Category: Leben

Dänemark 2014

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Faszination Notaufnahme

Ich mag das Arbeiten in der Notaufnahme. Die letzten drei Monate meiner Ausbildung habe ich dort verbracht und werde nicht nur ein bisschen wehmütig an diese Zeit zurückdenken. Aber warum gefällt es mir dort so sehr?

Natürlich ist es nicht ein einzelner Grund, sondern eine Melange aus verschiedenen Gründen. Was aber ganz sicher nicht dazu gehört ist die so genannte “Blaulichtgeilheit”. Nachfolgend habe ich einmal versucht ein paar meiner Gedanken auszuformulieren.

Was mich fasziniert ist, dass prinzipiell jeder Mensch jederzeit zu einem “meiner” Patienten werden könne. Es ist völlig egal welches Geschlecht, Alter, Beruf oder Vorgeschichte ein Patient mitbringt. Praktisch niemand ist darauf vorbereitet und es handelt sich immer um eine Ausnahmesituation.

Aber jeder Mensch ist einzigartig, jeder Mensch muss individuell behandelt werden. Dabei weiß man eigentlich kaum etwas über seine Patienten und muss sich auf das Wesentliche fokussieren. Trotzdem trifft man ständig wichtige Entscheidungen und steht immer unter Zeitdruck und Zugzwang. Patienten und Angehörige haben Beschwerden und wollen wissen was los ist, nein eigentlich wollten sie sogar die Lösung herausgefunden haben. Zumindest muss ich möglichst bald ein Konzept präsentieren, wie es mit den Beschwerden und deren Abklärung bzw. Behandlung weitergehen soll.

In der Regel verbringt man immer nur wenige Minuten unmittelbar mit den Patienten und muss sich dann dem nächsten zuwenden. Gleichzeitig muss man viele Informationen in seinem Kopf behalten und zusammenführen. Vor allem aber muss man sich innerhalb von wenigen Schritten frei machen von den Gedanken an den letzten Patienten, um sich auf einen neuen Menschen einstellen zu können.

An einem normalen Arbeitstag tauche ich in tief die Leben von mehr als 30 Menschen ein und erfahre teilweise intime Informationen, von völlig fremden Menschen die sich mir anvertrauen, in der Erwartung Hilfe zu erhalten. Ich erfahre was Menschen tun oder welche Schicksale sie hatten, wie sie leben, was sie beruflich oder privat tun, erlebe Familiendramen, Leid aber auch Erleichterung, Freude und Liebe. Ehrlich gesagt betrachte ich dies sogar als ein Privileg, welches vieles von den Entbehrungen dieses Arbeitsplatzes aufwiegt.

Außerdem weiß ich niemals was passieren wird. Jeder Tag ist anders, jeder Tag bringt neue Herausforderungen mit sich und jeden Tag lerne ich etwas neues. Was völlig harmlos beginnt kann schrecklich enden und was dramatisch aussieht, ist oftmals gar nicht so wild. Natürlich ist das meiste Routine, aber in den seltensten Fällen gibt es lange Vorwarnzeiten bevor etwas passiert. Und wenn etwas passiert, dann kann es von jetzt auf gleich um alles oder nichts gehen. Dann ist keine Zeit zum diskutieren, sondern es geht nur noch ums handeln. Wenn ich darüber nachdenke, werde ich immer wieder von der Vorstellung erschlagen, welch gigantischen Einfluss mein Handeln auf das Leben eines Menschen haben kann.

Am Ende des Tages habe ich keine Krankheiten verwaltet, sondern ich habe anderen Menschen in akuten Situationen beigestanden und wenn es gut läuft sogar das ein oder andere Problem gefunden und behoben. Ich konnte Menschen erklären was mit ihrem Körper passiert ist, was sie als nächstes tun sollen und was noch auf sie zukommt. Und selbst wenn es oft ganz banale Informationen sind die ich vermittle, so helfen sie anderen Menschen enorm dabei mit ihren jeweiligen Erkrankungen umgehen zu können.

Ich kann ganz klar sagen, was ich geleistet habe.

Und ich kann mir kaum eine andere Tätigkeit vorstellen, welche diese Eigenschaften in ähnlicher Weise vereint.

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Wie ich einmal selbst zum Patienten wurde

Es ist früh morgens und ich bin auf dem Weg zur Arbeit. Meine Gedanken beschäftigen sich vor allem mit dem Vortrag, den ich im Rahmen der internen Fortbildung halten werde. Mit dabei natürlich die üblichen seltsamen Sorgen, die man sich vor Vorträgen macht und die üblichen Gedanken, die man sich noch als junger und unerfahrener Assistenzarzt jeden Tag hat. Den Weg zum Krankenhaus kenne ich inzwischen auswendig und darum wundert es mich auch nicht, als die Ampel auf der Bundesstraße vor mir rot wird.

Ich bremse und mein Auto kommt ohne Probleme vor der Ampel zum stehen. Ein paar Sekunden vergehen, dann schaue ich gelangweilt in den Rückspiegel und sehe einen gelben Kastenwagen schnell näher kommen. Aber das beunruhigt mich nicht, manche Menschen bremsen halt erschreckend spät. Nur Sekunden später wird mir klar “Scheiße, der fährt dir drauf!” und ich spüre einen heftigen Schlag als der gelbe Kastenwagen hinten in mein Auto fährt.

Als ich kurz darauf wieder meine Sinne beisammen habe, steht mein Auto entgegen der Fahrtrichtung etliche Meter weiter am anderen Ende der Kreuzung. Meine Ohren fiepen, mein Kopf schmerzt, im Armaturenbrett leuchten gefühlt alle Lampen und es riecht komisch. Ich versuche ganz instinktiv das Auto schnellstmöglich zu verlassen, was mir erst über die nur leicht verklemmte Beifahrertür gelingt. Zum Glück sind schnell mehrere Ersthelfer vor Ort und kümmern sich um mich und den Fahrer des gelben Kastenwagens, der jetzt ziemlich genau dort steht wo vor Minuten noch mein Auto an der roten Ampel wartete.

Bevor sich der Rettungsdienst meiner annimmt – schließlich läuft Blut aus einer Platzwunde mein Gesicht herunter – mache ich natürlich erst noch Fotos vom Auto, die ich über bekannte Messengerdienste meiner Familie schicke. Erst als ich mit Stifneck in der Vakuummatratze im RTW liege und anfange die Schmerzen in meinem Rücken zu merken, wird mir ganz langsam klar, was gerade überhaupt passiert ist.

· · ·

Das ist nun zwei Wochen her, und eigentlich kann ich mein Glück immer noch nicht fassen. Außer einer Gehirnerschütterung, einer Platzwunde und diversen Prellungen ist mir nichts ernsthaftes passiert. Und das obwohl der gelbe Kastenwagen mit vermutlich über 80 km/h auf mein stehendes Auto aufgefahren ist. Dessen Reste zeugen deutlich von der Wucht dieses Unfalls: Der Kofferraum existiert nicht mehr, die Karrosserie ist total verzogen und wölbt sich im hinteren Teil deutlich nach außen, die Rückbank steckt quasi in den Vordersitzen, etc…

Im Rahmen dieses Unfalls kam ich in den Genuss mein eigenes Berufsbild nun einmal aus der Perspektive des Patienten zu erleben. Angefangen bei der Erstversorgung vor Ort im RTW, über der übliche Procedere im Schockraum bis hin zum Alltag auf der Station. Und ich habe dabei tatsächlich einiges für meine zukünftige Arbeit gelernt (z.B. wie albern so eine Chefarztvisite aus dem Bett eines Patienten aussieht), mehr dazu gibt es demnächst hier im Blog. Ganz besonders freue ich mich im Nachhinein, das schnell viele Ersthelfer ihre Hilfe angeboten haben. Sogar so viele, dass eigentlich gar nicht genügend “Arbeit” für alle vorhanden war.

· · ·

Auch heute noch fällt es mir schwer die ganze Tragweite dieser Ereignisse zu begreifen, insbesondere wie unfassbar viel Glück ich gehabt habe. Natürlich nerven mich insbesondere die diversen Prellungen, von denen einige nach wie vor sehr schmerzhaft sind und die Narbe in meinem Gesicht erfreut mich auch nicht gerade. Aber ich habe diesen heftigen Unfall weitgehend unbeschadet überstanden, was keine Selbstverständlichkeit ist.

Natürlich habe ich inzwischen auch viel Zeit mit Nachdenken verbracht, aber ich kann noch nicht sagen, welche Konsequenzen sich für mein Leben und mich daraus ergeben werden. Einige Dinge fühlen sich nun sehr relativ an, manches sogar beinahe unwichtig, aber das wird sich vermutlich im Laufe der nächsten Zeit und der zunehmenden Verarbeitung dieses Unfalls noch verändern.

Erstmal bin ich einfach nur dankbar. Zunächst ganz generell den glücklichen Umständen, dann den erstaunlich vielen Ersthelfern, den ganzen professionellen Menschen vom Rettungsdienst, im Krankenhaus und bei meinem Hausarzt. Und natürlich auch meiner Familie und den ganzen lieben Menschen die mich seitdem unterstützt haben.

Danke für alles.

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Kandidatur für die Landesliste zur Bundestagswahl

Wie soll ich sagen… nach meiner mündlichen Prüfung des Examens Mitte Dezember habe ich viel nachgedacht… über die Zukunft und vor allem auch darüber Wo und Wie und als Was ich später mal arbeiten will.

Nun bin ich aber auch ein politischer Mensch, der seit einiger Zeit das große Verlangen verspürt, für die PIRATEN Politik zu gestalten. Was liegt da also näher, als die – sich mir nun am Übergang von Studiums ins Berufsleben bietende Chance – dafür nutzen, nochmal “was ganz anderes” zu machen?

Und genau darum kandidiere ich für einen Listenplatz zur Bundestagswahl 2013 im Landesverband Hessen der PIRATEN. Mal sehen, wohin das führt! 😉

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Nachdenken

Tja. Nun bin ich also Arzt, was eine seltsame Sache ist, denn was das bedeutet habe ich noch nicht so wirklich kapiert. Aber ausgehend von den Reaktionen darauf und den vielen Glückwünschen, muss es wohl etwas ganz tolles sein. Aus meiner Perspektive bin ich einfach nur dem durch das Studium vorgezeichneten Weg gefolgt und nun am Ende des Weges angekommen. Und damit beginnt nun – also nachdem ich mich diverse Male hab feiern lassen – eine wirklich spannende Zeit. Sozusagen der Ernst des Lebens. Was mir noch ziemlich unheimlich ist. Natürlich war mir immer klar, dass dies auf mich zukommen würde. Aber musste es schon jetzt sein? 😉

Einerseits war das Leben als Student echt schön. Vor allem wegen des selbstbestimmten Lebens. Im Grunde konnte ich tun was und wann ich wollte. Und wenn ich keine Lust auf das Seminar hatte, bin ich entweder einfach nicht hingegangen oder habe es bei einem anderen Termin besucht. Nicht das ich dies wirklich oft gemacht hätte, aber ich hatte die Freiheit mir meine Zeit einigermaßen frei einteilen zu können. Und dadurch hatte ich nicht zuletzt auch immer Freiraum, den ich für alle möglichen Dinge, Hobbies oder auch nur zum Prokrastinieren nutzen konnte. Zeit zu haben, war ein echtes Privileg.

Anderseits wartet nun das Berufsleben auf mich. Ich bekomme die Chance das zu tun, was ich seit vielen Jahren wollte, auch wenn mir vor der vielen Verantwortung und der Arbeitsbelastung graut. Denn obwohl ich wahnsinnig viel Zeug gelernt (und wieder vergessen) habe, es fühlt sich nicht so an, als wäre ich schon bereit für den nächsten Schritt. Was nicht heißen soll, dass mein Studium schlecht gewesen wäre. Aber nicht ohne Grund warten nun mindestens 5 weitere Jahre Ausbildung auf mich, denn es reicht für einen Arzt einfach nicht aus, nur eine Menge theoretisches Wissen in seinem Kopf zu haben. Und natürlich ist es auch wirklich toll, endlich eigenes Geld zu verdienen und mein Leben auch finanziell in die eigenen Hände zu nehmen…

Es gibt jedenfalls echt viele Dinge über die ich derzeit nachdenke. Vieles davon ist echt theoretisch, denn es hängt alles von so vielen Faktoren ab, die ich nicht alle vorhersagen kann. Trotzdem schwirren einem Gedanken durch den Kopf…

Mache ich eigentlich das Richtige? Und woran erkenne ich das? Bin ich schon reif genug dafür, ein Arzt zu sein? Und was für ein Fach soll ich überhaupt wählen? […] Wie finde ich eine gute Stelle? Und in welchen Regionen will ich danach suchen? Was und wie wichtig sind mir alle möglichen Dinge, die man bei der Stellensuche berücksichtigen kann? Oder sollte? Muss?! Was muss ich alles noch erledigen, bevor es “endlich” losgehen kann? […] Wie bekomme ich mein sonstiges Leben mit dem zukünftigen Beruf vereint? […]

Wahrscheinlich wird mich die Realität einfach überholen und ich werde einen neuen Lebensabschnitt begonnen haben, bevor ich diese Fragen auch nur annähernd beantworten konnte. Es bleibt also spannend! 😉

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