Category: Polarisiert

Jeden Tag ein Antrag: PA-140 Grundsatzprogramm Gesundheitspolitik (Tag 1)

Jeden Tag ein Antrag, heute: PA140 – Gesundheitspolitik. (Grundsatzprogramm)

Worum gehts?

In einem gemeinsamen Antrag von AG Gesundheitspolitik und AG Gesundheit wird eine grundsätzliche Vision für die Gesundheitspolitik der PIRATEN formuliert. Anstelle der sonst üblichen Vorgehensweise im Bereich der Gesundheitspolitik, die in der Regel immer sehr kleinteilige und detaillierte Lösungen für ganz konkrete Probleme formuliert, wird hier ein viel grundsätzlicherer Ansatz gewählt. Daher wurden in dem Antrag erst einmal aus Sicht der PIRATEN grundlegende Ziele und Aufgaben für das Gesundheitssystem definiert.

Es werden drei Grundaussagen getroffen:

  1. Bei den PIRATEN steht der Mensch im Mittelpunkt des Gesundheitssystems.
  2. Die PIRATEN streben eine am Patientennutzen orientierte Gesundheitsversorgung an.
  3. Mit den PIRATEN wird das Gesundheitswesen über solidarische Beiträge finanziert und effizient organisiert.

Im ersten Punkt geht es um die Förderung von gesundheitlicher Bildung und insgesamt einer “Gesundheitskultur” innerhalb der Bevölkerung, mit deutlicher Stärkung der Rolle von Prävention, und der Inklusion von Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen. Dadurch sollen zukünftig deutlich mehr Krankheiten verhindert werden, bevor sie auftreten können und damit dann zu Lasten des einzelnen bzw. des Systems als ganzen fallen würden. Wobei sich dieses Ziel primär am einzelnen Menschen orientiert!

In Punkt Zwei geht es darum die Versorgung von Patienten flexibler und entsprechend den tatsächlichen Bedürfnissen zu regeln. Schlagworte sind dabei der selbstbestimmte Patient, Wirtschaftlichkeit, freie Arztwahl, die Rolle kommunaler Anbieter, Palliative Versorgung und der Fachkräftemangel. Vor allem wird hier die Auflösung der bisher starren Grenzen der Krankenversorgung angestrebt.

Und in Punkt Drei geht es um Finanzierung und Organisation von medizinischer Versorgung. Das betrifft im einzelnen den Leistungskatalog und das Abrechnungssystem, aber auch den Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien, und Qualitätskontrolle. Wichtigstes enthaltenes Ziel ist eine solidarische Finanzierung des Gesundheitssystems durch alle Bürger und die Einschränkung der Privilegien von privaten Krankenversicherungen.

Was spricht dafür?

Letztendlich Alles! Wenn nur ein einziger Antrag zum Thema Gesundheitspolitik auf dem Bundesparteitag behandelt und angenommen werden sollte, dann dieser. Durch diesen Antrag gibt es ein sinnvolles Grundverständnis für alle weiteren Schritte in diesem Feld und es lassen sich prinzipiell viele zukünftige Positionen (und Antworten auf Fragen im politischen, bzw. parlamentarischen Alltag) daraus ableiten.

Was spricht dagegen?

Wer großer Verfechter von der traditionellen derzeitigen Aufteilung des Gesundheitsssystems in starre Sektoren mit klaren jeweiligen Abgrenzungen ist, der wird sich in diesem Antrag nicht wiederfinden können. Und auch wer für eine gehaltsunabhängige Finanzierung (“Kopfpauschale”) von Krankenkassen ist, für den ist dieser Antrag leider nichts.

Fazit?

Dafür! Dieser Antrag stellt einen sinnvollen Grundstein für die zukünftige Gesundheitspolitik der PIRATEN dar und sollte daher ins Grundsatzprogramm angenommen werden.

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Wie wollen wir Politik gestalten?

Vor uns hessischen PIRATEN liegt eine Aufgabe. Um ehrlich zu sein eine sehr wichtige Aufgabe, wenn nicht gar die Wichtigste…

Vor einigen Jahren sind wir angetreten um mit neuen Ideen für eine andere Art von Politik zu werben. Und die Erfolge aus den letzten Monaten zeigen vor allem eines: Es gibt nun endlich die realistische Chance, zukünftig auch auf dem Parkett “der Großen” mitzuspielen, in Wiesbaden im hessischen Landtag oder in Berlin im Bundestag.

Es gab und gibt aktuell viele Diskussionen, die sich in der Regel vor allem eine Frage drehen: Welche Menschen wollen wir aus welchen Gründen am liebsten als Abgeordnete in den Parlamenten sehen? Natürlich bleibt es da nicht aus, dass in diesen Diskussionen starke Gefühle mitspielen. Denn es handelt sich um wichtige Entscheidungen von großer Tragweite, die auf uns warten, an der Zusammensetzung der Listen lässt sich nämlich im nachhinein nichts mehr ändern. Zu groß ist die Angst davor, die falschen Menschen zu entsenden, die falschen Repräsentanten& Repräsentantinnen gewählt zu haben. Ich halte das für berechtigt, aber ein wichtiger Aspekt fehlt bisher in unseren Diskussionen.

Die eigentliche Herausforderung für uns alle kommt nämlich nicht vor, sondern nach der Wahl. Sollten sich unsere Hoffnungen erfüllen, dann können wir als Landesverband mehrere Abgeordnete in die Parlamente entsenden. Und dann? Ja was dann… Das ist die spannende Frage! Denn derzeit sehe ich kein Konzept, keinen Prozess, nicht einmal eine wirkliche Vision für diese Situation.

Es geht dann nicht mehr um Programm- oder Satzungsänderungsanträge für Parteitage, es geht nicht mehr um (virtuelle) Meinungsbilder, oder Beschlüsse von Vorständen. Es geht um Politik, aber natürlich nicht die große weltbewegende, sondern die alltägliche. Fragt mal eure kommunalen Mandatsträger/innen, falls ihr es noch nicht getan habt! Es gibt eine Unzahl an Anträgen, Papieren und Materialien, die auf unsere Abgeordneten einprasseln werden. Und es werden von unseren zukünftige Mandatsträgern/innen viele Entscheidungen zu treffen sein, die nicht einmal ansatzweise in unserem Programm vorkommen. Ganz zu schweigen von den vielen Hoffnungen und Wünschen für Themen und Schwerpunkte, die unsere Abgeordneten in die Parlamente einbringen sollen.

Ich habe einen großen Respekt vor Menschen, die sich als Abgeordnete(r) diese Aufgabe zutrauen. Und ich habe eine große Angst davor, dass wir diese Menschen im Regen stehen lassen werden. Denn es gibt bisher – zumindest in meiner Wahrnehmung – keine Vorstellung davon, wie wir unseren Mandatsträgern/innen auf Landes- oder Bundesebene zur Seite stehen können. Ich persönlich sehe da vor allem den Landesverband in einer Bringschuld, wir können nicht von unseren Abgeordneten erwarten, dass sie uns Zuhause vor dem Laptop, dem Smartphone oder auf dem Stammtisch abholen.

Wir müssen unsere Fähigkeiten, unser Wissen und unsere Expertisen anbieten. Wir müssen den Zugang der Mandatsträger/innen zum Parkett der großen Politik nutzen. Und wir müssen einen Weg definieren, wie wir das als Landesverband erreichen wollen.

Genau genommen müssen wir zwei Fragen beantworten:
  1. Wie wünschen wir uns den Weg einer Idee vom einfachen Mitglied hin zum Abgeordneten und ins Parlament?
  2. Wie und mit welchen Werkzeugen wollen wir den Abgeordneten unsere Unterstützung anbieten?

Also, liebe hessische PIRATEN, wir haben noch ungefähr ein Jahr vor uns. Das ist eine schaffbare Aufgabe. Lasst uns gemeinsam eine Antwort dafür finden!

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Streikende Ärzte

Was ich wohl niemals verstehen werde, ist wieso es die ärztlichen Standesvertreter nicht hinbekommen, sich (medienwirksam) für irgendwas anderes, als Honorarerhöhungen einzusetzen.

Als würde sich das vorliegende Problem alleine durch die Erhöhung der Honorare lösen lassen. Denn kaputt ist das gesamte System, mit dem die Leistungen der niedergelassenen Ärzte vergütet werden und die dadurch geschaffen Arbeitsbedingungen. Und in letzter Konsequenz werden wieder die selben davon profitieren, die Hausärzte dagegen wieder praktisch leer ausgehen. Nur ist langsam das Verständnis von Patientinnen und Patienten für diese immergleichen Forderungen aufgebraucht. Aber anscheinend besteht dafür wohl nicht genügend Interesse. Was sehr schade ist…

Aber ein weiterer guter Grund dafür, selbst in der Piratenpartei politisch aktiv zu sein.

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Mein Kommentar zu “Mein Austritt aus der Piratenpartei Deutschland”

Mein (bislang nicht freigeschalteter) Kommentar zum Blogbeitrag “Mein Austritt aus der Piratenpartei Deutschland” von Sascha Klee. Einem Stadtverordneten der Stadt Marburg.

Ich bedauere deinen Schritt, den ich ehrlich gesagt nur schwer nachvollziehen kann. Darüber hinaus bin ich sehr irritiert darüber, dass du trotzdem deines Austritts aus der Partei dein Amt als Stadtverordneter behalten willst.

Wie rechtfertigst du diesen Schritt? Schließlich hat dich diese Partei (an der du nun nicht mehr partizipieren willst) – gemeinsam mit einem Wahlprogramm – FÜR uns als Marburger Piraten zur Wahl für die Stadtverordnetenversammlung aufgestellt. Wir haben damals explizit keinen Personenwahlkampf gemacht, weil es uns um die Sache, um die aktive Beteiligung an Kommunalpolitik in der Stadtverordnetenversammlung Marburg, ging. Und die Bürger haben ihre Stimme der “Piratenpartei” gegeben und, damit erst dich als Abgeordneten möglich gemacht. Sie haben nicht explizit dich, sondern vor allem diese Partei, unseren Namen unsere Sache, unsere Idee gewählt.

Und deswegen bitte ich dich darum, dein Mandat niederzulegen. Es ist ein Mandat der Piratenpartei, nicht das von Sascha Klee.
Tue es nicht für uns, sondern für die Bürger der Stadt Marburg.

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Wir müssen das erklären. RTFM? GTFO!

Diesen Artikel habe ich mit freundlicher Hilfe von und zusammen mit Jan “pyth” Leutert verfasst. Wir sind übrigens beide Mitglieder der Piratenpartei, wer hätte es gedacht!

Liebe Piraten, wir müssen reden.

Im Moment erleben wir einen sagenhaften Ansturm und ein großes Interesse an dem, was wir so tun. Dabei kommen wir ständig an den Punkt, dass interessierte Menschen an uns teilhaben wollen. Und was tun wir? Sagen denen “Schau mal im Wiki nach!”, “Frag auf der Mailingliste”, “Geh mal ins Mumble.”, und vieles mehr. Die Muße das alles haarklein zu erklären haben wir natürlich nicht, denn in Wirklichkeit blicken nur die wenigsten in dem Wirrwarr an Kommunikationskanälen der Piratenpartei durch.

An dieser Stelle möchte ich an einen hervorragenden Blogbeitrag von Stephan Urbach und tiefpunkt verweisen. Die haben zwar über Hackerspaces gebloggt, aber das Problem ist das gleiche: Wir verschließen uns. Wir grenzen uns ab.

Natürlich sind Hackerspaces und die Piratenpartei überhaupt nicht vergleichbar, denn schließlich sagen wir nicht “Hey, die Piratenpartei ist ein elitärer Club, du kommst hier nicht rein!”. Aber wir verharren in unseren selbstgeschaffenen Strukturen, durch die kaum ein Neumitglied durchsteigen wird und alles was wir – in guter alter Nerdtradition sagen – ist: RTFM. Bei uns heißt das dann z.B. “Schau im Wiki nach, irgendwo ist das versteckt.”

Das führt schnell zu Frustration und sorgt dafür, dass viele neue Mitglieder schnell in eine viel zu passive Rolle rutschen. Mitarbeit von neuen Mitgliedern wird dadurch strukturell verhindert. Denn wir wollen offenbar unsere gefühlte Macht nicht abgeben, sie nicht teilen. Den heiligen Gral der Mitarbeit in der Piratenpartei selbst in der Hand behalten.

Wir firmieren unter dem Label der “Mitmachpartei”. Neumitglieder und Interessenten zur Mitarbeit zu motivieren ist unsere Aufgabe. Wir haben diese Strukturen (mit-) geschaffen. Und wir sind in der Pflicht sie den neuen Mitgliedern in der Partei erklären – niemand sonst. Und wenn wir dafür zu FAUL sind, dann müssen wir zumindest dafür Sorge tragen, dass es gute und leicht auffindbare Anleitungen gibt. Es kann durchaus nervig sein drei mal am Tag das gleiche zu schreiben, oder den fünften Stammtisch in Folge die gleiche Einweisung in die Arbeit der Piraten zu machen.

Ja damals™ hat uns auch keiner erklärt wie es funktioniert, auch wir haben uns durchgebissen und uns Strukturen geschaffen mit denen wir arbeiten konnten. Oh weh, oh weh wenn das heute ein neues Mitglied wagen würde. Da wäre die Empörung gigantisch, denn das wäre unpiratig. Die zeiten sind allerdings auch anders. Wir sind nicht mehr die 6000 Piraten die sich fast alle kannten. Damals konnte man unklare Workflows noch schnell über Bord werfen und gegen bessere ersetzen. Heute ist dies nicht mehr so einfach.

Darum: Nehmt die Menschen dort mit, wo sie sind. Erklärt ihnen, wie diese Partei funktioniert. Und wenn es zu kompliziert zum erklären ist, dann ändert das.

Und der nächste, der einem neuen Piraten einfach nur mit RTFM kommt. Dem werde ich mit GTFO antworten.

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Stoppt die Klage von Novartis!

Im Rahmen der Access-Kampagne von Ärzte ohne Grenzen, wird Novartis dazu aufgerufen eine Klage vor dem indischen Obersten Gerichtshof in Neu-Delhi fallen zu lassen. Geklagt wird von Novartis gegen den Abschnitt 3(d) im indischen Patentrecht. Der Anlass dafür ist die versuchte Patentierung von Imatinib (Glivec). Es handelt sich um ein spezielles Medikament gegen Krebs, dass als eines der teuersten überhaupt gilt. Verkauft wird Imatinib in Ländern mit Patentschutz für etwa 2.600 $ pro Patient und Monat, während die Generika in Indien für weniger als 200 $ verkauft werden.

Das indische Patentrecht zeichnet sich dadurch aus, dass geringe Veränderungen oder neue Anwendungsgebiete von seit langem bekannten Wirkstoffen nicht patentiert werden können. Geschützt werden können in Indien nur tatsächlich neue Verfahren oder Wirkstoffe. Bis ins Jahr 2005 gab es in Indien überhaupt keinen Patentschutz für Medikamente, was dazu geführt hat, dass Indien heute einer der bedeutendsten Hersteller von Generika ist. Dadurch wurde Indien zur “Apotheke der Armen”, die heute zahlreiche Gesundheitsprogramme und Organisationen (z.B. auch Ärzte ohne Grenzen) in armen Ländern mit kostengünstigen Medikamenten versorgt.

Diese Besonderheit im indischen Patentrecht liegt in dem angesprochenen Abschnitt 3(d), dieser richtet sich speziell gegen das so genannte “Evergreening” von Patenten. Darunter versteht man die fortlaufende Erneuerung des Patentschutzes, durch geringfügige Veränderungen von Wirkstoffen oder deren Anwendungen. Im Fall von Imatinib wollte Novartis eine kleine Verändung des Wirkstoffes, mit einer leichten Verbesserung der Bioverfügbarkeit patentieren lassen. Diese Art der Verändung ist unter anderem eine übliche Praxis der Pharmaindustrie um das Auslaufen von Patenten zu verhindern.

Im Jahr 2005 musste Indien aufgrund eines internationalen Übereinkommens zu Rechten an geistigem Eigentum, dem so genannte TRIPS-Abkommen, die Patente auf Medikamente zulassen. Doch die Verantwortlichen machten dabei von ihrer Möglichkeit gebrauch, Mechanismen zum Schutz der öffentlichen Gesundheit in der nationalen Gesetzgebung zu verankern: der Abschnitt 3(d) wurde Teil des Gesetzes. Darum wies das indische Patentamt 2006 eine Patentanmeldung von Novartis für Imatinib zurück.

In der Folge der Rückweisung dieses Patents leitete Novartis eine Reihe von Gerichtsverfahren ein, die sich nicht nur auf die Zurückweisung bezogen, sondern auch die Verfassungsmäßigkeit von Abschnitt 3(d) in Frage stellten. Erfolg hatte Novartis damit nicht, versucht daher nun die Auslegung des Abschnittes zu verändern um zukünftig auch geringfügige Änderungen an Wirkstoffen patentieren zu können. Der Ausgang dieses Verfahrens wird die zukünfigte Versorgung der Welt durch die “Apotheke der Armen” mit Sicherheit maßgebilch bestimmen.

Sollte Novartis Erfolg haben, würde dies zu einer deutlichen Zunahme von Patentierungen von Medikamenten in Indien führen. Damit würde die Verfügbarkeit von kostengünstigen Generika deutlich abnehmen, mit wahrscheinlich katastrophalen Konsequenzen. Novartis sieht das natürlich nicht ganz so drastisch. Der Zugang zu kostengünstigen Medikamenten für Millionen Menschen auf der ganzen Welt, darf nicht aufgrund der Profitgier einzelner Unternehmen blockiert werden. Ich habe deshalb eine Petition gegen die Novartis-Klage bei Avaaz unterschieben und fordere euch alle dazu auf, das auch zu tun!

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Wir brauchen Open Access. Jetzt!

Also ich bin ja der Auffassung erlegen, dass es eine natürliche Begeisterung von Menschen für freie Sachen gibt: freie Software, Freibier und natürlich freies Wissen. Ich bin mir sicher, dass sich nicht zuletzt deshalb viele tausende Interessierte an Projekten wie der Wikipedia aktiv beteiligen – und viele Millionen zumindest passive Leser sind. Leider ist nicht das ganze Wissen der Menschheit frei, eher im Gegenteil: In der Regel ist es kaum möglich wissenschaftliche Arbeiten frei zu erhalten, da sie nur in Fachzeitschriften veröffentlicht werden, die ziemlich rigide mit den Verwertungsrechten umgehen.

Abhilfe schaffen will die eine Bewegung, die sich Open Access auf die Fahnen geschrieben hat. Die zentrale Forderung ist dabei der freie Zugang zu wissenschaftlicher Literatur für Jedermann, am besten unter freien Lizenzen. Es klingt nach einer legitimen Forderung, doch leider ist der öffentliche Druck auf den wissenschaftlichen Betrieb und die großen Magazine immer noch viel zu gering – das muss sich ändern! Hier folgt nun ein kleines Beispiel, warum sich das meiner Meinung nach dringend ändern muss:

Schon mal vom Chordom gehört? Wahrscheinlich nicht, aber das ist auch kein Problem. Es handelt sich dabei um einen vergleichsweise seltenen Knochentumor, der die Wirbelsäule betrifft. Auf eine Millionen Menschen gesehen erkrankt pro Jahr grade einmal ein Einziger an dieser zwar bösartigen, aber langsam fortschreitenden Erkrankung. Therapieren kann man den Tumor zwar mittels Operationen und Bestrahlungen, aber aufgrund seiner Lage ist dies sehr risikoreich und mit erheblichen Nebenwirkungen behaftet. Chemotherapien befinden sich derzeit erst in der Erprobung, insgesamt liegt das durchschnittliche Überleben der der Patienten heute bei “nur” 7 Jahren.

Im Jahr 2006 wurde bei Josh Sommer, einem 23 jährigen Studenten, das eben angerissene Chordom diagnostiziert. Als er kurz nach der Diagnose damit begann, sich mit seiner Krankheit auseinanderzusetzen, stellte er schnell fest das ihm das alleine kaum gelingen würde. Tatsächlich hatte selbst das Krankenhaus indem die Diagnose gestellt wurde, keinen ausreichenden Zugang zu angemessener Literatur bezüglich dieses Tumors. Aber im Gegensatz zu wohl den meisten anderen Menschen hat sich Josh davon nur kurzzeitig entmutigen lassen und dann die “Chordoma Foundation” gegründet.

Diese hat sich zur Aufgabe gemacht, das Krankheitsbild besser zu erforschen und vor allem die gewonnenen Erkenntnisse der breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Unter anderem zu diesem Zweck hat die Chordoma Foundation bereits mehrere Workshops veranstaltet, um die an diesem Thema arbeitenden Wissenschaftler zusammenzubringen. Doch nicht nur das, sie fördert auch aktiv die freie Weitergabe der gewonnen Erkenntnisse an Patienten, Angehörige und Interessierte. Denn grade im Umgang mit Krankheit – und erst recht mit Krebs – ist Wissen für alle Beteiligten unglaublich wichtig.

Eigentlich ein positives Beispiel, nur hat leider bei weitem nicht jede Krankheit so engagierte Fürsprecher, geschweige denn gemeinnützige Organisationen die sich der Erforschung und dem freien Wissen über die Erkrankung verschrieben haben. So sind in der Regel nur wenige und häufig durch Marketing gefärbte Informationen von Firmen frei im Internet verfügbar, genaue wissenschaftliche Informationen dagegen nur selten. Und das muss sich meiner Meinung nach dringend ändern. Denn das Wissen über Krankheiten ist so ein wichtiges Gut für die Menschheit, das es für Jedermann frei verfügbar sein muss!

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Nicht fürs Leben, sondern für die Klausuren lernen wir. Wirklich!

Das Ende des Sommersemesters rückt schnell näher und damit auch der ungemütlichste Teil eines Studiums: Die Klausuren. Aus Sicht der Universitäten sind sie nötig, um uns Studenten neben der regelmäßigen physikalischen Teilhabe die erfolgreiche Teilnahme von Lehrveranstaltungen attestieren zu können. Oh und natürlich um den Studenten Etiketten in Form von Noten verpassen zu können – wenngleich auch die Bedeutung von Prüfungsergebnissen von Studiengang zu Studiengang stark schwankt.

Ich als Medizinstudent habe insofern Glück, als das grundsätzlich die Regel “Vier gewinnt” bei allen Prüfungen gilt. Kurz zur Erklärung, für die Nicht-Studenten: “Vier ist bestanden, Bestanden ist gut, und Gut ist fast Eins“. Viele Studenten sind natürlich trotzdem von gewissem Ehrgeiz getrieben, oder glauben daran, dass die Klausuren irgendeine Art von Effekt für irgendetwas außerhalb des jeweiligen Studiums haben würden. Meiner Meinung nach ein fataler Irrglaube.

Es gibt viele Varianten, wie Professoren und Dozenten ihre Klausuren gestalten können. Unterscheiden kann man dabei aber prinzipiell zwei Typen: Erstens Klausuren bei denen  zu bestimmtem Material (Quellen, Fällen, Rechenaufgaben) in freier Arbeit eine Lösung geschrieben werden muss. Und zweitens Klausuren die sowohl Fragen, als auch Antwortmöglichkeiten vorgeben und richtige, oder falsche Antworten markiert werden müssen. Wobei es je nach Studiengang immer eine gewisse Vorselektion gibt.

Grade im Medizinstudium werden fast ausschließlich Klausuren des zweiten Typs geschrieben: Kreuze jeweils die richtigen, oder falschen Antworten an. Fertig. Und genau hier schaffen sich die Klausuren ihr eigenes Universum. Es ist einfach nicht möglich in einer vertretbaren Anzahl von Fragen (ca. 20 bis 30) zu prüfen, ob jemand den zu prüfenden Themenkomplex durchdrungen und verstanden hat. Daher zielen viele Fragen auf sehr spezielle Sachverhalte ab, die sich in den Lehrbüchern allenfalls in Fußnoten finden lassen.

Weil Studenten in der Masse nicht doof sind und gerne die Klausuren gut überhaupt bestehen wollen, gibt es in der Regel einen Schwarzmarkt mit Altklausuren. Dort haben frühere Semester ihre Klausuren gesammelt, mit Antworten versehen und führ ihre Nachfolger bereitgestellt. Das ist wichtig, denn oftmals sind die thematischen Schwerpunkte der Klausuren nicht aus der Lehre ersichtlich und ohne Vorbereitung in die Klausur zu gehen würde einen wirklich erheblichen Lernaufwand bedeuten.

Klar muss man immer für Klausuren lernen, aber leider schreibt man am Semesterende typischerweise eine ganze Reihe von Klausuren zu unterschiedlichsten Themen. Da muss man eine ökonomische Lösung finden, sodass die Mehrzahl der Medizinstudenten den “einfachen” (und klischeehaften) Weg wählt und einfach die Altklausuren mit ihren Lösungen auswendig lernt. Oder zumindest sein Lernen auf die aus den Altklausuren bekannten Schwerpunkte verlagert.

Mit dieser Technik lässt sich – zumindest im Medizinstudium – fast alles bestehen. Aber fürs Leben gelernt hat man nichts, denn gelernt hat man nur irgendwelches spezielles Wissen, oder einzelne Fragen und ihre Antworten – verstanden leider wenig bis gar nichts. Sodass man in der Regel bereits wenige Tage nach der Klausur praktisch an nichts mehr vom gelernten erinnern kann. Meiner Meinung nach sind die Klausuren – so wie sie derzeit zumindest im Medizinstudium praktiziert werden – total unsinnig und bedeuten, außer einer gigantischen Vernichtung von Lebenszeit, nichts als Selbstbetrug.

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Kino.to: Und wir wussten, das es falsch ist. Echt jetzt!

Das Internet ist eine wunderbare Plattform für Empörung. Wahrscheinlich wird deswegen mehrmals am Tag eine andere Sau durchs Dorf getrieben, je nach Lust, Laune und tagesaktuellem Geschehen. So auch gestern, da hat die Staatsmacht zum Schlag gegen das allseits beliebte Streaming-Portal “Kino.to” ausgeholt. Das Resultat: 13 Beteiligte wurden verhaftet und die Website ging offline. Natürlich dauerte es nicht lange, bis die digitalen Öffentlichkeit den Verlust bemerkte und dem Frust z.B. bei Twitter Luft machte.

Wahrscheinlich gibt es kaum jemanden im Internet, der noch nie von einem Angebot wie Kino.to profitiert hat – selbst bei YouTube tauchen gelegentlich ganze Filme auf. Nutzer und Anbieter schlossen einen gemeinsamen Pakt: Die Nutzer nehmen diverse Unwägbarkeiten wie miserables Design, tonnenweise Werbung und die wechselhafte Qualität der Streams in Kauf – erhalten dafür von den Anbietern Filme, Dokumentationen und Serien zeitnah ohne großen Aufwand für den Hausgebrauch.

Aber mal unter uns: Jedem muss klar gewesen sein, dass die Anbieter solcher Seiten nicht altruistisch aus purer Menschenliebe heraus gehandelt haben. Zum einen werden vor allem durch die Platzierung von Werbung, zum anderen haben bestimmt auch einzelne Nutzer die angebotenen Pro-Accounts genutzt und für schnellere Streams, oder ähnliches bezahlt. Es war ein Geschäft, wie z.B. Napster, oder Rapidshare. Zwar soll “Kino.to” als Mittelsmann nichts gezahlt haben, aber ich halte personelle Überschneidungen zwischen der Plattform und den eigentlichen Streamingseiten für sehr wahrscheinlich.

Natürlich empfindet niemand Sympathien für die Unterhaltungsindustrie, deren gefühltes Geschäftsmodell vor allem die Gängelung der Nutzer zu sein scheint. Dabei ist dies natürlich ein Kampf gegen Windmühlen, denn mit jedem Schritt der gegen Urheberrechtsverletzungen unternommen wird entstehen dutzende neue Angebote. Diese suchen sich immer wieder neue Lücken in der Gesetzgebung – im vorliegenden Fall vermitteln sie z.B. nur Links zu Streams an Nutzer und bieten selbst gar keine Urheberrechtlich geschützten Inhalte an. Für die Nutzer ist das natürlich ein Segen.

Aber wir alle wissen, dass sich die Unterhaltungsindustrie dies nicht gefallen lassen kann und wird. Darum ist dieser Schritt gegen “Kino.to” ungefähr so unterwartet gewesen, wie das Amen in der Kirche. Außerdem ist uns allen bewusst, wie sehr sich derartige Streaming-Portale im Graubereich der Gesetze bewegen. Ich kann diese ganze gespielte Aufregung einfach nicht nachvollziehen, vor allem weil die Nutzer wie die Geier ohne mit der Wimper zu zucken weiterziehen werden. Klar ist die Schließung von “Kino.to” nur ein Symbol, aber keines das auch nur im entferntesten mit Robin Hood zu tun hat. Also liebe Empörte schaltet bitte einen Gang zurück, denn es nervt. Danke!

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