Studieren mit Hund. Wie ist das?

“Wie ist das eigentlich, wenn man ein Haustier z.B. einen Hund hat und dann das Elternhaus verlässt um Studieren zu gehen?”

Machbar, aber aufwändig und zeitraubend.

Wenn man als Mensch primär die Verantwortung für ein Tier übernommen hat, dann ist es eine logische Konsequenz, das ein dieses Lebewesen auch in die Lebensphase “Studium” begleitet. Und man hat selbstverständlich dafür Sorge zu tragen, den Bedürfnissen des Tieres auch im Alltag gerecht zu werden. Das Tier hat sich das Studium seines Besitzers nicht ausgesucht und genießt das Gewohnheitsrecht, denn es war “vorher” schon da. Daher es verdient die Berücksichtigung bei allen Plänen, die einen Einschnitt im Leben darstellen.

Natürlich hat man eigentlich andere Sorgen und entdeckt z.B. die Freiheit der Eigenständigkeit. Da sind Verpflichtungen – wie z.B. ein Tier – nicht unbedingt so gewünscht, aber ein Tier ist kein Spielzeug das man einfach mal beiseitelegen könnte. Wobei es natürlich einen Unterschied macht, welches Tier man sein eigen nennt: Fische, oder Vögel machen weniger Aufwand als Nagetiere, Katzen dagegen etwas mehr und Hunde wohl am meisten. Behaupte ich jetzt einfach mal.

Mein Alltag wird durch eine Hündin bereichert, womit ich mich (ungewollt ;)) in meiner Auflistung in die Königskategorie einordne. Denn Hunde verlangen meiner Meinung nach mehr Zeit, als andere Haustiere: Sie wollen regelmäßig ausgeführt werden, was bedeutet das man mehrmals am Tag für 30 bis 90 Minuten das Haus verlässt. Diese Zeit widmet man ganz dem Tier, auch bei Regen, oder Schnee. Meistens stellt es eine willkommene Abwechslung im Alltag da um den Kopf frei zu kriegen – gelegentlich nervt es aber auch.

Eine wichtige Erkenntnis, die man als studierender Hundebesitzer schnell bemerkt ist: Ohne Hilfe geht es nicht. Man benötigt ein möglicht weit gespanntes Netz aus zwei Typen von Menschen: einerseits Leuten die bereit sind Hundesitter zu spielen, oder die andererseits bereit sind den Hund als Begleitung zu akzeptieren. Verständlicherweise möchte nicht jeder das mich der Hund begleitet, unabhängig davon ob es um einen Spieleabend, oder eine Lerngruppe geht. Man muss also vorausplanen.

Letztendlich das wichtigste überhaupt: Man benötigt einen Plan. Wann habe ich Uni, Sport, etc.? Wann muss ich mit dem Hund raus und wann kann ich nicht? Und wer kann dann? Und wenn wir weggehen, wo kann der Hund mit und was muss ich dabei ggf. beachten? Aber dafür genießt man auch viele Vorteile: Man kommt an die frische Luft, lernt schnell andere Hundebesitzer kennen, hat (sofern der Hund das mag) immer jemanden zum kuscheln und aufmuntern, u.v.m….

Letztendlich ist das alles gut machbar, geht allerdings deutlich zu lasten der Spontanität. Aber das ist wohl ein allgemeines Merkmal von “Verantwortung übernehmen”.

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Rückmeldung

Wie es immer so ist, wenn man sich große Ziele setzt: Den Start schafft man mit Leichtigkeit, verliert dann aber früher oder später im Alltag das Ziel aus den Augen und lässt dann nach…

Jetzt war es bei mir nicht nur der Alltag, sondern die Summe diverser Gründe, die vom bloggen abgehalten haben. Und obwohl ich immer noch viel um die Ohren habe, wird es ab dieser Woche hier im Blog endlich weitergehen. Zumindest ist das mein Plan! 😉

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Adventure Tour Knysna – Garden Route

Ein Morgen im Hostel

Es ist warm, immer noch. Trotzdem beginnt langsam das Leben im Hostel, die ersten müden Gestalten laufen durch die Flure. Man braucht etwas Glück um einen Platz im Bad zu ergattern, denn alle Gäste wollen Zähneputzen, Duschen, oder auch nur auf die Toilette. In der Küche geht es dafür am spartanischen Buffet gemütlich zu, in allen Ecken arbeiten Gäste an ihrem Frühstück und setzen sich damit nach draußen auf die Terrasse mit Blick über Stadt und Lagune. Man kommt man ganz selbstverständlich mit den Anderen ins Gespräch und tauscht sich über Herkunft, Erfahrungen und Ziele aus.

Das Knysna Backpackers

Blick auf das Knysna Backpackers

Nach dem Frühstück studieren wir die ausliegenden Prospekte um die Aktivitäten für die nächsten Tage zu planen. Für den heutigen Tag entscheiden für uns für eine Tour mit dem “Adventure Center Knysna“, die Besitzerin des Hostels organisiert den Trip freundlicherweise per Telefon für uns. Es dauert nicht lange dann kommt unser Guide “John”, ein großgewachsener sportlich-braungebrannter Typ mit kahlem Kopf. Und in seinem heruntergekommenen weißen VW Bus geht es los – jeder TÜV Mitarbeiter wäre Tod umgefallen. Nach 20 Minuten abenteuerlicher Fahrt kommen wir an, im Urwald.

Willkommen im Dschungel

Wir befinden uns im Harkerville Forest, im wahrsten Sinne des Wortes ein Urwald. Außer der mitten durch den Wald geschlagenen Schotterpiste und einer etwas größeren Lichtung für einen Parkplatz mit Braaiflächen gibt es nur wahnsinnig dichten Wald. Beeindruckend ist alleine schon der Ausblick auf sehr dichte Vegetation, trotz meines sehr guten Orientierungssinnes wäre ich darin – ohne John – mit Sicherheit total verloren… Nach einer kurzen Warnung vor allerlei giftigen Tieren geht es dann los, in den Dschungel.

Dichte Vegetation im Urwald in Südafrika

Dichte Vegetation im Urwald in Südafrika

Wir laufen durch den Urwald, ich bin einfach nur sprachlos angesichts der Intensität der Vegetation. Überall um uns herum sind unbekannte Bäume, Büsche, Pflanzen die wild durcheinander wachsen. Wir halten immer wieder an und John erklärt uns etwas: Die Besonderheit einer Pflanze, wo welche Insekten und Tiere zu finden sind, oder die bewegte Geschichte dieses Urwalds. Hier hat es sogar lange Zeit freilebende Elefanten gegeben, was angesichts der Dichte der Vegetation unvorstellbar wirkt. Heute gibt es nur noch weniger als eine Hand voll Elefanten, die hier ihre Runden ziehen – immerhin: noch gibt es sie.

Kleiner Bach mit Wasser wie Tee im Urwald

Kleiner Bach im Urwald

Mitten im Wald kommen wir zu einem kleinen Bach, in ihm fließt Wasser das aussieht wie Tee – am ehesten (wie passend) Rooibos. John erklärt uns, das die Farbe durch die viele Mineralien entsteht und zeigt uns das man das Wasser ohne Gefahr trinken kann. Schließlich erreichen wir den steinigen Strand, an dem wir eine längere Pause machen. Wir klettern über die Felsen, betrachten die Muscheln, die Landschaft und die Brandung des indischen Ozeans. Dann geht es weiter, wir klettern mitten in der Sonne wieder hoch zum Parkplatz des VW Bus und sehen dabei ein atemberaubendes Panorama der Küste.

Blick auf die Felsen an der Küste in Knysna

Blick auf die Felsen an der Küste in Knysna

Auf unserem Weg sind wir durch ein Tal gelaufen, weil wir uns die ganze Zeit mitten im Urwald befanden war es trotz des Sonnenscheins angenehm kühl und schattig. Nun befinden wir uns eher in einer Art Heidelandschaft und wir kommen ganz schön ins Schwitzen. Endlich erreichen wir das Auto, stärken uns kurz und fahren dann los: Nach Concordia, dem Township von Knysna. Noch im Urwald sehe ich das erste mal eine Gruppe wilder Paviane, die allerdings scheu sind und bei unserem Anblick schnell verschwinden.

Die Townshiptour

Die erste Hälfte des Tages ist vorbei, die zweite besteht aus einer Tour im Township von Knysna. John fährt mit dem VW Bus hinein und ich habe ein mulmiges Gefühl im Bauch, schließlich stoppt er auf einem Platz vor einem Geschäft. Er erklärt uns kurz wie wir uns zu verhalten haben: Keine Angst haben, Fotos machen ist erlaubt, bei ihm bleiben und immer freundlich sein. Dann steigen wir aus und beginnen das Township zu Fuß zu erkunden. Als einzige Weiße fallen wir natürlich auf und sind die Attraktion, vor allem für die Kinder. 

Straße im Township "Concordia" in Knysna

Straße im Township “Concordia” in Knysna

Mein mulmiges Gefühl bleibt, aber es bessert sich merklich – wenn auch langsam. Auf unserem Weg kommen wir vorbei an Werkstätten, Kneipen, Supermärkten, und sogar einer ATM. Zwar ist die Bauweise in der Regel etwas gewöhnungsbedürftig, aber z.B. im Supermarkt erhält man alle wichtigen Artikel für den Alltag – sogar Tiefgekühltes. Alle Leute treten uns gegenüber freundlich auf, mit einem Friseur kommen wir ins Gespräch. Von der von mir insgeheim befürchteten Anarchie im Township ist nichts zu merken.

Blick auf selbst gebaute Häuser im Township

Blick auf selbst gebaute Häuser im Township

Während wir umherlaufen erklärt uns John einige Dinge. Wir erfahren u.a. das die Stromversorgung nicht von den Bewohnern stammt, sondern die Stromkonzerne das Netz aufgebaut haben, warten und den Strom kostenfrei abgeben – die Kosten holen sie natürlich über die Preise bei den zahlenden Kunden wieder. Es gibt Straßenbeleuchtung über hohe Masten und sogar guten Handyempfang. Und obwohl erstaunlich viel Müll in der Gegend rumliegt erfahren wir, dass es sogar eine Müllabfuhr gibt.

Zwei Kinder im Township

Zwei Kinder im Township

Für die Kinder sind wir als Weiße eine Attraktion, sie laufen uns hinterher, wollen auf den Arm genommen werden, oder posieren gerne für Fotos – und bestehen dann darauf die Bilder auf dem Display der Digitalkamera anzusehen! Mit einer Gruppe Kinder spielen wir für einige Minuten lang Fußball quer über einen belebten Platz. Für ein Stück des Weges übergibt uns John an einen Jugendlichen, und er erzählt uns seine bedrückende Sicht auf das Leben im Township. Es hat viele Vorteile, wie geringe Lebenshaltungskosten und den Zusammenhalt der Gemeinschaft – als großen Nachteil aber auch die Perspektivlosigkeit.

Blick vom Township auf die Lagune von Knysna

Blick vom Township auf die Lagune von Knysna

Zum Abschluss der Tour gehen wir in eine Kneipe, nehmen Platz auf der Dachterrasse und genießen den Ausblick auf die Lagune. Dort rekapitulieren wir das gesehene und das erlebte: Die meisten Leute im Township wohnen hier, weil sie sich nur hier einen gewissen Lebensstandard leisten können, es gibt viele kostenfreie Angebote durch den Staat (Strom, Wasser, Entsorgung) die teilweise exzessiv genutzt werden und die Leute leben in einer Gemeinschaft. Aber gleichzeitig ist die Arbeitslosigkeit enorm hoch, die Bildung sehr gering und nur wer Teil der Gemeinschaft ist genießt relative Sicherheit. Schließlich fährt uns John zurück zum Hostel und lässt uns – erschlagen von den Eindrücken – dort zurück.

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Kino.to: Und wir wussten, das es falsch ist. Echt jetzt!

Das Internet ist eine wunderbare Plattform für Empörung. Wahrscheinlich wird deswegen mehrmals am Tag eine andere Sau durchs Dorf getrieben, je nach Lust, Laune und tagesaktuellem Geschehen. So auch gestern, da hat die Staatsmacht zum Schlag gegen das allseits beliebte Streaming-Portal “Kino.to” ausgeholt. Das Resultat: 13 Beteiligte wurden verhaftet und die Website ging offline. Natürlich dauerte es nicht lange, bis die digitalen Öffentlichkeit den Verlust bemerkte und dem Frust z.B. bei Twitter Luft machte.

Wahrscheinlich gibt es kaum jemanden im Internet, der noch nie von einem Angebot wie Kino.to profitiert hat – selbst bei YouTube tauchen gelegentlich ganze Filme auf. Nutzer und Anbieter schlossen einen gemeinsamen Pakt: Die Nutzer nehmen diverse Unwägbarkeiten wie miserables Design, tonnenweise Werbung und die wechselhafte Qualität der Streams in Kauf – erhalten dafür von den Anbietern Filme, Dokumentationen und Serien zeitnah ohne großen Aufwand für den Hausgebrauch.

Aber mal unter uns: Jedem muss klar gewesen sein, dass die Anbieter solcher Seiten nicht altruistisch aus purer Menschenliebe heraus gehandelt haben. Zum einen werden vor allem durch die Platzierung von Werbung, zum anderen haben bestimmt auch einzelne Nutzer die angebotenen Pro-Accounts genutzt und für schnellere Streams, oder ähnliches bezahlt. Es war ein Geschäft, wie z.B. Napster, oder Rapidshare. Zwar soll “Kino.to” als Mittelsmann nichts gezahlt haben, aber ich halte personelle Überschneidungen zwischen der Plattform und den eigentlichen Streamingseiten für sehr wahrscheinlich.

Natürlich empfindet niemand Sympathien für die Unterhaltungsindustrie, deren gefühltes Geschäftsmodell vor allem die Gängelung der Nutzer zu sein scheint. Dabei ist dies natürlich ein Kampf gegen Windmühlen, denn mit jedem Schritt der gegen Urheberrechtsverletzungen unternommen wird entstehen dutzende neue Angebote. Diese suchen sich immer wieder neue Lücken in der Gesetzgebung – im vorliegenden Fall vermitteln sie z.B. nur Links zu Streams an Nutzer und bieten selbst gar keine Urheberrechtlich geschützten Inhalte an. Für die Nutzer ist das natürlich ein Segen.

Aber wir alle wissen, dass sich die Unterhaltungsindustrie dies nicht gefallen lassen kann und wird. Darum ist dieser Schritt gegen “Kino.to” ungefähr so unterwartet gewesen, wie das Amen in der Kirche. Außerdem ist uns allen bewusst, wie sehr sich derartige Streaming-Portale im Graubereich der Gesetze bewegen. Ich kann diese ganze gespielte Aufregung einfach nicht nachvollziehen, vor allem weil die Nutzer wie die Geier ohne mit der Wimper zu zucken weiterziehen werden. Klar ist die Schließung von “Kino.to” nur ein Symbol, aber keines das auch nur im entferntesten mit Robin Hood zu tun hat. Also liebe Empörte schaltet bitte einen Gang zurück, denn es nervt. Danke!

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Fremd Fischen. Wie wars?

Durch verschiedene glückliche Umstände ist die Sneak Preview dieser Woche wieder der Anlass für einen Beitrag, diesmal gab es “Fremd Fischen” zu sehen. Die romantische Komödie heißt im Original übrigens “Something Borrowed”, ein weiteres Beispiel für die gelungene Übersetzung eines Titels…

Die Eckdaten: Der von Luke Greenfield umgesetzte Film basiert auf dem gleichnamigen Buch von Emily Giffin, und füllt für nur $ 35 Mio sagenhafte 112 Minuten. Rachel (Ginnifer Goodwin) hatte sich vor Jahren in ihren Kommilitonen Dax (Colin Egglesfield) verliebt, als sie mit ihm für die Juraprüfungen lernte. Aber sie war zu schüchtern, ihm das zu gestehen, sodass er sich in ihre langjährige beste Freundin Darcy (Kate Hudson) verliebte. Jetzt sollen Darcy und Dax heiraten, doch nach einer Party beginnen Rachel und Dax eine Affäre. Hin und her gerissen zwischen Liebe, Treue und Freundschaft beginnt das unvermeidliche “Er liebt mich – Er liebt mich nicht Spiel”.

Zunächst muss ich zunächst einmal gestehen, dass mich der Film an vielen Stellen tatsächlich gut unterhalten hat. Viele Gags – sogar die Wortspiele – haben gut funktioniert, auch wenn es manchmal bemüht komisch wirkte. Im Film sind ansonsten natürlich alle typischen Elemente aus diesem Genre inbegriffen: die uninteressanten 0815 Charaktere, der Modekatalogmäßige Look der Darsteller, die bekannten Schöner Wohnen Räume, die üblichen völlig vorhersehbaren Wendepunkte der Story, u.v.m. …

Was mich allerdings gestört hat ist, dass es viele quälend langatmige Stellen in dem Film gab – quälend vor allem weil diese meistens einen tiefgründigen Hauch hatten. Als würde sich der Film zu ernst nehmen und meinen, man müsste auch noch eine tatsächliche Lektion über Liebe, Freundschaft, oder Treue vermitteln. Andererseits finde ich vor diesem Hintergrund das Ende absolut unerträglich, die letzten 15 Minuten hätte man sich und dem Publikum einfach komplett ersparen können.

Die Pluspunkte… mh, also wer die 9000ste Variation der typisch-romantischen Hollywoodkomödie mit sicheren Lachern und einer 0815 Liebesgeschichte für einen Filmabend mit seinen Mädels sucht, der wird sich unterhalten fühlen. Die Minuspunkte sind genau die selben, insbesondere aber das miserable Ende der Geschichte… Dafür ausgeben würde ich genau 0,00 €. Man wird vom Film nur dann nicht enttäuscht, wenn man ihn im Privatfernsehen, mit Werbeunterbrechungen auf dem heimischen Sofa sieht!

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Mitglied einer Partei werden. Warum?

“Jetzt mal unter uns… Politiker sind doch eh Lügner und Betrüger, die Parteien ein einziger Klügel und das Land geht den Bach runter! Warum sollte man in diesem Spiel mitmachen wollen?”

Erstmal kann ich die Unzufriedenheit mit der politischen Kultur in der Bundesrepublik sehr gut nachvollziehen, mir ergeht es da kaum anders. Und das vor allem weil die etablierten Parteien inzwischen ein erstaunliches Ausmaß an Ignoranz, Arroganz und Selbstverliebtheit an den Tag legen. Daher kann man leicht zu der Schlussfolgerung kommen, dass die Parteien ein fester Bestandteil des Problems sind. Von diesem Punkt aus ist es natürlich nahe liegend zu sagen: Damit will ich nichts zu tun haben.

Nun sieht unser Grundgesetz aber vor, dass die Bundesrepublik Deutschland eine parlamentarische Demokratie ist. Und nicht nur das: Es stellt den Parlamentariern die politischen Parteien zur Seite, damit diese den Prozess der politischen Willensbildung katalysieren. Dahinter steckt ein eigentlich guter Gedanke, denn in früheren Zeiten – ohne Massenmedien und Internet – mussten die Debatten zunächst vor Ort geführt werden und die Ergebnisse irgendwie überregional zusammengetragen werden.

Parteien im Grundgesetz

Für diesen Zweck fanden sich Gruppen von Menschen mit ähnlichen Interessen zusammen und schlossen sich schließlich zu Parteien zusammen. Manche davon hatten einen so umfassenden Anspruch und eine so breite Basis in der Bevölkerung, dass sie sich selbst als Volksparteien verstanden haben. Dieses Konzept hat sich allerdings längst überlebt – wahrscheinlich beschäftigen sich die herrschenden Parteien deshalb auch lieber mit Klientelpolitik, als mit der Willensbildung im Kontakt mit dem Bürger.

Nun bleiben den Bürgern faktisch drei Möglichkeiten: Evolution, Revolution, oder Boykottieren. Das sich viele Menschen für Letztere entscheiden, zeigt sich beispielsweise in der sinkenden Wahlbeteiligung. Doch dies führt – obwohl die tatsächliche Legitimation der herrschenden Parteien abnimmt – zu keinerlei Konsequenzen. Es folgen weder ein gesellschaftlicher Diskurs über die zukünftige Rolle der Parteien, noch eine kritische Selbstreflexion innerhalb der Parteien. Und wer das System boykottiert, gibt sämtliche Möglichkeiten zur aktiven Mitgestaltung innerhalb des Systems aus der Hand.

Die Revolution dagegen erscheint – vor dem Hintergrund des Arabischen Frühlings – naturgemäß verlockend.  Da werden schnell von Kommentatoren, Analysten und Stammtischen die wildesten Parallelen gezogen, es mangelt allein an der aufgebrachten Masse. Denn der Mehrzahl der Bürger geht es (noch) zu gut um sich erheben zu wollen, denn schließlich ist hier das Betreten des Rasens verboten. Was man übrigens nicht ausblenden sollte: Der Ausgang und die Ergebnisse einer Revolution lassen sich kaum vorhersagen, es kann entsprechend der eigenen Wünsche ausgeben – muss aber nicht.

Außerdem stellt sich die Frage, ob sich die Probleme dieses Staates nicht überhaupt nur im Rahmen einer überlegten Evolution lösen lassen. Dies bedeutet nur, die Bürger müssen sich entweder den bestehenden Parteien anschließen, oder bei Nichtgefallen neue gründen. Das sagt sich natürlich leicht, denn es erscheint wahnsinnig mühsam innerhalb der verkrusteten Strukturen der etablierten Parteien etwas zu bewegen. Aber sind auch diese Parteien nicht nur das, was ihre Mitglieder daraus machen? Wenn sich also die Bürger durch Partizipation die Parteien zurückholen, was sollte dann noch schiefgehen?

Lange Rede, kurzer Sinn: Beteiligt euch und überlasst die Politik nicht den Politikern!

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Ankommen, Eingewöhnen, Losfahren – Garden Route

Mit diesem Beitrag beginnt eine Serie von insgesamt 10 Beiträgen, die sich mit meiner Reise auf der Garden Route in Südafrika beschäftigen werden. Viel Spaß!

Auf dem Weg nach Afrika

Da sitze ich nun auf einer Bank, bin nervös und müde. Es ist Freitag Abend, ich sitze am Frankfurter Flughafen auf einer unbequemen Sitzbank, vor meinem Gate und warte. Vor mir liegen insgesamt fast 13 Stunden Flug, beinahe 10.000 Kilometer – erst in knapp 24 Stunden werde ich wieder in einem Bett liegen und richtig schlafen können. Wenn ich durch die großen Glasscheiben nach draußen schaue, dann sehe ich wie der riesige A380 für den Flug nach Johannesburg vorbereitet wird. Währenddessen kämpfen Müdigkeit und die eigentlich nicht vorhandene latente Flugangst um die Überhand kämpfen.

A380 am Frankfurter Flughafen, vom Gate aus gesehen. Vielen Dank für das Foto an Meraj Chhaya von

A380 am Frankfurter Flughafen, vom Gate aus gesehen. Danke für das Foto an Meraj Chhaya von PhoneRPT.

Dann geht es langsam los. Einsteigen, rumfahren, losfliegen. Abendessen, Snacks, echt schön in diesem riesigen Flugzeug. Das Entertainmentsystem der Lufthansa ist echt schick und gut ausgestattet. Jetzt erstmal mit Alkohol beruhigen und dann schlafen, was einerseits schwierig wegen der Platzverhältnisse, andererseits einfach wegen der monotonen Geräuschkulisse und dem leichten Schaukeln ist. Am Morgen erstmal rumlaufen und das Flugzeug erkunden, dann Frühstück. Und plötzlich sind 10 Stunden und 30 Minuten vorbei. Butterweich Landen, rumfahren, aussteigen.

Das Umsteigen klappt einigermaßen gut, ist aber ein kleines Abenteuer weil ich meine Tasche selbst durch den Zoll tragen muss um es dann wieder Einzuchecken. Zum Glück hab ich viel Zeit zum Umsteigen, denn es dauert alles Ewigkeiten. Anschließend wieder warten auf das Kontrastprogramm: In einer in die Jahre gekommene Boeing 737-800 geht es holprig weiter. Es ist unglaublich eng, ungemütlich und man merkt beim Essen, dass man nur mit South African Airlines fliegt. Immerhin dauert es nur 2 Stunden, dann schlägt das Flugzeug auf der Landebahn ein und wir erreichen offiziell Kapstadt.

Erster Eindruck und Eingewöhnung

Erstes Gefühl, beim verlassen des Flugzeugs: Alles ist Warm, einfach nur warm. Aber immerhin wieder festen Boden unter den Füßen! Als Erstes wird am Flughafen der Mietwagen abgeholt, zu unserer Freude wird es nicht der angekündigte Chevrolet Spark, sondern ein Toyota Yaris – allerdings ohne Klimaanlage. Das Procedere wirkt fast amerikanisch, sehr freundlich und penibel. Allerdings nur, wenn man nicht genau hinsieht: Einige kleine Mängeln am Auto sind bisher nicht aufgefallen. Keine große Sache, aber ein Muster das wir im Laufe der Reise an vielen Stellen wiederfinden werden.

Ein Toyota Yaris auf einem Parkplatz

Unser treues Gefährt, in Südafrika

Vom langen Flug bin ich noch zu erschöpft, darum bin ich erstmal nur Beifahrer. Allerdings ist das nicht minder gruselig, denn die südafrikanischen Straßenverhältnisse treiben mein Adrenalinspiegel in ungeahnte Höhen: Linksverkehr, buchstäbliche Schrottkarren, Fußgänger, alles mögliche findet man auf der Autobahn. Endlich kommen wir voller freudiger Erwartung auf das Kommende in einer kleinen Stadt in der Nähe von Kapstadt an. Und spätestens nach der gefühlt endlosen Horrorfahrt bin ich wirklich völlig erschöpft und möchte einfach nur noch einschlafen. Wären da nur nicht die zirpenden Grillen…

Fahrt nach Knysna

Am nächsten Morgen kaufen wir schnell ein paar Dinge ein, werfen unsere Taschen in das Auto und fahren los. Es ist wieder immer noch warm und die Sonne scheint. Immerhin sind die Grillen am Tag ruhig, wobei an schlafen natürlich grade nicht zu denken ist. Zum Glück ist wenig Verkehr und ich beginne langsam damit mich an das Linksfahren zu gewöhnen – mutig genug selbst zu fahren bin ich aber immer noch nicht. Während der Fahrt komme ich mir vor, wie ein kleines Kind. Denn alles was außerhalb der Fensterscheibe an uns vorbeizieht, übt eine große Faszination auf mich aus.

Südafrikanische Straßen

Südafrikanische Straßen

Wir fahren entlang der N2 durch eine größtenteils karge braune Landschaft. Es wirkt fast wie ein Klischee von der Steppe Afrikas, dass ich aus Europa mitgebracht habe. Die Straße verläuft fast die ganze Zeit über erstaunlich grade, allenfalls ein paar Berge bringen sie aus der Bahn. Unterwegs sind außer uns nicht viele weitere Fahrzeuge, dann aber größtenteils ältere weiße Pickups. Bemerkenswert daran ist vor allem, wie viele Menschen im südafrikanischen Verständnis in so ein Auto passen. Wir kommen an einigen Dörfern vorbei, unter anderem an Heidelberg – das ist aber kaum mehr als eine Raststätte.

Baustelle auf der N2 in Südafrika

Baustelle auf der N2 in Südafrika

Südafrika kümmert sich sehr gut um seine Straßen, darum müssen wir einige Male an Baustellen warten, da der Verkehr nur in jeweils eine Richtung fließen kann. Erstaunlich ist dabei, wie viele Arbeiter nur damit beschäftigt sind den Verkehr in der Mittagshitze zu regeln. Arbeitskraft hat hier einen völlig anderen Wert. Nebenbei läuft das Radio, wir können zwischen monotonen Gesprächen, oder aktuellen Hits wählen. Allerdings lässt die Musikauswahl der Sender deutlich zu wünschen übrig, da Genres und Stimmungen so wild durcheinander gemischt werden, sodass es buchstäblich im Ohr knirscht.

Ankunft am Indischen Ozean

Ankunft am Indischen Ozean

Dann endlich ist es soweit, wir erreichen wir in Mossel Bay den indischen Ozean. Ein wunderschöner Ausblick. Eigentlich fehlt uns die Zeit um anzuhalten, aber in Wilderness können wir einfach nicht anders und steigen kurz aus. Allerdings nicht um uns abzukühlen, denn draußen ist es fast genauso warm, wie im Auto. Wir betrachten einen See, der sich unglaublich Harmonisch in die Landschaft einfügt. Dann fahren wir schnell weiter und kommen eine halbe Stunde später in Knysna an, ein sympathisches kleine Städtchen. Es ist nicht viel los, ehrlich gesagt wirkt es relativ verlassen. Nebensaison halt.

Blick auf die Lagune in Knysna

Blick auf die Lagune in Knysna

Wir checken ein im Hostel, ein wunderschönes Haus im Jugendstil. Zwar sind die Farben gewöhnungsbedürftig, aber es ist sauber und aufgeräumt. Es ist immer noch taghell und angenehm warm. Wir entscheiden uns dazu, noch in die Stadt zum Hafen zu gehen um dort etwas zu essen. Dort finden wir uns in einem sympathischen Restaurant wieder, genießen leckeres Essen und beobachten das Treiben. Hier am Hafen wirkt Knysna fast ein wenig wie Venedig: Zwischen den Häusern überall Wasser, jedes Haus hat seinen eigenen Anleger und es liegen viele Boote an den Stegen.

Ein paar bunte Häuser, Boote und viel Wasser

Blick auf die Hafengegend von Knysna

Als wir zurückgehen ist es bereits dunkel, uns ist etwas mulmig. Der Weg ist nicht sonderlich kompliziert und führt durch keine Seitenstraßen, trotzdem die Beleuchtung ist nicht überall optimal. Echt erstaunlich ist, wie nah hier protzige Hotels und heruntergekommene Schuppen beieinander sind. Es fällt mir schwer – erst dank der bekannten Schauergeschichten – die Sicherheitslage einzuschätzen. Aber vom Hostel aus wurde uns der Weg als sicher empfohlen und wir kommen, ohne auch nur die Andeutung einer Gefahr wieder im Hostel an. Nun wird erstmal geschlafen, denn der Tag war lang.

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Ich hab nen Organspendeausweis und du?

Heute am 04. Juni ist Bundesweiter Tag der Organspende, dieser Tag soll die gesellschaftliche Aufmerksamkeit für dieses Thema verstärken. Warum eigentlich?

Mein Organspendeausweis

Mein Organspendeausweis

Nun erst einmal standen in Deutschland zum 30. April 2011 11.821 kranke Menschen 1 auf der Warteliste für ein Spenderorgan sind. Demgegenüber stehen 1.271 Organspender, von denen in Deutschland im Jahr 2010 insgesamt 4482 Organe an andere Menschen transplantiert worden sind 2. Hinzu kommen übrigens noch 755 Lebendspenden von Nieren und Teilen der Leber 3.

Schaut man sich die Statistiken über die Jahre an, z.B. den Verlauf der Statistiken für Nierentransplantationen, stellt man zwei Dinge fest: Zum einen natürlich das krasse Missverhältnis zwischen Menschen die auf der Warteliste stehen und zum anderen die Anzahl der erfolgten Transplantationen. Aber man sieht auch, das sich “Angebot” und “Nachfrage” langsam annähern 4, so wurden 2002 noch rund 9.500 Nieren benötigt und knappe 2.500 Transplantationen erfolgten. 2010 warteten etwas weniger als 8.000 Menschen auf eine Niere und es erfolgten fast 3.000 Transplantationen. Das ist mit Sicherheit ein positiv zu bewertender Trend, trotzdem kommen in Deutschland nur 16 Spender auf eine Millionen Einwohner 5.

Allerdings ist der Bedarf für Spenderorgane immer noch signifikant höher, als die Summe aller Transplantationen. Und das bedeutet für die Menschen auf der Warteliste in der Regel lange Wartezeiten, bevor ein Patient eine Nierentransplantation erhält befindet er sich in der Regel zwischen 5 und 10 Jahren auf der Warteliste. Das ist natürlich unter anderem auch seinem Gesundheitszustand geschuldet, allerdings: Es versterben trotz neuer Therapiemöglichkeiten nach wie vor viele Patienten, die sich auf der Warteliste für eine Transplantation befinden. Das vermag man nun als Schicksal verbuchen, schließlich finden solche Erkrankungen praktisch immer weit entfernt vom Alltag statt.

Vor einer Transplantation muss bekanntermaßen bei einem fraglichen Organspender zunächst der Hirntod festgestellt werden. Aber wie kommt es dazu? Bei etwas mehr als 53 % der Organspendern liegt eine Hirnblutung vor, knapp 20 % erleiden ein massives Schädel-Hirn-Trauma 6 und die meisten Organspender sind zum Zeitpunkt des Hirntodes zwischen 16 und 54 Jahren alt 7. Das sind im Einzelfall immer wahnsinnig bedrückende Schickale, denn in der Regel wird ein gesunder Mensch im besten Alter unvermittelt aus dem Leben gerissen.

Und hier der Knackpunkt: Nur bei 14 % der Organspendern gab es eine persönliche Zustimmung, in nur 8,8 % der Fällen lag tatsächlich einen Organspendeausweis vor. Das bedeutet, dass bei 78 % aller Organspenden die Entnahme der Organe durch die Angehörigen legitimiert wird. Diese sollen in diesem Fall dann im mutmaßlichen Sinne des Verstorbenen urteilen. Insgesamt kommt es nur bei 54% aller potentiellen Organspender zur Organentnahme, wobei übrigens der wichtigste Grund für den Ausschluss einer Organspende ist mit fast 40 % die Ablehnung der Angehörigen ist. 8

Wie bereits erwähnt sind Tod und Krankheit glücklicherweise in der Regel kein wesentlicher Teil unseres alltäglichen Lebens. Und ich will heute an diesem Tag nicht das für und wieder der Organspende diskutieren, sondern dafür werben sich selbst Gedanken zu machen und – gerne auch im Dialog mit anderen Menschen – eine Meinung zu diesem Thema zu bilden. Auf dieser Grundlage sollte möglichst jeder für sich selbst eine eigene informierte Entscheidung fällen und diese zum einen mit einem Organspendeausweis dokumentieren und seine Angehörigen darüber informieren – selbst dann, wenn man die Organspende kategorisch ablehnt. Lasst eure Angehörigen damit nicht alleine!

Einen Organspendeausweis kann man z.B. hier bei der BZgA zum herunterladen als PDF, oder Kartonweise als gedruckte Ausweise bestellen. Aber auch die Deutsche Stiftung Organspende bietet einem übrigens hier auch die Organspendeausweise als Einzelstücke kostenlos per Postversand an. Außerdem kann man die Ausweise natürlich auch bei vielen niedergelassenen Ärzten, in Krankenhäusern und Apotheken kostenlos erhalten, einfach mal danach fragen!


  1. Eurotransplant International Foundation. Preliminary monthly statistics January – April  2011, Mai 2011. Abgerufen am 04.06.2011 von Eurotransplant: http://www.eurotransplant.org/cms/mediaobject.php?file=2011_january1_april30.pdf
  2. Eurotransplant Internation Foundation. Yearly statistics 2010, Februar 2011 Abgerufen am 04. 06 2011 von Eurotransplant: http://www.eurotransplant.org/cms/mediaobject.php?file=year_2010.pdf
  3. Deutsche Stiftung Organtransplantation. (2011). Daten und Grafiken – Lebendspenden. Abgerufen am 04. 06 2011 von DSO – Deutsche Stiftung Organtransplantation: http://www.dso.de/
  4. Deutsche Stiftung Organspende. Aktive Warteliste und Nierentransplantation. Abgerufen am 04. 06 2011 von DSO – Deutsche Stiftung Organspende: http://www.dso.de/grafiken/g32.html
  5. Deutsche Stiftung Organspende. Daten und Grafiken – Postmortale Organspender 2009. Abgerufen am 04. 06 2011 von DSO – Deutsche Stiftung Organspende: http://www.dso.de/zahlenunddaten/grafikpakete/pakete/dso-2010-grafikpaket-03.zip
  6. Deutsche Stiftung Organspende. Daten und Grafiken – Todesursachen Organspender 2009. Abgerufen am 04. 06 2011 von DSO – Deutsche Stiftung Organspende: http://www.dso.de/zahlenunddaten/grafikpakete/pakete/dso-2010-grafikpaket-03.zip
  7. Deutsche Stiftung Organspende. Daten und Grafiken –Alter der Organspender 2009. Abgerufen am 04. 06 2011 von DSO – Deutsche Stiftung Organspende: http://www.dso.de/zahlenunddaten/grafikpakete/pakete/dso-2010-grafikpaket-03.zip
  8. Molzahn, P., Tuffs, D., & Vollmann , P. (Oktober 2003). Heft 17 – Organtransplantation und Organspende. Abgerufen am 04. 06 2011 von Gesundheitsberichterstattung des Bundes: http://www.gbe-bund.de/gbe10/abrechnung.prc_abr_test_logon?p_uid=gasts&p_aid=&p_knoten=FID&p_sprache=D&p_suchstring=8523::Todesursachenstatistik
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