Tagged: Gleichberechtigung

Eine Woche generisches Femininum

Ach, übrigens! Ich werde zusammen, mit vielen anderen Menschen, unter dem Titel “#InWoche” eine Woche lang versuchen, das generisches Maskulinum gegen das generische Femininum auszutauschen.

Informationen dazu gibts hier im Pad, oder im Blog der Aktionbei der @Faserpiratin.

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Liebe Sexismusleugner, es reicht mir. Wirklich!

Ein kurzer Hinweis in eigener Sache: Ich beteilige mich inzwischen nicht mehr an den Genderdiskussionen der PIRATEN. Es reicht mir einfach. Und ich habe schlicht keine Lust mehr, auf diese immer gleich ablaufenden so genannten “Diskussionen”.

Aber das liegt sicher nicht daran, dass ich der Meinung wäre Sexismus innerhalb der Partei würde kein Problem darstellen. Ich gebe also keine schweigende Zustimmung zu dem, was manche Menschen (ihr wisst bestimmt, wen bzw. was ich meine) auf Mailinglisten, bei Twitter, oder sonstwo erzählen… Denn nicht nur Sexismus im speziellen, sondern Diskriminierung insgesamt, ist ein reales Problem in unserer Gesellschaft. Da auch wir “nur” ein Abbild unserer Gesellschaft sind, finden sich diese Probleme genauso auch innerhalb der PIRATEN wieder. Wir sind keine besseren Menschen, wir sind nicht fortschrittlicher und ganz bestimmt sind wir in unserer Summe nicht Post-Gender.

Ich bin nach wie vor bereit mit anderen Menschen darüber zu diskutieren, welche konkreten Auswirkungen die gesellschaftliche Realität auf unsere internen Strukturen und Prozesse hat. Und genauso bin ich dazu bereit, darüber zu diskutieren, wie wir eine Gleichstellung von diskriminierten Menschen (nicht nur Männer und Frauen!) innerhalb der PIRATEN erreichen können. Aber eine Diskussion setzt die Bereitschaft aller Teilnehmer voraus, sich auf die Argumente des Gegenübers einzulassenUnd deswegen werde ich meine Energie nicht mehr damit verschwenden, mich mit Leugnern dieser gesellschaftlichen Realität zu unterhalten. Auch werde ich nicht mehr mit Menschen diskutieren, welche die Diskussion vom eigentlichen Thema ablenken wollen.

Diskriminierung ist Scheiße, aber sie ist ein gesellschaftlicher Fakt. Und wir alle diskriminieren laufend andere Menschen, auch das ist Scheiße, aber genauso ein Fakt. Alles was uns bleibt ist zu sagen: “Okay, es gibt Diskriminierung. Was können wir dagegen tun?” Und an anderen Diskussionen, als solchen unter dieser Prämisse, werde ich mich zukünftig innerhalb der PIRATEN nicht mehr beteiligen.

Für mein eigenes Wohl.

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Mehrklassenmedizin, mal anders?

Frau Müller, 82 Jahre, die Mutter von Dr. Meier aus der Inneren, ist hier stationär wegen […]” und dann ging es weiter im normalen Text. Die zentrale Botschaft war bei allen Beteiligten angekommen, viel wichtiger als die Erkrankung der Patientin war ihre Zugehörigkeit. Denn es gibt einen erlesenen Zirkel, zu dem nur gezählt wird wer Angehöriger oder guter Freund von Mitarbeitern eines Krankenhauses ist. Es handelt sich dabei um eine besondere Form der Mehrklassenmedizin, die alleine auf persönlicher Bekanntschaft beruht. Die Frage ist: kann das etwa verwerflich sein?

Nein. Erstmal ist das natürlich nicht verwerflich, denn im Grunde ziehen die allermeisten Leute irgendwie einen persönlichen Vorteil aus ihrem Arbeitsverhältnis: Günstigere Konditionen, kürzere Warte- und schnellere Bearbeitungszeiten, die Möglichkeiten sind förmlich unendlich. Im Fall der Medizin ist dies in der Regel die implizite (gelegentlich auch explizite) Forderung einer Sonderbehandlung der Patienten dieses Zirkels. Alles muss top sein, es dürfen keine Fehler passieren, die Mitarbeiter sollen daher möglichst sorgsam und ordentlich arbeiten, der Datenschutz und die Intimsphäre des Patienten sollen besonders berücksichtigt werden… Klingt gut, oder?

Aber ich frage mich in solchen Situationen: Sollte Muss das nicht immer so sein? Wie z.B. auch ein Piloten tragen die Mitarbeiter im Krankenhaus eine große Verantwortung, für die Gesundheit ihrer Patienten. Daher müssen immer große Ansprüche an die Versorgung von Patienten gestellt werden. Und dabei ganz besonders auch an die körperliche Unversehrtheit, die Wahrung der Intimsphäre und den Datenschutz. Unversehrtheit meint in diesem Zusammenhang übrigens eher die aktive Vermeidung von Fehlern und das sorgsame, ordentliche Arbeiten – krank, oder verletzt sind die Patienten ohnehin schon.

Wenn eine bestimmte Gruppe herausgestellt wird, bei der alles “besser” laufen soll, als sonst. Gesteht man sich dann nicht ein, das die “normale” Behandlung nicht gut genug ist? Was für einen beliebigen Menschen ausreicht, ist offensichtlich für meine Angehörigen lange nicht genug. Ich empfinde das als einen sehr unbefriedigenden Zustand und bemühe mich immer darum, alle Patienten so gut es mir möglich ist zu betreuen. Und irgendwie erscheinen mir solche Äußerungen dann als Dolchstoß… Wie seht Ihr das?

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Schwule dürfen kein Blut spenden. Warum?

Neulich beim Blutspenden bin ich darüber stutzig geworden, dass Schwule alleine aufgrund ihrer sexuellen Orientierung vom Blutspenden ausgeschlossen werden. Warum machen die das und ist das nicht total diskriminierend?

Ehrlich gesagt: Mir geht es genau so. Wenn ich mir die Kriterien für den Ausschluss von der Blutspende ansehe, dann fasse ich mir reflexartig an den Kopf. Aber woher kommt dieses Ausschlusskriterium und wie wird es von den Verantwortlichen begründet?

Die Blutspende in Deutschland als solches wird geregelt durch das Transfusionsgesetz (TFG), dort wird im § 5 “Auswahl der spendenden Personen“, dass die Bundesärztekammer dazu Richtlinien erlassen soll. Diese gibt es in Form der “Richtlinien zur Gewinnung von Blut und Blutbestandteilen und zur Anwendung von Blutprodukten (Hämotherapie)“. Im Abschnitt 2.2.1 dieser Richtlinien werden die Kriterien zum dauerhaften Ausschluss von der Blutspende – unter anderem – wie folgt definiert:

„Personen, deren Sexualverhalten oder Lebensumstände ein gegenüber der Allgemeinbevölkerung deutlich erhöhtes Übertragungsrisiko für durch Blut übertragbare schwere Infektionskrankheiten, wie HBV, HCV oder HIV bergen.” […] “- Männer, die Sexualverkehr mit Männern haben (MSM) “

Damit wird jeder Mann, der im Laufe seines Lebens Sexualverkehr mit einem anderen Mann gehabt hat, für sein gesamtes Lebens von der Blutspende ausgeschlossen. Es ist hierbei übrigens völlig egal, was für eine Art von Verkehr (z.B. Oral, oder Anal) praktiziert wurde, ob es im Rahmen einer Beziehung passiert ist, oder ob Verhütung im Spiel war.

Die Verantwortlichen argumentieren damit, dass bei diesem Kriterium das risikoreiche Sexualverhalten und nicht die sexuelle Orientierung im Vordergrund stehen würden. Daher spräche die Richtlinie an dieser Stelle inzwischen nicht mehr von “homo- und bisexuellen Männern“, sondern von „Männern, die Sexualverkehr mit Männern haben (MSM)“. Was allerdings de facto nichts daran ändert, welche Menschen systematisch von der Blutspende ausgeschlossen werden.

Aus den epidemiologischen Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI) lässt sich tatsächlich ableiten, dass HIV Neuinfektionen bei MSM im Vergleich zu heterosexuellen Männern signifikant häufiger sind. Damit begründen die Verantwortlichen, dass MSM – gegenüber der Allgemeinbevölkerung – ein erhöhtes Risiko für sexuell übertragbare Erkrankungen haben. Deshalb werten sie den Sex zwischen Männern als Risikofaktor für die Blutspende.

Jede Blutspende muss laut § 5 (3) des Transfusionsgesetz Tests auf HIV, sowie Hepatitis B und C untersucht werden. Dazu werden verschiedene Tests mit sehr hoher Sensitivität eingesetzt, die in der Lage sind auch geringe Virusmengen festzustellen. Allerdings liefern diese Tests erst ab einer gewissen Anzahl von Viren im Blut ein zuverlässiges Ergebnis. Insbesondere bei HIV gibt es eine so genannte Fensterphase, in der die Infektion noch nicht sicher festgestellt werden kann. Diese Zeitspanne beträgt bis zu mehreren Wochen, eine Zeit in der eine HIV-positive Blutspende möglicherweise nicht entdeckt würde.

Zur Frage nach dem tatsächlichen Risiko, gibt es eine Reihe von wissenschaftlichen Untersuchungen. Alle kommen zu dem Schluss, dass die Zulassung von MSMs zur Blutspende zur Steigerung von HIV-positiven Blutspenden kommen würde. Damit würde das Risiko, sich als Empfänger einer Bluttransfusion mit HIV anzustecken, zunehmen. Wahrscheinlich wäre es keine große Steigerung, aber vorhanden wäre sie. Über das genaue Ausmaß streiten sich die Beteiligten noch, für die Verantwortlichen steht jedoch fest: Kein unnötiges Risiko eingehen, weswegen MSMs auch weiterhin kein Blut spenden dürfen.

Ob man dies nun als diskriminierend wertet, oder eben nicht, liegt natürlich im Auge des Betrachters. Zumindest aber sollten die Art des Sexualverkehrs, sowie der Beziehungsstatus und die An- oder Abwesenheit von Verhütung eine Rolle für diesen Ausschuss spielen. Dann würde es vielen Menschen bestimmt leichter fallen, nicht gleich an Diskriminierung zu denken.

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