Category: Reisen

Dänemark 2012

«Letzte Ausfahrt vor der Bundesgrenze.»

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Ich sitze auf der Terrasse eines gemütlichen Ferienhauses, mitten in einem dänischen Wald. Die Kohle auf dem Grill glüht, der eisgekühlte Aquavit steht vor mir und über mir fliegen die Möven. Angekommen. Endlich.

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Erstaunlich ist , als wie angenehm man das durchaus spartanische Leben in einem Ferienhaus empfindet. Muffige Luft, durchgelegene Matratzen, staubige Schränke gefüllt mit scheußlichem Geschirr, wenige abgenutzte Möbel… gar nicht zu reden vom 30l Warmwasser fassendem Boiler für 9 Personen. Trotzdem fühlt es sich irgendwie gut an, die Ansprüche zurück zufahren.

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Ein gelber Feuerball, der sich zunehmend ins rötliche verfärbt. Langsam versinkt er dabei im ruhig daliegenden, tiefblauen Nass. Uneingeweihte bezeichnen dieses Spektakel oft – völlig unzureichend – einfach nur als «Sonnenuntergang am Meer».

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Wir besuchen den Tag der offenen Tür bei der dänischen Marine. Mit einem seltsamen Gefühl, denn auf dem Stützpunkt kann man sich erstaunlich frei bewegen und es fühlt sich eher an, wie in einer Jugendherberge. Überall sind Dinge ausgestellt: Taucherausrüstungen, Seemienen, Waffen, Drohen, ein Hubschrauber und Kanonen. Letztere sind hier fest an Land montiert, zu Übungszwecken. Man kann fast alles anfassen und bekommt auch als Ausländer freundliche Auskünfte. Und zum Abschluss gibt es noch eine Vorführung von Maschinengewehren und Kanonen. Echt laut, aber ziemlich eindrücklich… und gefühlt sehr familiäre Veranstaltung.

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Zeit ist, wie wir seit Einstein wissen, relativ. Und hier hat sie eher relativ wenig Bedeutung. Man lebt ohne genaue Uhrzeit, Pi mal Sonnenstand sozusagen. Deshalb hängen im Haus auch praktisch keine Uhren, denn sie sind einfach überflüssig.

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“Hey guck mal, was liegt denn da im Straßengraben?” Komisch, da liegt ganz viel unachtsam weggeworfenes Papier. Ich denke an Abfall und ärgere mich darüber. Trotzdem halten wir an und betrachten uns das aus der Nähe. Dann der Schreck: Das ist gar kein Müll! Da liegen Dokumente, Schlüssel, Medikamente und ein paar Meter weiter etwas das aussieht wie ein Safe… Kurz ringe ich mit mir und wähle dann nervös den Notruf. Erst versuche ich es auf Englisch, aber der Mensch am.anderen Ende der Leitung schlägt schnell vor auf Deutsch zu wechseln. Ich erkläre die Situation und werde gebeten zu warten, bis ein Streifenwagen eintreffen würde.

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Natürlich ist die Ostsee ein Meer. Aber oft fühlt sie sich vom Strand aus nicht wirklich so an, denn da wo man sich große, wuchtige Wellen vorstellen würde, plätschert es meistens eher schwunglos vor sich hin. Für Familien mit kleinen Kindern ist das natürlich super, aber für größere Menschen dagegen etwas langweilig.
Aber nicht immer! Es gibt sie auch, die Tage mit eigentlich schlechtem Wetter, die dann meterhohe Wellen mit sich bringen… Und glaubt mir: es ist wirklich ein Spaß sich in diese Wellen zu werfen! (Auch wenn sie einen dann einfach umhauen.)

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Nach ungefähr 20 Minuten ist es soweit. Ein Kommissar wie aus dem Fernsehen steigt aus seinem Streifenwagen und lässt sich von mir die Situation nochmals erklären. Er ist dabei erstaunlich freundlich und sehr herzlich. Dann beginnen er und sein Kollege mit der Spurensicherung – mit Handschuhen und Mundschutz! Während sie Abstriche von dem Haufen nehmen erklären sie uns auf Nachfrage, es hätte einen Einbruch bei der Kommune gegeben. “Eigentlich hätte ich voll Lust, wie die drei Fragezeichen diesem Einbruch hinterher zu recherchieren… Ist doch alles irgendwie ziemlich merkwürdig!” Aber wir haben Urlaub, deswegen fahren wir zum Hafen und essen stattdessen ein Softeis.

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Kopenhagen. Eine dänische Großstadt, mit den üblichen Annehmlichkeiten und Ärgernissen… es ist erstmal laut, voll, ja fast ein wenig dreckig. Dafür sieht man viele Radfahrer auf den schönen breiten Radwegen. Aber insgesamt ist das Publikum vergleichsweise jung und sehr gemischt. Und grade innerhalb der Innenstadt kann man fast alle Sehenswürdigkeiten fußläufig erreichen. Mit der Zeit bemerkt man den angenehmen Charme der Stadt und ihrer Bewohner. Wir bekamen z.B. schnell Hilfe angeboten, als wir mehrmals in der Metro verwirrt dastehen. Und hier leben viele Familien mit Kindern, es gibt viele Parks und ganz vielfältige Gegenden. Mir jedenfalls hat es sehr gefallen!

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Neben vielen Vorteilen bringt die Globalisierung natürlich auch den Nachteil, dass man auch im Urlaub die selben Marken kaufen kann, wie Zuhause. Das ist echt Schade, so verlieren nämlich die Regale einen großen Teil ihrer Anziehungskraft.

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Außerdem besuchten wir auch Christiania, eine Stadt in der Stadt. Und ich weiß nicht recht, wie ich das beschreiben soll… Es wirkt wie ein sehr lebendiger Ort, der einen eindrücklichen linken Charme versprüht. Ein wenig erinnert es an ein Township, aber ohne die latente Angst in die falsche Gasse abzubiegen. Wir gehen in richtige Läden, vorbei an Restaurants, sehen die Müllabfuhr und es fühlt sich an, wie in einer eigenen (besseren?) Welt. Dafür ist es schier Atemberaubend, als wir im «Greenlight-District» in die Stände der “Händler” schauen. Bergeweise Gras. Bergeweise! Uff… Und das mitten in einer europäischen Hauptstadt. Erstaunlich tolerant diese dänischen Menschen bzw. ihr Staat. Leider waren wir ohne ortskundige Menschen unterwegs, weshalb wir uns einen zukünftigen Besuch hier im Freistaat fest vornehmen.

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Beim Radfahren fällt auf: Die meisten Dänen fahren sehr umsichtig und nur mit großem Abstand an uns vorbei. Obwohl es natürlich auch die üblichen 1% Idioten gibt… Dafür läuft der Verkehr viel entspannter als in Deutschland. Und weil das Land eigentlich relativ leer ist kann man oft auch sehr lange fahren, ohne wirklich einem menschlichen Wesen zu begegnen. Das erlaubt einem einen ungeahnt ungestörten Genuss von Flora und Fauna.

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Fähre fahren: Ein Erlebnis, das einem in Deutschland eher selten über den Weg läuft. Und das zumindest in meiner Wahrnehmung ähnlich exotisch ist wie das fliegen. Nur irgendwie gemütlicher. Umso faszinierender ist es, zu sehen wie die Fähre für Dänen ein ganz normales Verkehrsmittel darstellt – so wie für uns z.B. ein Bus. Natürlich verwundert es eigentlich nicht wirklich, denn wer viele kleine Inseln hat, der ist letztendlich auf Fähren angewiesen. Aber es ist schön zu sehen, das viele der kleinen Fähren immer noch nicht durch Brücken ersetzt worden sind. Denn sie entschleunigen und verpassen dem Leben in den Häfen einen ganz eigenen Takt.

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Der Däne als solcher, isst übrigens offensichtlich gerne Würstchen. Mit Brötchen. Oder Pommes. Oder so ähnlich, aber in diversen Formen. Da fällt die Auswahl wirklich schwer. Auch die Auswahl, des Imbisses. Denn die kann man gefühlt an jeder dritten Straßenecke finden. (Und das Ganze lässt sich eigentlich auch 1:1 auf Softice übertragen.)

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Schön wars. Wirklich.

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Birds of Eden – Garden Route

 Dieser Beitrag ist Teil 7 von 7 in der Serie Garden Route

Direkt gegenüber, eine Art Garten Eden. Für Vögel.

Grade eben noch waren wir auf dem Parkplatz vor den Toren von Monkeyland. Jetzt gehen wir entlang von Blumen und Sträuchern auf ein Waldstück zu, dass von einer Art Netz umgeben ist, dass an vielen sehr großen Stützen aufgehängt ist. Der Eingang ist ein kleines Holzhaus, dass uns nicht nur zufällig an Monkeyland erinnert. Wir betreten es, zeigen unser Kombiticket (wie praktisch!) vor und wollen nun unsere nächste Station “Birds of Eden” betreten. Begrüßt werden wir übrigens erneut von Schildern, die uns davor warnen dass Vögel großen Gefallen an Schmuck finden würden und dazu auffordern bitte keine Flamingos oder andere Einwohner des Parks mitzunehmen.

Freundliches Hinweisschild am Eingang

Freundliches Hinweisschild am Eingang

Wie Monkeyland ist auch Birds of Eden ein ganz besonderer Park, denn auch hier stammen die fliegenden Bewohner praktisch alle aus Käfighaltung. Und damit diese nicht einfach so wegfliegen können, aber trotzdem genug Platz haben, wurde hier die größte Voliere der Welt errichtet. Sie ist knapp 2,3 Hektar groß und wurde errichtet indem ein engmaschiges Netz über 28 Stahlmasten mitten in einem Stück Urwald gespannt wurde. Dadurch steht den Vögeln ein etwa 375.000 m³ großes Reich zur Verfügung, durchflossen von mehreren Bächen, mit Wasserfall, einem See und wahnsinnig viel dichter Vegetation. Und es sieht in echt noch viel beeindruckender aus, als auf dem Bild.

Erster Eindruck von innerhalb der Voliere

Erster Eindruck von innerhalb der Voliere

Hier gibt es (glücklicherweise?) keine geführte Tour, sondern einen knapp 1,2 Kilometer langen Laufsteg, auf dem die Besucher selbstständig alles erkunden dürfen. Wir wurden sogar extra drauf hingewiesen, dass wir uns dafür so viel Zeit nehmen dürften, wie wir wollen. Und so machen wir uns auf den Weg. Der Holzsteg führt uns zunächst in großer Höhe fast durch die Baumkronen – und überall sind Vögel zu sehen und vor allem zu hören. Kein Wunder, denn hier leben über 3.000 Vögel aus über 220 Arten.

Faszinierende Vögel, hautnah im Urwald erlebt.

Entlang des Holzsteges sind immer wieder an Auslegern kleine Futterstationen platziert. Sodass sich dort immer wieder kleine Horden von allen möglichen Vögeln platz nehmen um sich mit Körnern, Wasser, oder beidem zu stärken. Dadurch sieht man als Besucher immer wieder neue Arten aus der Nähe, obwohl die meisten Vögel immer noch scheu genug sind und schnell das Weite suchen, wenn man zu nah kommt. Wir gehen einige Schritte, machen Fotos, oder bleiben einfach nur so stehen und betrachten. Wir sehen wilde Tauben, Kakadus, diverse kleine Papageien und viele mehr!

Ihn haben wir leider vom Balzen abgehalten

Ihn haben wir leider vom Balzen abgehalten

Inzwischen ist der Holzweg fast auf dem Bodenniveau angekommen und wir hören es im Unterholz rascheln. Wir schauen herunter und sehen einen relativ großen, gelb-orangen Vogel am Ufer eines kleinen Baches herumstolzieren, was irgendwie fehl am Platze aussieht. Belustigt gehen wir weiter und bleiben nach einer Kurve verzückt stehen: Ein weiterer dieser Vögel steht mitten auf dem Holzweg und balzt ein Weibchen an, dass oben auf dem Geländer des Holzstegs sitzt. Offenbar stören wir die beiden und das Weibchen macht sich schnell aus dem Staub, aber von dem Männchen können wir glücklicherweise ein paar tolle Fotos machen!

Der kleine Mohrenkopfpapagei

Der kleine Mohrenkopfpapagei

Eine weitere kleine Überraschung für uns stellt ein kleiner Mohrenkopfpapagei (der heißt leider wirklich so!) da. Eigentlich wollten wir nur ein paar Fotos von ihm machen, doch er hat andere Pläne: Er findet uns so spannend, dass er mit verzückten Lauten zu uns kommt. Als wir darauf mit nachgeahmten Rufen von Nymphensittichen reagieren, lässt er keine Ruhe mehr. Letztendlich entschließt er sich sogar dazu, über meine Arme auf den Rücken zu laufen und es sich dort gemütlich zu machen. Ein sehr schönes Erlebnis, auch wenn man schnell vergisst wie spitz Krallen und Schnabel von Papageien sind – offenbar schmeckte ich so gut, dass man mich diverse Male probieren musste!

Auf Tuchfühlung mit einem Gelbbrustara

Auf Tuchfühlung mit einem Gelbbrustara

Ein ganzes Stück weiter auf unserem Weg sehen wir zwei Aras, die aber so weit oben auf einem Baum sitzen, dass wir sie kaum erkennen können. Ein paar Meter und einige kunterbunte kleine Vögel weiter auf dem Holzsteg, sehen wir dann einen Gelbbrustara – endlich! Er ist grade dabei eine Mahlzeit aus einer Futterstation zu sich zu nehmen und stört sich kaum an unserer Anwesenheit. Und ich bin beeindruckt. Dieser Vogel hat ein faszinierendes Gefieder und ist einfach unglaublich groß – der Schnabel macht mir fast schon Angst. Als wir weitergehen wollen verfolgt und plötzlich der Ara und mir fällt auf, dass mein oranges T-Shirt vielleicht eine blöde Farbwahl für diese Tour war.

Es wird nass. Willkommen in der Welt der Wasservögel!

Die Vegetation ändert sich, wir kommen nun in die Nähe eines kleinen Sees und der Holzsteg geht nahtlos über in einen gepflasterten Weg. Begrüßt werden wir von zwei Gänse, die wie Wachen mitten auf dem Weg stehen und ankommende Besucher skeptisch betrachten. Kurze Zeit sind wir ratlos, aber als die Gänse sich überhaupt nicht rühren entschließen wir uns darum, einfach einen großen Bogen um sie zu gehen. Und tatsächlich, es stört die beiden “Wachen” nicht, als wir in gebührendem Abstand über das Gras an ihnen vorbei schleichen. Aber sie bleiben wachsam stehen.

Zwei Enten bewachen den weiteren Weg

Zwei Enten bewachen den weiteren Weg

Hier bekommen wir nun auch verschiedenste Wasservögel zu Gesicht. Unter anderem Flamingos, denen wir einige Zeit interessiert beim Putzen und Essen zusehen. Irgendwie sehen sie ja schon ziemlich lustig aus, mit ihren krummen Schnäbeln und den irrsinnig langen schlacksigen Beinen. Und im Gegensatz zum Besuch eines Zoos habe ich hier irgendwie ein besseres Gefühl. Klar sind die Tiere letztendlich immer noch eingesperrt in einer großen Voliere, aber es ist eben eine sehr große Voliere mit wirklich viel Platz. Und können – sofern ihre Flügel nicht in der Käfighaltung gestutzt wurden – frei herumfliegen.

Zwei Flamingos im Wasser

Zwei Flamingos im Wasser

Neben den Flamingos gibt es aber noch mehr, unter anderem Perlhühner (aber die Bilder erspare ich euch…) und andere irrwitzige Tiere, die ich nie zuvor gesehen habe. Unter anderem den lustig aussehenden Knysna Lourie. Aber es würde leider den Rahmen völlig sprengen, wenn ich die hier alle aufzählen würde… :-( In dem kleinen See kurz vor dem Ausgang finden wir dann noch viele kunterbunte Mandarinenten, deren Gefieder in den schönsten Farben leuchten. Ehrlich gesagt finde ich dagegen unsere heimischen Enten fast ein wenig langweilig! In dem See voller Enten befindet sich eine kleine Plattform mit großen Metallschildern, zur Information denken wir und laufen zügig dorthin.

Eine kunterbunte Mandarinente

Eine kunterbunte Mandarinente

Aber Pustekuchen, auf den Schildern sind nur große Abbildungen von Fastfood die im nahen Restaurant verspeist werden können. Wir sind offenbar wieder zurück in der “Zivilisation” und tatsächlich ist der Ausgang nicht mehr weit. Aber nach dem wir bald 2 Stunden in der Voliere unterwegs waren können wir sie ruhigen Gewissens verlassen. Es war eine echt schöne Zeit und wir haben vorher noch niemals so viele faszinierende Vögel in einem so natürlich wirkenden Lebensraum gesehen. Allerdings war es schade, dass wir uns kein Informationsheft gekauft haben, dann hätten wir die Vögel wahrscheinlich besser identifizieren können… Geschafft gehen wir zurück zum Parkplatz.

Verabschiedung durch eine Entenfamilie, kurz vor dem Ausgang

Verabschiedung durch eine Entenfamilie, kurz vor dem Ausgang

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Monkeyland – Garden Route

 Dieser Beitrag ist Teil 6 von 7 in der Serie Garden Route

Angekommen im Land der Affen

Wir befinden uns wieder auf der N2 und fahren weiter Richtung Osten, vorbei an Keurboomstrand. Und ich bin immer wieder aufs neue völlig fasziniert von der Landschaft hier. Ein wenig erinnert es an Europa, wegen der vielen Bäume, aber es wirkt viel urtümlicher. An einer Tankstelle biegen wir ab, viele Leute sind hier unterwegs und laufen in langen Schlangen an der Straße entlang. Die Erklärung dafür folgt auf dem Fuße, denn unsere Fahrt geht weiter, über eine schale Straße, vorbei an einem Township. Und schließlich erreichen wir den großen Parkplatz unseres Ziels: Monkeyland.

Kapuzineräffchen mit Kind

Begrüßung: Kapuzineräffchen mit Kind

Es ist immer wieder merkwürdig, dieses Südafrika. Nicht einmal einen Kilometer weit entfernt von hier liegt ein Township, aber dieser Parkplatz fühlt sich an, wie in Mitteleuropa. Wir lassen unsere Sachen im Auto und betreten durch eine Art Schleuse den Park. Der Fußweg führt uns einige Meter durch den dichten Urwald, bis wir an zwei Holzhäusern ankommen. Und hier ist einiges los, einige Affen klettern an den Häusern entlang und gucken sich interessiert die Besucher an – wahrscheinlich hoffen sie auf etwas essbares.

Interessantes Hinweisschild am Eingang

Interessantes Hinweisschild am Eingang

In einem der Häuser kaufen wir unsere Tickets und müssen dann noch einige Minuten auf den Beginn unserer geführten Tour warten. Schon dabei bekommen wir einige der Affen zu Gesicht. Und wir verstehen das oben abgebildete Schild, denn den Affen scheint sehr wohl klar zu sein, dass wir Menschen viele leckere und interessante Gegenstände mit uns führen. Dann geht die Tour los, wir sind etwas mehr als ein Dutzend Teilnehmer und unser Guide Sirgeon führt uns mitten durch den Urwald. Und überall um uns herum raschelt es, fast so als wären wir unter ständiger Beobachtung. Von wem wohl?

Affe auf Futterplattform

Affe auf Futterplattform

Wir folgen einigen ausgetretenen Pfaden und kommen an einer kleinen Lichtung an, auf der eine etwa einen Meter hohe Plattform in einer Art Sandkasten steht. Unser Guide erklärt uns, hier würden die Affen ihre Nahrung erhalten. Zu den Essenszeiten würde hier vor allem Obst in verschiedensten Varianten auf die Plattformen gelegt und die Affen kämen dann von Zeit zu Zeit vorbei und würden sich einfach bedienen. Mit dem positiven Nebeneffekt, dass die Besucher sie dadurch leicht zu Gesicht bekommen können.

Mit offenen Augen durch den Urwald laufen

Von unserem Guide bekommen wir erklärt, dass Monkeyland so eine Art Tierheim für Affen ist. Hier werden ehemals eingesperrte Affen aufgenommen und durchlaufen einen Prozess der Auswilderung. Sodass sie sich dann am Ende auf dem 23 Hektar großen Gelände des Parks frei bewegen können und damit hier auf fast natürliche Weise leben. Die Führungen von Besuchern und Merchandising würden dem Park dabei helfen, den Betrieb aufrechtzuerhalten. Außerdem möchte man die Besucher dazu animieren, über deren Beziehung zu Affen nachzudenken.

Schildkröte im Unterholz

Schildkröte im Unterholz

Aber nicht nur Affen gibt es hier in Monkeyland zu Entdecken, sondern unter anderem auch ziemlich große Schildkröten, die sich hier mit atemberaubend geringer Geschwindigkeit durch das Unterholz bewegen. Und auch viele Vögel umgeben uns, es fühlt sich an, wie ein wirklich lebendiger Lebensraum – und wir sind mitten drin. Unsere Tour besteht aus kurzen Wegen von 2 – 5 Minuten durch den Urwald, unterbrochen von Stopps an interessanten Punkten. Diese Punkte sind meistens Lichtungen, mit den schon weiter oben von mir beschriebenen Plattformen. An diesen Stellen sind in der Regel verschiedene Affenarten zu sehen, zu denen unser Guide uns einige Fakten erklärt – unter anderem zu Lebensweise, Ernährung, Familienstruktur, oder sonstigen Besonderheiten.

Gibbon in den Baumkronen

Gibbon in den Baumkronen

Wir erfahren viele neue Dinge vor allem über die Unterschiede zwischen Affen (engl. Monkeys) und Menschenaffen (engl. Apes). Und wir bekommen immer wieder verschiedenste Arten zu Gesicht, kein Wunder denn auf dem Gelände leben laut Guide etwa 400 Tiere aus 16 Tierarten. Unter anderem Bärenpaviane, Kapuzineräffchen und auch Gibbons. Alle sind auf ihre Art spektakuläre Tiere, vor allem aber ein männlicher Gibbon namens “Atlas” ist eindrucksvoll: Er springt in hohem Tempo von Ast zu Ast und singt dabei in großer Lautstärke sein Lied – um Weibchen anzulocken. Für menschliche Ohren fast schon unangenehm laut, aber zu unserem Glück findet er Menschen doof.

Die berühmte Hängebrücke

Die berühmte Hängebrücke

Nun geht es weiter über eine 128 Meter lange Hängebrücke – laut Guide die längste Hängebrücke ihrer Art in Südafrika – wobei wir quasi durch die Baumkronen gehen. Eigentlich eine schöne Idee um in den Bäumen sitzende Affen zu entdecken, denn vom Boden aus kann man die sehr schlecht erkennen, aber leider bekommen wir keine zu Gesicht. So ist es nur ein Gänsemarsch mit von unserem Guide vorgeschriebenen Abstand über eine wackelige und klapprig anmutende Hängebrücke zwischen den Ästen.

Erstaunliche Anblicke

Es ist schwierig den Eindruck zu beschreiben, aber es ist immer wieder völlig faszinierend die diversen Affenarten aus der Nähe und in der “Natur” betrachten zu können. Denn man erkennt erstaunlich oft – oder meint es zumindest – menschliche Züge in unseren nähsten Verwandten, wie unser Guide immer wieder betont. Das sind vor allem Kleinigkeiten, sowas wie die winzigen Fingernägel der Totenkopfäffchen, die denen von kleinen Kindern extrem ähnlich sind.

Totenkopfäffchen aus der Ferne

Totenkopfäffchen aus der Ferne

Beeindruckend ist auch die Faszination, mit der uns einzelne Affen immer wieder betrachten, oder in unsere Nähe kommen. Wobei unser Guide uns als Gruppe ermahnt, den Tieren nicht zu nahe zu kommen, da sie nicht immer so friedlich wären wie sie auf uns wirken würden. Dann erzählt er uns Anekdoten davon, wie Besucher im Park unter anderem Handtaschen, Handys, Haarbüschel und vor allem Nahrungsmittel eingebüßt hätten. Erstaunlich… die Affen sehen doch sooo süß und friedlich aus…

Und Totenkopfäffchen aus der Nähe

Und Totenkopfäffchen aus der Nähe

Dann sehen wir tatsächlich noch einen Lemur im Baum hängen und fühlen uns an Madagascar erinnert. Zum Abschluss bekommen wir noch eine kurze Führung zu den einzigen Käfigen auf dem Gelände, in denen befinden sich Affen die auf ihre Auswilderung vorbereitet werden und sich derzeit noch akklimatisieren müssen. Hierzu erklärt unser Guide uns noch einige Fakten zu diesem Prozess, wobei wir ehrlich gesagt nach über 1,5 Stunden Führung durch den Urwald nicht mehr so ganz aufnahmefähig sind.

Lemur auf einem Ast

Lemur auf einem Ast

Schließlich erreichen wir wieder die Holzhäuser und unsere Führung endet – wie war es auch anders zu erwarten – im Souvenir Laden. Wir sind insgesamt sehr begeistert und verlassen Monkeyland wieder zufrieden durch die Schleuse. Auf dem Parkplatz schauen wir kurz am Auto nach dem Rechten und stärken uns kurz. Denn unsere nächste Station ist nur wenige Meter entfernt, davon werde ich aber erst im nächsten Beitrag berichten! :-)

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Safari im Wildlife Reserve – Garden Route

 Dieser Beitrag ist Teil 4 von 7 in der Serie Garden Route

Auf dem Weg in die Wildnis

Der Tag in Plettenberg Bay verlief mehr oder weniger unspektakulär, wir haben uns erstmal die Stadt angeschaut. Viel aufregendes war dabei nicht zu entdecken, es ist halt ein kleines Städtchen am Hügel über dem Wasser. Zwar nicht besonders schön, aber immerhin kann man von fast überall aus das Meer sehen! In einem Supermarkt haben wir uns mit dem Nötigsten eingedeckt und verbringen dann im schönen Garten des Hostels den Nachmittag mit ausruhen. Denn zum Abend hin gehen wir auf eine Safari.

Die Fahrt im Jeep ins Gelände

Die Fahrt im Jeep ins Gelände

Eine ganze Weile lang fahren wir über immer schmaler werdende Straßen, bis wir auf einem Feldweg enden. Zwar haben wir unterwegs etwas gezweifelt an der Geländegängigkeit unseres Autos, aber schlussendlich erreichen wir die Lodge des Plettenberg Game Reserves. Insbesondere ein Schild das uns vor Nashörnern auf dem Weg warnte, machte uns etwas skeptisch! Aber beim Aussteigen begrüßen uns dann erstmal ein paar neben dem Parkplatz grasende Zebras. Unser besonderes Glück: Wir zwei waren alleine mit einem Ranger unterwegs, hatten also quasi eine private Tour.

Der Erste Kontakt

Während der Ranger mit seinem Jeep – der sicherlich schon bessere Tage gesehen hatte – uns uns in das Gelände hinaus fuhr, fütterte er uns mit ein paar Fakten über das Gelände: mehr als 2200 Hektar Fläche, mehr als 35 Tierarten, die alle so frei und natürlich wie möglich leben sollen. Und noch während er uns davon erzählt, welche Tierarten einem hier so begegnen können, sehen wir – nach etlichen Zebras – das erste Nashorn. Mit dem Jeep fahren wir bis auf wenige Meter heran, schauen und hören dem Breitmaulnashorn beim friedlichen grasen zu. Und der Ranger erklärt uns nebenbei vieles rund um Nashörner.

Das grasende Breitmaulnashorn

Das grasende Breitmaulnashorn

Die Erklärungen des Rangers schaffen in uns einen gewissen Respekt vor diesem Tier, auch wenn es beim grasen nicht sehr bedrohlich wirkt. Das Horn wurde hier im Park abgetrennt um zu verhindern, dass dieses Tier innerhalb des Parks von Wilderern getötet wird – was schon vorgekommen ist. Die Fahrt geht weiter – vorbei an noch mehr Zebras – hin zu einem extra abgezäunten Bereich. Es sieht fast aus wie in Jurassic Parc, nur in der südafrikanischen Variante, die Tore hier werden vom Ranger von Hand bewegt. Hier wohnen allerdings keine Dinosaurier, sondern zwei Löwen. Immerhin. 😉

Der Löwe sonnt sich

Der Löwe sonnt sich

Im Gegensatz zu grade eben, ist der Ranger diesmal etwas angespannter. Er lässt auch deutlich mehr Abstand zu den beiden Löwen, die sich grade zu sonnen scheinen. Nachdem er sich mit einem Feuerlöscher bewaffnet hat – macht viel Krach und Nebel, tötet aber nicht – erklärt er uns einiges zu den Löwen. Wir sind total fasziniert von diesen Tieren, die trotz allem immer noch an Hauskatzen erinnern. Spüren aber auch die Gefahr: Spitze Zähne, scharfe Krallen und dann noch die Augen die uns sorgfältig gemustert hatten… Puh! Alleine für diese knapp 15 Minuten lange Begegnung hatte sich die Safari schon gelohnt.

Irgendwann musste ich eins fotografieren...

Irgendwann musste ich eins fotografieren...

Rückwärts fahren wir wieder zurück in das normale Gelände, die Löwen lassen wir zurück. Denn das Gelände ist nicht groß genug um die Löwen aus dem Bestand der restlichen Tiere zu ernähren, erklärt uns der Ranger auf dem weiteren Weg. Es ist ein wahnsinnig weitläufiges und beeindruckendes Gelände, man kommt sich als Gast vor, als wäre man wirklich mitten innerhalb der Wildnis. In mir kommt ein Afrikagefühl auf, wie aus dem Bilderbuch, oder aus Filmen wie Hatari!. Einfach nur schön… :-)

Irgendwelche Antilopen

Irgendwelche Antilopen

Neben den großen, jedem bekannten, Wildtieren gibt es hier auf dem Gelände noch eine Vielzahl von Antilopen. Es war schwer sich die vielen einzelnen Namen zu merken, noch dazu auf Englisch, aber unser Ranger erklärte uns immer wieder verschiedene interessante Details zu den Tieren. Da wir uns auf der letzten Tour des Tages befanden, und es sich langsam etwas abkühlte, waren die Tiere einigermaßen aktiv und es gab viel zu sehen. Auch wenn es schwer fällt, die Eindrücke abzulichten, denn die Tiere bewegen sich dafür zu viel und zu unberechenbar. Obwohl wir oft bis auf wenige Meter rankommen.

Gefährliche Schönheit

Eine unserer Beobachtungen, noch während dieser Tour, ist, dass einem die Gefahren der Wildnis meistens nicht auffallen. Wahrscheinlich eine völlig triviale Erkenntnis, die einem als europäischem Stadtmenschen aber nicht unbedingt bewusst ist. Markantes Beispiel dafür ist ein friedlich aussehendes Wasserloch, der Ranger stoppt den Jeep hier und wir sehen zunächst nur ein einzelnes Krokodil auf dem Gras liegen. Dann zeigt uns der Ranger weitere Krokodile, die hier überall rund um das Wasserloch und kaum sichtbar rumliegen. Allerdings sehen sie zwar gefährlich, aber nicht sonderlich aufmerksam aus.

Das Krokodil auf dem Weg ins Wasser

Das Krokodil auf dem Weg ins Wasser

Der Ranger wirft nun ein Stück Fleisch in die Nähe des Krokodils, doch es passiert erstmal nichts. Dann ganz plötzlich und ohne Vorwarnung schnappt sich das Krokodil erst das Fleisch, läuft dann zum Wasserloch und taucht unter. Einmal noch taucht es auf, wirft das Stück Fleisch in die Höhe und zerkaut es dann im Wasser weiter. Man kann sich mit Leichtigkeit ausmalen, was wohl passiert wenn ein Mensch durch das Schilf an einem Wasserloch streift und rein zufällig in die Nähe eines Krokodils gerät. Mit diesem Eindruck geht es nun weiter, durch einen kleinen Wald auf eine Anhöhe.

Afrikanische Büffel beim fressen

Afrikanische Büffel beim fressen

Oben auf dieser Anhöhe futtert eine Gruppe afrikanischer Büffel genüsslich das Gras. Ein wenig erinnern sie uns an einfache Kühe, wäre da nur nicht dieses riesige Horn. Dieses Horn, so erklärt uns der Ranger, kann nicht von einer Gewehrkugel durchschlagen werden. Und es wäre ein leichtes für einen einzelnen Büffel unseren Jeep aufzuschlitzen und umzuwerfen. Zum Glück bleibt uns das erspart, obwohl es mir auch hier wieder – Bambi-Syndrom sei dank – schwer fällt die Schönheit der Natur mit den mehr oder weniger verborgenen Gefahren unter einen Hut zu bringen.

Eine Giraffe guckt uns an

Eine Giraffe guckt uns an

Nach den Büffeln fahren wir einige Zeit scheinbar ziellos durch die Gegend und der Ranger bespricht sich über Funk mit seinen Kollegen. Er sucht ein bestimmtes Tier, eine Giraffe. Nun sollte man meinen, diese könnte sich dank ihrer Größe eher schlecht verstecken, aber es dauert sehr lange bis wir endlich eine gefunden haben. Wirklich beeindruckende Tiere, einfach nur Groß, die erstaunlich laut fressen. Wir hatten uns grade satt gesehen und wollen die Giraffe in Ruhe weiterfressen lassen, da läuft sie los. Und weil sie so groß ist, wirkt es fast wie in einer Zeitlupe. Atemberaubend… das hat mich echt fasziniert.

Der Rückweg zur Lodge

Nun befinden wir uns in einem großen Bogen auf dem Rückweg zur Lodge, wo unsere Safari begonnen hatte. Unterwegs begegnen wir noch einer Nashornmutter mit ihrem Kind, einer Herde Gnus, schon wieder ein paar Zebras. Schließlich erreichen wir einen kleinen Fluss, oder ein sehr langes Wasserloch, wie auch immer. Wir erfreuen uns grade wieder einmal an dem malerischen Anblick, da erklärt uns der Ranger das wir nun das gefährlichste Tier Afrikas vor uns haben. Nur ist keins zu sehen, bis uns der Ranger auf das Wasser hinweist. Dort kann man tatsächlich Teile des Kopfes von Flusspferden sehen.

Malerisches Flussbett

Malerisches Flussbett

Wieder einmal reingefallen! Außer den Ohren und ein paar Augen ist von den Flusspferden nicht viel zu sehen, dafür erzählt uns der Ranger umso mehr über das Leben und die Gefahren der Flusspferde. Wahrscheinlich würde man als ahnungsloser Mitteleuropäer kaum einen Tag auf sich alleine gestellt in der afrikanischen Wildniss überleben. Mit dieser Erkenntnis setzen wir unsere Fahrt vor, als plötzlich drei weitere Nashörner vor uns auf der Straße laufen. Sie bleiben nicht stehen, unser fahrender Jeep scheint sie anzutreiben.

Nun fahren wir durch das weitläufige Gelände zurück, während die Sonne langsam untergeht. Ein Anblick, der sich kaum beschreiben lässt und die Bilder geben leider auch nur den Hauch einer Idee… Und dann nach zwei oder drei Stunden, erreichen wir wieder die Lodge und verlassen den Jeep. Die gesamte Rückfahrt über sind wir zutiefst beeindruckt von den Eindrücken von der Safari. Die diversen Tiere, die man nur aus dem Fernsehn oder dem Zoo kannte, hatte man nun aus nächster Nähe sehen können.

Grade so vor dem Sonnenuntergang sind wir zurück in Plettenberg Bay, was nun – wie alle südafrikanischen Städte bei Nacht – im wesentlichen verlassen aussieht. Auf einen Tipp des Besitzers des Hostels hin kaufen wir uns noch eine wirklich leckere Pizza in der Nähe der Minitaxi-Stände. Zurück im Hostel haben wir noch kurz mit anderen Gästen gequatscht und sind dann todmüde ins Bett gefallen und eingeschlafen. Denn schon morgen wird es für uns weitergehen, auf der Garten Route!

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Adventure Tour Knysna – Garden Route

 Dieser Beitrag ist Teil 2 von 7 in der Serie Garden Route

Ein Morgen im Hostel

Es ist warm, immer noch. Trotzdem beginnt langsam das Leben im Hostel, die ersten müden Gestalten laufen durch die Flure. Man braucht etwas Glück um einen Platz im Bad zu ergattern, denn alle Gäste wollen Zähneputzen, Duschen, oder auch nur auf die Toilette. In der Küche geht es dafür am spartanischen Buffet gemütlich zu, in allen Ecken arbeiten Gäste an ihrem Frühstück und setzen sich damit nach draußen auf die Terrasse mit Blick über Stadt und Lagune. Man kommt man ganz selbstverständlich mit den Anderen ins Gespräch und tauscht sich über Herkunft, Erfahrungen und Ziele aus.

Das Knysna Backpackers

Blick auf das Knysna Backpackers

Nach dem Frühstück studieren wir die ausliegenden Prospekte um die Aktivitäten für die nächsten Tage zu planen. Für den heutigen Tag entscheiden für uns für eine Tour mit dem “Adventure Center Knysna“, die Besitzerin des Hostels organisiert den Trip freundlicherweise per Telefon für uns. Es dauert nicht lange dann kommt unser Guide “John”, ein großgewachsener sportlich-braungebrannter Typ mit kahlem Kopf. Und in seinem heruntergekommenen weißen VW Bus geht es los – jeder TÜV Mitarbeiter wäre Tod umgefallen. Nach 20 Minuten abenteuerlicher Fahrt kommen wir an, im Urwald.

Willkommen im Dschungel

Wir befinden uns im Harkerville Forest, im wahrsten Sinne des Wortes ein Urwald. Außer der mitten durch den Wald geschlagenen Schotterpiste und einer etwas größeren Lichtung für einen Parkplatz mit Braaiflächen gibt es nur wahnsinnig dichten Wald. Beeindruckend ist alleine schon der Ausblick auf sehr dichte Vegetation, trotz meines sehr guten Orientierungssinnes wäre ich darin – ohne John – mit Sicherheit total verloren… Nach einer kurzen Warnung vor allerlei giftigen Tieren geht es dann los, in den Dschungel.

Dichte Vegetation im Urwald in Südafrika

Dichte Vegetation im Urwald in Südafrika

Wir laufen durch den Urwald, ich bin einfach nur sprachlos angesichts der Intensität der Vegetation. Überall um uns herum sind unbekannte Bäume, Büsche, Pflanzen die wild durcheinander wachsen. Wir halten immer wieder an und John erklärt uns etwas: Die Besonderheit einer Pflanze, wo welche Insekten und Tiere zu finden sind, oder die bewegte Geschichte dieses Urwalds. Hier hat es sogar lange Zeit freilebende Elefanten gegeben, was angesichts der Dichte der Vegetation unvorstellbar wirkt. Heute gibt es nur noch weniger als eine Hand voll Elefanten, die hier ihre Runden ziehen – immerhin: noch gibt es sie.

Kleiner Bach mit Wasser wie Tee im Urwald

Kleiner Bach im Urwald

Mitten im Wald kommen wir zu einem kleinen Bach, in ihm fließt Wasser das aussieht wie Tee – am ehesten (wie passend) Rooibos. John erklärt uns, das die Farbe durch die viele Mineralien entsteht und zeigt uns das man das Wasser ohne Gefahr trinken kann. Schließlich erreichen wir den steinigen Strand, an dem wir eine längere Pause machen. Wir klettern über die Felsen, betrachten die Muscheln, die Landschaft und die Brandung des indischen Ozeans. Dann geht es weiter, wir klettern mitten in der Sonne wieder hoch zum Parkplatz des VW Bus und sehen dabei ein atemberaubendes Panorama der Küste.

Blick auf die Felsen an der Küste in Knysna

Blick auf die Felsen an der Küste in Knysna

Auf unserem Weg sind wir durch ein Tal gelaufen, weil wir uns die ganze Zeit mitten im Urwald befanden war es trotz des Sonnenscheins angenehm kühl und schattig. Nun befinden wir uns eher in einer Art Heidelandschaft und wir kommen ganz schön ins Schwitzen. Endlich erreichen wir das Auto, stärken uns kurz und fahren dann los: Nach Concordia, dem Township von Knysna. Noch im Urwald sehe ich das erste mal eine Gruppe wilder Paviane, die allerdings scheu sind und bei unserem Anblick schnell verschwinden.

Die Townshiptour

Die erste Hälfte des Tages ist vorbei, die zweite besteht aus einer Tour im Township von Knysna. John fährt mit dem VW Bus hinein und ich habe ein mulmiges Gefühl im Bauch, schließlich stoppt er auf einem Platz vor einem Geschäft. Er erklärt uns kurz wie wir uns zu verhalten haben: Keine Angst haben, Fotos machen ist erlaubt, bei ihm bleiben und immer freundlich sein. Dann steigen wir aus und beginnen das Township zu Fuß zu erkunden. Als einzige Weiße fallen wir natürlich auf und sind die Attraktion, vor allem für die Kinder. 

Straße im Township "Concordia" in Knysna

Straße im Township “Concordia” in Knysna

Mein mulmiges Gefühl bleibt, aber es bessert sich merklich – wenn auch langsam. Auf unserem Weg kommen wir vorbei an Werkstätten, Kneipen, Supermärkten, und sogar einer ATM. Zwar ist die Bauweise in der Regel etwas gewöhnungsbedürftig, aber z.B. im Supermarkt erhält man alle wichtigen Artikel für den Alltag – sogar Tiefgekühltes. Alle Leute treten uns gegenüber freundlich auf, mit einem Friseur kommen wir ins Gespräch. Von der von mir insgeheim befürchteten Anarchie im Township ist nichts zu merken.

Blick auf selbst gebaute Häuser im Township

Blick auf selbst gebaute Häuser im Township

Während wir umherlaufen erklärt uns John einige Dinge. Wir erfahren u.a. das die Stromversorgung nicht von den Bewohnern stammt, sondern die Stromkonzerne das Netz aufgebaut haben, warten und den Strom kostenfrei abgeben – die Kosten holen sie natürlich über die Preise bei den zahlenden Kunden wieder. Es gibt Straßenbeleuchtung über hohe Masten und sogar guten Handyempfang. Und obwohl erstaunlich viel Müll in der Gegend rumliegt erfahren wir, dass es sogar eine Müllabfuhr gibt.

Zwei Kinder im Township

Zwei Kinder im Township

Für die Kinder sind wir als Weiße eine Attraktion, sie laufen uns hinterher, wollen auf den Arm genommen werden, oder posieren gerne für Fotos – und bestehen dann darauf die Bilder auf dem Display der Digitalkamera anzusehen! Mit einer Gruppe Kinder spielen wir für einige Minuten lang Fußball quer über einen belebten Platz. Für ein Stück des Weges übergibt uns John an einen Jugendlichen, und er erzählt uns seine bedrückende Sicht auf das Leben im Township. Es hat viele Vorteile, wie geringe Lebenshaltungskosten und den Zusammenhalt der Gemeinschaft – als großen Nachteil aber auch die Perspektivlosigkeit.

Blick vom Township auf die Lagune von Knysna

Blick vom Township auf die Lagune von Knysna

Zum Abschluss der Tour gehen wir in eine Kneipe, nehmen Platz auf der Dachterrasse und genießen den Ausblick auf die Lagune. Dort rekapitulieren wir das gesehene und das erlebte: Die meisten Leute im Township wohnen hier, weil sie sich nur hier einen gewissen Lebensstandard leisten können, es gibt viele kostenfreie Angebote durch den Staat (Strom, Wasser, Entsorgung) die teilweise exzessiv genutzt werden und die Leute leben in einer Gemeinschaft. Aber gleichzeitig ist die Arbeitslosigkeit enorm hoch, die Bildung sehr gering und nur wer Teil der Gemeinschaft ist genießt relative Sicherheit. Schließlich fährt uns John zurück zum Hostel und lässt uns – erschlagen von den Eindrücken – dort zurück.

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Ankommen, Eingewöhnen, Losfahren – Garden Route

 Dieser Beitrag ist Teil 1 von 7 in der Serie Garden Route

Mit diesem Beitrag beginnt eine Serie von insgesamt 10 Beiträgen, die sich mit meiner Reise auf der Garden Route in Südafrika beschäftigen werden. Viel Spaß!

Auf dem Weg nach Afrika

Da sitze ich nun auf einer Bank, bin nervös und müde. Es ist Freitag Abend, ich sitze am Frankfurter Flughafen auf einer unbequemen Sitzbank, vor meinem Gate und warte. Vor mir liegen insgesamt fast 13 Stunden Flug, beinahe 10.000 Kilometer – erst in knapp 24 Stunden werde ich wieder in einem Bett liegen und richtig schlafen können. Wenn ich durch die großen Glasscheiben nach draußen schaue, dann sehe ich wie der riesige A380 für den Flug nach Johannesburg vorbereitet wird. Währenddessen kämpfen Müdigkeit und die eigentlich nicht vorhandene latente Flugangst um die Überhand kämpfen.

A380 am Frankfurter Flughafen, vom Gate aus gesehen. Vielen Dank für das Foto an Meraj Chhaya von

A380 am Frankfurter Flughafen, vom Gate aus gesehen. Danke für das Foto an Meraj Chhaya von PhoneRPT.

Dann geht es langsam los. Einsteigen, rumfahren, losfliegen. Abendessen, Snacks, echt schön in diesem riesigen Flugzeug. Das Entertainmentsystem der Lufthansa ist echt schick und gut ausgestattet. Jetzt erstmal mit Alkohol beruhigen und dann schlafen, was einerseits schwierig wegen der Platzverhältnisse, andererseits einfach wegen der monotonen Geräuschkulisse und dem leichten Schaukeln ist. Am Morgen erstmal rumlaufen und das Flugzeug erkunden, dann Frühstück. Und plötzlich sind 10 Stunden und 30 Minuten vorbei. Butterweich Landen, rumfahren, aussteigen.

Das Umsteigen klappt einigermaßen gut, ist aber ein kleines Abenteuer weil ich meine Tasche selbst durch den Zoll tragen muss um es dann wieder Einzuchecken. Zum Glück hab ich viel Zeit zum Umsteigen, denn es dauert alles Ewigkeiten. Anschließend wieder warten auf das Kontrastprogramm: In einer in die Jahre gekommene Boeing 737-800 geht es holprig weiter. Es ist unglaublich eng, ungemütlich und man merkt beim Essen, dass man nur mit South African Airlines fliegt. Immerhin dauert es nur 2 Stunden, dann schlägt das Flugzeug auf der Landebahn ein und wir erreichen offiziell Kapstadt.

Erster Eindruck und Eingewöhnung

Erstes Gefühl, beim verlassen des Flugzeugs: Alles ist Warm, einfach nur warm. Aber immerhin wieder festen Boden unter den Füßen! Als Erstes wird am Flughafen der Mietwagen abgeholt, zu unserer Freude wird es nicht der angekündigte Chevrolet Spark, sondern ein Toyota Yaris – allerdings ohne Klimaanlage. Das Procedere wirkt fast amerikanisch, sehr freundlich und penibel. Allerdings nur, wenn man nicht genau hinsieht: Einige kleine Mängeln am Auto sind bisher nicht aufgefallen. Keine große Sache, aber ein Muster das wir im Laufe der Reise an vielen Stellen wiederfinden werden.

Ein Toyota Yaris auf einem Parkplatz

Unser treues Gefährt, in Südafrika

Vom langen Flug bin ich noch zu erschöpft, darum bin ich erstmal nur Beifahrer. Allerdings ist das nicht minder gruselig, denn die südafrikanischen Straßenverhältnisse treiben mein Adrenalinspiegel in ungeahnte Höhen: Linksverkehr, buchstäbliche Schrottkarren, Fußgänger, alles mögliche findet man auf der Autobahn. Endlich kommen wir voller freudiger Erwartung auf das Kommende in einer kleinen Stadt in der Nähe von Kapstadt an. Und spätestens nach der gefühlt endlosen Horrorfahrt bin ich wirklich völlig erschöpft und möchte einfach nur noch einschlafen. Wären da nur nicht die zirpenden Grillen…

Fahrt nach Knysna

Am nächsten Morgen kaufen wir schnell ein paar Dinge ein, werfen unsere Taschen in das Auto und fahren los. Es ist wieder immer noch warm und die Sonne scheint. Immerhin sind die Grillen am Tag ruhig, wobei an schlafen natürlich grade nicht zu denken ist. Zum Glück ist wenig Verkehr und ich beginne langsam damit mich an das Linksfahren zu gewöhnen – mutig genug selbst zu fahren bin ich aber immer noch nicht. Während der Fahrt komme ich mir vor, wie ein kleines Kind. Denn alles was außerhalb der Fensterscheibe an uns vorbeizieht, übt eine große Faszination auf mich aus.

Südafrikanische Straßen

Südafrikanische Straßen

Wir fahren entlang der N2 durch eine größtenteils karge braune Landschaft. Es wirkt fast wie ein Klischee von der Steppe Afrikas, dass ich aus Europa mitgebracht habe. Die Straße verläuft fast die ganze Zeit über erstaunlich grade, allenfalls ein paar Berge bringen sie aus der Bahn. Unterwegs sind außer uns nicht viele weitere Fahrzeuge, dann aber größtenteils ältere weiße Pickups. Bemerkenswert daran ist vor allem, wie viele Menschen im südafrikanischen Verständnis in so ein Auto passen. Wir kommen an einigen Dörfern vorbei, unter anderem an Heidelberg – das ist aber kaum mehr als eine Raststätte.

Baustelle auf der N2 in Südafrika

Baustelle auf der N2 in Südafrika

Südafrika kümmert sich sehr gut um seine Straßen, darum müssen wir einige Male an Baustellen warten, da der Verkehr nur in jeweils eine Richtung fließen kann. Erstaunlich ist dabei, wie viele Arbeiter nur damit beschäftigt sind den Verkehr in der Mittagshitze zu regeln. Arbeitskraft hat hier einen völlig anderen Wert. Nebenbei läuft das Radio, wir können zwischen monotonen Gesprächen, oder aktuellen Hits wählen. Allerdings lässt die Musikauswahl der Sender deutlich zu wünschen übrig, da Genres und Stimmungen so wild durcheinander gemischt werden, sodass es buchstäblich im Ohr knirscht.

Ankunft am Indischen Ozean

Ankunft am Indischen Ozean

Dann endlich ist es soweit, wir erreichen wir in Mossel Bay den indischen Ozean. Ein wunderschöner Ausblick. Eigentlich fehlt uns die Zeit um anzuhalten, aber in Wilderness können wir einfach nicht anders und steigen kurz aus. Allerdings nicht um uns abzukühlen, denn draußen ist es fast genauso warm, wie im Auto. Wir betrachten einen See, der sich unglaublich Harmonisch in die Landschaft einfügt. Dann fahren wir schnell weiter und kommen eine halbe Stunde später in Knysna an, ein sympathisches kleine Städtchen. Es ist nicht viel los, ehrlich gesagt wirkt es relativ verlassen. Nebensaison halt.

Blick auf die Lagune in Knysna

Blick auf die Lagune in Knysna

Wir checken ein im Hostel, ein wunderschönes Haus im Jugendstil. Zwar sind die Farben gewöhnungsbedürftig, aber es ist sauber und aufgeräumt. Es ist immer noch taghell und angenehm warm. Wir entscheiden uns dazu, noch in die Stadt zum Hafen zu gehen um dort etwas zu essen. Dort finden wir uns in einem sympathischen Restaurant wieder, genießen leckeres Essen und beobachten das Treiben. Hier am Hafen wirkt Knysna fast ein wenig wie Venedig: Zwischen den Häusern überall Wasser, jedes Haus hat seinen eigenen Anleger und es liegen viele Boote an den Stegen.

Ein paar bunte Häuser, Boote und viel Wasser

Blick auf die Hafengegend von Knysna

Als wir zurückgehen ist es bereits dunkel, uns ist etwas mulmig. Der Weg ist nicht sonderlich kompliziert und führt durch keine Seitenstraßen, trotzdem die Beleuchtung ist nicht überall optimal. Echt erstaunlich ist, wie nah hier protzige Hotels und heruntergekommene Schuppen beieinander sind. Es fällt mir schwer – erst dank der bekannten Schauergeschichten – die Sicherheitslage einzuschätzen. Aber vom Hostel aus wurde uns der Weg als sicher empfohlen und wir kommen, ohne auch nur die Andeutung einer Gefahr wieder im Hostel an. Nun wird erstmal geschlafen, denn der Tag war lang.

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