Stoppt die Klage von Novartis!

Im Rahmen der Access-Kampagne von Ärzte ohne Grenzen, wird Novartis dazu aufgerufen eine Klage vor dem indischen Obersten Gerichtshof in Neu-Delhi fallen zu lassen. Geklagt wird von Novartis gegen den Abschnitt 3(d) im indischen Patentrecht. Der Anlass dafür ist die versuchte Patentierung von Imatinib (Glivec). Es handelt sich um ein spezielles Medikament gegen Krebs, dass als eines der teuersten überhaupt gilt. Verkauft wird Imatinib in Ländern mit Patentschutz für etwa 2.600 $ pro Patient und Monat, während die Generika in Indien für weniger als 200 $ verkauft werden.

Das indische Patentrecht zeichnet sich dadurch aus, dass geringe Veränderungen oder neue Anwendungsgebiete von seit langem bekannten Wirkstoffen nicht patentiert werden können. Geschützt werden können in Indien nur tatsächlich neue Verfahren oder Wirkstoffe. Bis ins Jahr 2005 gab es in Indien überhaupt keinen Patentschutz für Medikamente, was dazu geführt hat, dass Indien heute einer der bedeutendsten Hersteller von Generika ist. Dadurch wurde Indien zur “Apotheke der Armen”, die heute zahlreiche Gesundheitsprogramme und Organisationen (z.B. auch Ärzte ohne Grenzen) in armen Ländern mit kostengünstigen Medikamenten versorgt.

Diese Besonderheit im indischen Patentrecht liegt in dem angesprochenen Abschnitt 3(d), dieser richtet sich speziell gegen das so genannte “Evergreening” von Patenten. Darunter versteht man die fortlaufende Erneuerung des Patentschutzes, durch geringfügige Veränderungen von Wirkstoffen oder deren Anwendungen. Im Fall von Imatinib wollte Novartis eine kleine Verändung des Wirkstoffes, mit einer leichten Verbesserung der Bioverfügbarkeit patentieren lassen. Diese Art der Verändung ist unter anderem eine übliche Praxis der Pharmaindustrie um das Auslaufen von Patenten zu verhindern.

Im Jahr 2005 musste Indien aufgrund eines internationalen Übereinkommens zu Rechten an geistigem Eigentum, dem so genannte TRIPS-Abkommen, die Patente auf Medikamente zulassen. Doch die Verantwortlichen machten dabei von ihrer Möglichkeit gebrauch, Mechanismen zum Schutz der öffentlichen Gesundheit in der nationalen Gesetzgebung zu verankern: der Abschnitt 3(d) wurde Teil des Gesetzes. Darum wies das indische Patentamt 2006 eine Patentanmeldung von Novartis für Imatinib zurück.

In der Folge der Rückweisung dieses Patents leitete Novartis eine Reihe von Gerichtsverfahren ein, die sich nicht nur auf die Zurückweisung bezogen, sondern auch die Verfassungsmäßigkeit von Abschnitt 3(d) in Frage stellten. Erfolg hatte Novartis damit nicht, versucht daher nun die Auslegung des Abschnittes zu verändern um zukünftig auch geringfügige Änderungen an Wirkstoffen patentieren zu können. Der Ausgang dieses Verfahrens wird die zukünfigte Versorgung der Welt durch die “Apotheke der Armen” mit Sicherheit maßgebilch bestimmen.

Sollte Novartis Erfolg haben, würde dies zu einer deutlichen Zunahme von Patentierungen von Medikamenten in Indien führen. Damit würde die Verfügbarkeit von kostengünstigen Generika deutlich abnehmen, mit wahrscheinlich katastrophalen Konsequenzen. Novartis sieht das natürlich nicht ganz so drastisch. Der Zugang zu kostengünstigen Medikamenten für Millionen Menschen auf der ganzen Welt, darf nicht aufgrund der Profitgier einzelner Unternehmen blockiert werden. Ich habe deshalb eine Petition gegen die Novartis-Klage bei Avaaz unterschieben und fordere euch alle dazu auf, das auch zu tun!

Wir brauchen Open Access. Jetzt!

Also ich bin ja der Auffassung erlegen, dass es eine natürliche Begeisterung von Menschen für freie Sachen gibt: freie Software, Freibier und natürlich freies Wissen. Ich bin mir sicher, dass sich nicht zuletzt deshalb viele tausende Interessierte an Projekten wie der Wikipedia aktiv beteiligen – und viele Millionen zumindest passive Leser sind. Leider ist nicht das ganze Wissen der Menschheit frei, eher im Gegenteil: In der Regel ist es kaum möglich wissenschaftliche Arbeiten frei zu erhalten, da sie nur in Fachzeitschriften veröffentlicht werden, die ziemlich rigide mit den Verwertungsrechten umgehen.

Abhilfe schaffen will die eine Bewegung, die sich Open Access auf die Fahnen geschrieben hat. Die zentrale Forderung ist dabei der freie Zugang zu wissenschaftlicher Literatur für Jedermann, am besten unter freien Lizenzen. Es klingt nach einer legitimen Forderung, doch leider ist der öffentliche Druck auf den wissenschaftlichen Betrieb und die großen Magazine immer noch viel zu gering – das muss sich ändern! Hier folgt nun ein kleines Beispiel, warum sich das meiner Meinung nach dringend ändern muss:

Schon mal vom Chordom gehört? Wahrscheinlich nicht, aber das ist auch kein Problem. Es handelt sich dabei um einen vergleichsweise seltenen Knochentumor, der die Wirbelsäule betrifft. Auf eine Millionen Menschen gesehen erkrankt pro Jahr grade einmal ein Einziger an dieser zwar bösartigen, aber langsam fortschreitenden Erkrankung. Therapieren kann man den Tumor zwar mittels Operationen und Bestrahlungen, aber aufgrund seiner Lage ist dies sehr risikoreich und mit erheblichen Nebenwirkungen behaftet. Chemotherapien befinden sich derzeit erst in der Erprobung, insgesamt liegt das durchschnittliche Überleben der der Patienten heute bei “nur” 7 Jahren.

Im Jahr 2006 wurde bei Josh Sommer, einem 23 jährigen Studenten, das eben angerissene Chordom diagnostiziert. Als er kurz nach der Diagnose damit begann, sich mit seiner Krankheit auseinanderzusetzen, stellte er schnell fest das ihm das alleine kaum gelingen würde. Tatsächlich hatte selbst das Krankenhaus indem die Diagnose gestellt wurde, keinen ausreichenden Zugang zu angemessener Literatur bezüglich dieses Tumors. Aber im Gegensatz zu wohl den meisten anderen Menschen hat sich Josh davon nur kurzzeitig entmutigen lassen und dann die “Chordoma Foundation” gegründet.

Diese hat sich zur Aufgabe gemacht, das Krankheitsbild besser zu erforschen und vor allem die gewonnenen Erkenntnisse der breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Unter anderem zu diesem Zweck hat die Chordoma Foundation bereits mehrere Workshops veranstaltet, um die an diesem Thema arbeitenden Wissenschaftler zusammenzubringen. Doch nicht nur das, sie fördert auch aktiv die freie Weitergabe der gewonnen Erkenntnisse an Patienten, Angehörige und Interessierte. Denn grade im Umgang mit Krankheit – und erst recht mit Krebs – ist Wissen für alle Beteiligten unglaublich wichtig.

Eigentlich ein positives Beispiel, nur hat leider bei weitem nicht jede Krankheit so engagierte Fürsprecher, geschweige denn gemeinnützige Organisationen die sich der Erforschung und dem freien Wissen über die Erkrankung verschrieben haben. So sind in der Regel nur wenige und häufig durch Marketing gefärbte Informationen von Firmen frei im Internet verfügbar, genaue wissenschaftliche Informationen dagegen nur selten. Und das muss sich meiner Meinung nach dringend ändern. Denn das Wissen über Krankheiten ist so ein wichtiges Gut für die Menschheit, das es für Jedermann frei verfügbar sein muss!

Nicht fürs Leben, sondern für die Klausuren lernen wir. Wirklich!

Das Ende des Sommersemesters rückt schnell näher und damit auch der ungemütlichste Teil eines Studiums: Die Klausuren. Aus Sicht der Universitäten sind sie nötig, um uns Studenten neben der regelmäßigen physikalischen Teilhabe die erfolgreiche Teilnahme von Lehrveranstaltungen attestieren zu können. Oh und natürlich um den Studenten Etiketten in Form von Noten verpassen zu können – wenngleich auch die Bedeutung von Prüfungsergebnissen von Studiengang zu Studiengang stark schwankt.

Ich als Medizinstudent habe insofern Glück, als das grundsätzlich die Regel “Vier gewinnt” bei allen Prüfungen gilt. Kurz zur Erklärung, für die Nicht-Studenten: “Vier ist bestanden, Bestanden ist gut, und Gut ist fast Eins“. Viele Studenten sind natürlich trotzdem von gewissem Ehrgeiz getrieben, oder glauben daran, dass die Klausuren irgendeine Art von Effekt für irgendetwas außerhalb des jeweiligen Studiums haben würden. Meiner Meinung nach ein fataler Irrglaube.

Es gibt viele Varianten, wie Professoren und Dozenten ihre Klausuren gestalten können. Unterscheiden kann man dabei aber prinzipiell zwei Typen: Erstens Klausuren bei denen  zu bestimmtem Material (Quellen, Fällen, Rechenaufgaben) in freier Arbeit eine Lösung geschrieben werden muss. Und zweitens Klausuren die sowohl Fragen, als auch Antwortmöglichkeiten vorgeben und richtige, oder falsche Antworten markiert werden müssen. Wobei es je nach Studiengang immer eine gewisse Vorselektion gibt.

Grade im Medizinstudium werden fast ausschließlich Klausuren des zweiten Typs geschrieben: Kreuze jeweils die richtigen, oder falschen Antworten an. Fertig. Und genau hier schaffen sich die Klausuren ihr eigenes Universum. Es ist einfach nicht möglich in einer vertretbaren Anzahl von Fragen (ca. 20 bis 30) zu prüfen, ob jemand den zu prüfenden Themenkomplex durchdrungen und verstanden hat. Daher zielen viele Fragen auf sehr spezielle Sachverhalte ab, die sich in den Lehrbüchern allenfalls in Fußnoten finden lassen.

Weil Studenten in der Masse nicht doof sind und gerne die Klausuren gut überhaupt bestehen wollen, gibt es in der Regel einen Schwarzmarkt mit Altklausuren. Dort haben frühere Semester ihre Klausuren gesammelt, mit Antworten versehen und führ ihre Nachfolger bereitgestellt. Das ist wichtig, denn oftmals sind die thematischen Schwerpunkte der Klausuren nicht aus der Lehre ersichtlich und ohne Vorbereitung in die Klausur zu gehen würde einen wirklich erheblichen Lernaufwand bedeuten.

Klar muss man immer für Klausuren lernen, aber leider schreibt man am Semesterende typischerweise eine ganze Reihe von Klausuren zu unterschiedlichsten Themen. Da muss man eine ökonomische Lösung finden, sodass die Mehrzahl der Medizinstudenten den “einfachen” (und klischeehaften) Weg wählt und einfach die Altklausuren mit ihren Lösungen auswendig lernt. Oder zumindest sein Lernen auf die aus den Altklausuren bekannten Schwerpunkte verlagert.

Mit dieser Technik lässt sich – zumindest im Medizinstudium – fast alles bestehen. Aber fürs Leben gelernt hat man nichts, denn gelernt hat man nur irgendwelches spezielles Wissen, oder einzelne Fragen und ihre Antworten – verstanden leider wenig bis gar nichts. Sodass man in der Regel bereits wenige Tage nach der Klausur praktisch an nichts mehr vom gelernten erinnern kann. Meiner Meinung nach sind die Klausuren – so wie sie derzeit zumindest im Medizinstudium praktiziert werden – total unsinnig und bedeuten, außer einer gigantischen Vernichtung von Lebenszeit, nichts als Selbstbetrug.

Kino.to: Und wir wussten, das es falsch ist. Echt jetzt!

Das Internet ist eine wunderbare Plattform für Empörung. Wahrscheinlich wird deswegen mehrmals am Tag eine andere Sau durchs Dorf getrieben, je nach Lust, Laune und tagesaktuellem Geschehen. So auch gestern, da hat die Staatsmacht zum Schlag gegen das allseits beliebte Streaming-Portal “Kino.to” ausgeholt. Das Resultat: 13 Beteiligte wurden verhaftet und die Website ging offline. Natürlich dauerte es nicht lange, bis die digitalen Öffentlichkeit den Verlust bemerkte und dem Frust z.B. bei Twitter Luft machte.

Wahrscheinlich gibt es kaum jemanden im Internet, der noch nie von einem Angebot wie Kino.to profitiert hat – selbst bei YouTube tauchen gelegentlich ganze Filme auf. Nutzer und Anbieter schlossen einen gemeinsamen Pakt: Die Nutzer nehmen diverse Unwägbarkeiten wie miserables Design, tonnenweise Werbung und die wechselhafte Qualität der Streams in Kauf – erhalten dafür von den Anbietern Filme, Dokumentationen und Serien zeitnah ohne großen Aufwand für den Hausgebrauch.

Aber mal unter uns: Jedem muss klar gewesen sein, dass die Anbieter solcher Seiten nicht altruistisch aus purer Menschenliebe heraus gehandelt haben. Zum einen werden vor allem durch die Platzierung von Werbung, zum anderen haben bestimmt auch einzelne Nutzer die angebotenen Pro-Accounts genutzt und für schnellere Streams, oder ähnliches bezahlt. Es war ein Geschäft, wie z.B. Napster, oder Rapidshare. Zwar soll “Kino.to” als Mittelsmann nichts gezahlt haben, aber ich halte personelle Überschneidungen zwischen der Plattform und den eigentlichen Streamingseiten für sehr wahrscheinlich.

Natürlich empfindet niemand Sympathien für die Unterhaltungsindustrie, deren gefühltes Geschäftsmodell vor allem die Gängelung der Nutzer zu sein scheint. Dabei ist dies natürlich ein Kampf gegen Windmühlen, denn mit jedem Schritt der gegen Urheberrechtsverletzungen unternommen wird entstehen dutzende neue Angebote. Diese suchen sich immer wieder neue Lücken in der Gesetzgebung – im vorliegenden Fall vermitteln sie z.B. nur Links zu Streams an Nutzer und bieten selbst gar keine Urheberrechtlich geschützten Inhalte an. Für die Nutzer ist das natürlich ein Segen.

Aber wir alle wissen, dass sich die Unterhaltungsindustrie dies nicht gefallen lassen kann und wird. Darum ist dieser Schritt gegen “Kino.to” ungefähr so unterwartet gewesen, wie das Amen in der Kirche. Außerdem ist uns allen bewusst, wie sehr sich derartige Streaming-Portale im Graubereich der Gesetze bewegen. Ich kann diese ganze gespielte Aufregung einfach nicht nachvollziehen, vor allem weil die Nutzer wie die Geier ohne mit der Wimper zu zucken weiterziehen werden. Klar ist die Schließung von “Kino.to” nur ein Symbol, aber keines das auch nur im entferntesten mit Robin Hood zu tun hat. Also liebe Empörte schaltet bitte einen Gang zurück, denn es nervt. Danke!