eine willkommene Abwechslung im Alltag da um den Kopf frei zu kriegen – gelegentlich nervt es aber auch.

Eine wichtige Erkenntnis, die man als studierender Hundebesitzer schnell bemerkt ist: Ohne Hilfe geht es nicht. Man benötigt ein möglicht weit gespanntes Netz aus zwei Typen von Menschen: einerseits Leuten die bereit sind Hundesitter zu spielen, oder die andererseits bereit sind den Hund als Begleitung zu akzeptieren. Verständlicherweise möchte nicht jeder das mich der Hund begleitet, unabhängig davon ob es um einen Spieleabend, oder eine Lerngruppe geht. Man muss also vorausplanen.

Letztendlich das wichtigste überhaupt: Man benötigt einen Plan. Wann habe ich Uni, Sport, etc.? Wann muss ich mit dem Hund raus und wann kann ich nicht? Und wer kann dann? Und wenn wir weggehen, wo kann der Hund mit und was muss ich dabei ggf. beachten? Aber dafür genießt man auch viele Vorteile: Man kommt an die frische Luft, lernt schnell andere Hundebesitzer kennen, hat (sofern der Hund das mag) immer jemanden zum kuscheln und aufmuntern, u.v.m….

Letztendlich ist das alles gut machbar, geht allerdings deutlich zu lasten der Spontanität. Aber das ist wohl ein allgemeines Merkmal von “Verantwortung übernehmen”.

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Mitglied einer Partei werden. Warum?

“Jetzt mal unter uns… Politiker sind doch eh Lügner und Betrüger, die Parteien ein einziger Klügel und das Land geht den Bach runter! Warum sollte man in diesem Spiel mitmachen wollen?”

Erstmal kann ich die Unzufriedenheit mit der politischen Kultur in der Bundesrepublik sehr gut nachvollziehen, mir ergeht es da kaum anders. Und das vor allem weil die etablierten Parteien inzwischen ein erstaunliches Ausmaß an Ignoranz, Arroganz und Selbstverliebtheit an den Tag legen. Daher kann man leicht zu der Schlussfolgerung kommen, dass die Parteien ein fester Bestandteil des Problems sind. Von diesem Punkt aus ist es natürlich nahe liegend zu sagen: Damit will ich nichts zu tun haben.

Nun sieht unser Grundgesetz aber vor, dass die Bundesrepublik Deutschland eine parlamentarische Demokratie ist. Und nicht nur das: Es stellt den Parlamentariern die politischen Parteien zur Seite, damit diese den Prozess der politischen Willensbildung katalysieren. Dahinter steckt ein eigentlich guter Gedanke, denn in früheren Zeiten – ohne Massenmedien und Internet – mussten die Debatten zunächst vor Ort geführt werden und die Ergebnisse irgendwie überregional zusammengetragen werden.

Parteien im Grundgesetz

Für diesen Zweck fanden sich Gruppen von Menschen mit ähnlichen Interessen zusammen und schlossen sich schließlich zu Parteien zusammen. Manche davon hatten einen so umfassenden Anspruch und eine so breite Basis in der Bevölkerung, dass sie sich selbst als Volksparteien verstanden haben. Dieses Konzept hat sich allerdings längst überlebt – wahrscheinlich beschäftigen sich die herrschenden Parteien deshalb auch lieber mit Klientelpolitik, als mit der Willensbildung im Kontakt mit dem Bürger.

Nun bleiben den Bürgern faktisch drei Möglichkeiten: Evolution, Revolution, oder Boykottieren. Das sich viele Menschen für Letztere entscheiden, zeigt sich beispielsweise in der sinkenden Wahlbeteiligung. Doch dies führt – obwohl die tatsächliche Legitimation der herrschenden Parteien abnimmt – zu keinerlei Konsequenzen. Es folgen weder ein gesellschaftlicher Diskurs über die zukünftige Rolle der Parteien, noch eine kritische Selbstreflexion innerhalb der Parteien. Und wer das System boykottiert, gibt sämtliche Möglichkeiten zur aktiven Mitgestaltung innerhalb des Systems aus der Hand.

Die Revolution dagegen erscheint – vor dem Hintergrund des Arabischen Frühlings – naturgemäß verlockend.  Da werden schnell von Kommentatoren, Analysten und Stammtischen die wildesten Parallelen gezogen, es mangelt allein an der aufgebrachten Masse. Denn der Mehrzahl der Bürger geht es (noch) zu gut um sich erheben zu wollen, denn schließlich ist hier das Betreten des Rasens verboten. Was man übrigens nicht ausblenden sollte: Der Ausgang und die Ergebnisse einer Revolution lassen sich kaum vorhersagen, es kann entsprechend der eigenen Wünsche ausgeben – muss aber nicht.

Außerdem stellt sich die Frage, ob sich die Probleme dieses Staates nicht überhaupt nur im Rahmen einer überlegten Evolution lösen lassen. Dies bedeutet nur, die Bürger müssen sich entweder den bestehenden Parteien anschließen, oder bei Nichtgefallen neue gründen. Das sagt sich natürlich leicht, denn es erscheint wahnsinnig mühsam innerhalb der verkrusteten Strukturen der etablierten Parteien etwas zu bewegen. Aber sind auch diese Parteien nicht nur das, was ihre Mitglieder daraus machen? Wenn sich also die Bürger durch Partizipation die Parteien zurückholen, was sollte dann noch schiefgehen?

Lange Rede, kurzer Sinn: Beteiligt euch und überlasst die Politik nicht den Politikern!

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Ein Blog starten. Warum?

“Wozu soll man sich in der heutigen schnelllebigen Twitter-Zeit noch mit sowas wie einem Blog abgeben, geschweige denn selbst eins aufsetzen und betreiben?”

Weil man es kann, vielleicht sogar sollte.

Jeder Mensch trägt permanent viele Gedanken mit sich selbst durch die Gegend, die meisten davon verhallen im Wirrwar des Alltages. Einige davon lassen sich durch Microblogging wie Twitter auch zufriedenstellend in die Welt hinausschreien, insbesondere weil sie damit direkt am Puls der Aufmerksamkeit landen. Aber wenn die Aufregung vorbei ist, dann verschwinden die Tweets wieder im Meer des Vergessens.

Das passt hervorragend in die heutige Zeit, in welcher der Medienzirkus rastlos von einem Thema zum nächsten Zeit und etwas nur so lange die Massen berührt, bis es durch Nachfolger ersetzt wird. Mich persönlich macht das allerdings ziemlich Müde und lässt mein Interesse an den so genannten Massenmedien deutlich abnehmen. Denn: Ich suche gehaltvolle Informationen, Blicke hinter die Kulissen, tiefgründige Analysen und ähnlichen Kram… Die Hysterie interessiert mich höchstens ganz am Rande.

Durch das Internet als Werkzeug kann inzwischen jeder zu einem Sender werden und sich und seine eigene Expertise öffentlich anbieten. Und deswegen sind Blogs so spannend, zwar sind auch sie nur ein Medium und oftmals genau so schnelllebig wie die “großen” Massenmedien. Aber hier handelt es sich eher um ein Filterproblem, da man sich nur auf die jeweils für das eigene Empfinden passenden Blogs beschränken kann.

Was einem nicht passt, das liest man einfach nicht und erspart sich den Ärger. Dagegen ergibt sich häufig über Verlinkungen und Kommentare ein Bild eines Themas, das man sich auf herkömmlichen Weg niemals selbst hätte erschließen können. Und das allerbeste: Man kann mit nur ein paar Klicks eine Zeitreise unternehmen und in der Vergangenheit erstellte Inhalte erforschen. Ist das nicht einfach großartig?

Der Punkt ist jetzt: Meiner Erfahrung nach hat praktisch jeder etwas zu sagen, was prinzipiell beliebig viele andere Menschen interessieren kann. Meistens hapert es nur am Zusammenkommen von Sender und Empfänger. Und wenn man selbst ein Blog aufsetzt, dann kann man auch an dieser wabernder Masse partizipieren und ermöglicht es potenziell interessierten Empfängern die eigenen Gedanken und Inhalte zu finden.

So können sich mehr Menschen können sich an ansonsten verlorenen Gedanken erfreuen. Warum sollte man sich vor diesem Hintergrund nicht sofort ein Blog einrichten wollen? Eine helfende Hand dafür wird man jedenfalls leicht finden.

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