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Jeden Tag ein Antrag: PA-240 – Rezeptfreie Abgabe der ‘Pille danach’ (Tag 3)

Jeden Tag ein Antrag, heute: PA-240 – Rezeptfreie Abgabe der ‘Pille danach’. (Wahlprogramm)

Worum gehts?

Durch diesen Antrag würden sich die PIRATEN der Forderung anschließen, die ‘Pille danach’ zukünftig rezeptfrei in Apotheken anzubieten. Diese ‘Pille danach‘ ist ein ein hormonelles Präparat auf Basis des Wirkstoffs Levonorgestrel, welches bei zeitnaher Einnahme – nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr (oder versagen anderer Methoden zur Verhütung) – mit großer Wahrscheinlichkeit eine Schwangerschaft verhindert.

Es handelt sich um eine Art “Notfallpräparat”, dass bisher nur auf Rezept und nach einer ärztlichen Untersuchung erworben werden kann. Der Antrag sieht darin einen unverhältnismäßigen Eingriff in die Selbstbestimmung von Frauen und argumentiert vor allem mit der guten Verträglichkeit und der zeitkritischen Einnahme des Medikaments. Weitere Argumente die der Antrag anführt, sind eine dafür sprechende Empfehlung der WHO und die entsprechende Gesetzgebung in vielen europäischen Staaten.

Was spricht dafür?

Prinzipiell kann jeder Geschlechtsverkehr zu einer Schwangerschaft führen, eine absolut sichere Methode zur Verhütung gibt es nicht: Verhütung kann vergessen werden, falsch angewendet werden oder “kaputt gehen” (platzende Kondome oder so). Um ungewollte Schwangerschaften zu vermeiden stellt die ‘Pille danach’ zur “postkoitalen Empfängnisverhütung” (so der sperrige Fachbegriff) einen sehr wirksamen Weg dar.

Aber dieser Weg ist zur Zeit mit unnötigen Hindernissen verbunden: Zum einen besteht der größte Bedarf für die ‘Pille danach’ am Wochenende, Nachts, oder im Urlaub, also in Situationen in denen alleine der Weg zum Arzt/ zur Ärztin mit logistischen Schwierigkeiten verbunden ist. Abgesehen von der Wartezeit muss sich eine Frau derzeit auch dem als peinlich empfundenen Gespräch mit einem Arzt/ einer Ärztin auseinandersetzen. Dies stellt eine nicht zu unterschätzende Hürde, vor allem auch einen erheblichen Zeitaufwand dar. Gleichzeitig nimmt aber mit zunehmender Dauer seit dem Geschlechtsverkehr die Wirksamkeit der ‘Pille danach’ ab: Innerhalb von 24 Stunden beträgt sie 95%, nach 48 Stunden nur noch 58%. 1 Und die Folgen einer ungewollten Schwangerschaft, bzw. eines möglichen Schwangerschaftsabbruches sind deutlich gravierender, als die Nebenwirkungen dieses Medikamentes.

Die WHO empfiehlt übrigens, zur Vermeidung von ungewollten Schwangerschaften, ausdrücklich die rezeptfreie Abgabe der ‘Pille danach’ – in den meisten europäischen Ländern wird diese Empfehlung auch derzeit umgesetzt. Zuletzt ist Österreich diesen Schritt gegangen und hat damit positive Erfahrungen gemacht.

Was spricht dagegen?

Oft wird die ‘Pille danach’ als Abtreibungspille bezeichnet, dies ist allerdings falsch: Der Wirkstoff verhindert nur die Einnistung einer Eizelle in der Gebärmutter, eine bestehende Schwangerschaft wird nicht beeinflusst. Es ist daher nicht möglich mit der ‘Pille danach’ einen Schwangerschaftsabbruch durchzuführen, somit sind auch ein Schwangerschaftsest oder eine ärztliche Untersuchung unnötig.

Von Kritikern der rezeptfreien Abgabe der ‘Pille danach’ wird oft ein leichtfertiger Umgang oder gar ein Missbrauch des Medikaments befürchtet, also einem deutlichen Anstieg der Nutzung dieser Möglichkeit, weil sich dann mehr Menschen auf ungeschützten Geschlechtsverkehr einlassen könnten – mit einer erhöhten Gefahr für sexuell übertragbare Krankheiten. Diese Befürchtungen konnte bisher jedoch noch nicht wissenschaftlich nachgewiesen werden.

Auch seien die Nebenwirkungen der ‘Pille danach’ nicht zu unterschätzen, sodass die rezeptfreie Abgabe von Kritikern in Frage gestellt wurde. Zum einen stehen die potentiellen Nebenwirkungen einer möglichen ungewollten Schwangerschaft, bzw. einem Schwangerschaftsabbruch gegenüber. Und zum anderen findet die Abgabe in Apotheken statt, wo Informationen über Nebenwirkungen und Gegenanzeigen zur Verfügung stehen&  im Gespräch gegeneinander abgewogen werden können, sodass die jede Frau für sich selbst eine informierte Entscheidung treffen kann.

Fazit?

Dafür! Zur optimalen Verhinderung von ungewollten Schwangerschaften ist es wichtig, dass die Möglichkeiten zur “postkoitalen Empfängnisverhütung” möglichst niedrigschwellig zur Verfügung stehen. Und durch die Annahme dieses Antrags würde hier in diesem Aspekt ein deutlicher Schritt nach vorne getan werden.

Aber natürlich reicht es nicht alleine aus, die ‘Pille danach’ rezeptfrei zum Verkauf anzubieten, es müssen z.B. Informations- und Aufklärungskampagnen folgen: Nur wer weiß, wo man erstens das Medikament erhält und zweitens wann, wieso und wie man es anwenden soll, wird ungewollte Schwangerschaften möglichst gut verhindern können.

Update: Weitere Meinungen zu dem Antrag: Pro von @schwarzblond.


  1. englische Wikipedia zu: Effectiveness of ECPs
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Jeden Tag ein Antrag: PA-174 Neubewertung Ausschlusskriterien der Blutspende (Tag 2)

Jeden Tag ein Antrag, heute: PA-174 – NEU-Bewertung der Blutspende-Ausschlusskriterien durch Bundesärztekammer. (Grundsatzprogramm)

Worum gehts?

Durch diesen Auftrag soll die Bundesärztekammer bzw. das Paul-Ehrlich-Institut dazu bewegt werden, die Kriterien für den Ausschluss von der Blutspende neu zu bewerten. Dazu soll der derzeitige wissenschaftliche Kenntnisstand genutzt werden um ggf. derzeitige Ausschlusskriterien zu lockern und so neue Blutspender gewinnen zu können.

Es soll überprüft werden, ob veränderte Ausschlusskriterien eine gleiche Qualität der Blutprodukte aus der Blutspende erhalten können, auch ohne die teilweise als diskriminierend empfundenen Ausschlusskriterien. Hintergrund ist hier vor allem, dass durch die derzeitigen Richtlinien der Bundesärztekammer werden homo- und bisexuelle Männer von der Blutspende ausgeschlossen sind. Dies wurde bei der Einführung dieses Ausschlusskriteriums mit der Verringerung des Risikos für HIV-positive Blutprodukte in der Krankenversorgung begründet – da unter Männern die Sex mit Männern haben, HIV deutliche verbreiteter sei, als in der Restbevölkerung.

Zur Frage nach dem tatsächlichen Risiko, gibt es übrigens eine Reihe von wissenschaftlichen Untersuchungen. Alle kommen zu dem Schluss, dass die Zulassung von MSMs zur Blutspende wahrscheinlich zur Steigerung von HIV-positiven Blutspenden kommen würde. Und das Risiko, sich als Empfänger einer Bluttransfusion mit HIV anzustecken, könnte theoretisch zunehmen.

Was spricht dafür?

In der Frage, wie groß die tatsächliche Risikosteigerung wäre, falls Männer die Sex mit Männern haben an der Blutspende teilhaben würden, sind sich die Forscher uneinig. Es gibt derzeit keinen Konsens, aber insgesamt wird davon ausgegangen, dass das Risiko mit der “Enthaltsamkeit” abnimmt. Sprich: Wen ein homo- oder bisexueller Mann in den letzten 6 bis 12 Monaten keinen Sex mit einem anderen Mann hatte, dann entspricht sein Risiko praktisch der Normalbevölkerung.

Es gäbe also z.B. die Möglichkeit, dieses Ausschlusskriterium zeitlich zu begrenzen und so die pauschale Diskriminierung einer großen, heterogenen Gruppe von Menschen zu beenden – für die es zudem auch keine eindeutigen wissenschaftlichen Grundlagen gibt. Einige andere Länder wie England, Australien, Schweden, Japan und Südafrika praktizieren die zeitliche Limitierung bereits. Und dadurch könnte ein großer Schritt getan werden um die vorhandene Diskriminierung von Homo- und Bisexuellen Männern in dieser Gesellschaft weiter abzubauen.

Was spricht dagegen?

Es macht definitiv Sinn bestimmte Gruppen von Menschen anhand ihres Risikoprofils von der Blutspende auszuschließen, da trotz aller Tests nie zu 100% ausgeschlossen werden kann, dass HIV-positive Blutprodukte in die Krankenversorgung gelangen. Und letztendlich gibt es kein Recht darauf, an der Blutspende teilhaben zu können. Wenn man nun dummerweise zu einer Gruppe von Menschen mit erhöhtem Risikoprofil gehört, dann kann man diese Möglichkeit eben nicht wahrnehmen.

Es gilt in dieser Diskussion grundsätzlich immer sorgfältig abzuwägen zwischen Nutzen und Risiko für die Empfänger von Blutprodukten, deren Schutz natürlich höher Einzustufen ist als die “Rechte” von möglichen Blutspendern.

Fazit?

Dafür! Wie auch heute, so kam ich schon damals zu dem Schluss, dass es schwierig ist diese Situation zu bewerten. Aber im Rahmen der Abwägung von Sicherheit von Blutprodukten vs. Diskriminierung von homo- und bisexuellen Männern sollte zumindest der (nicht mehr zeitgemäße) lebenslange Ausschluss von der Blutspende auf den Prüfstand. Und genau das fordert dieser Antrag – der in seiner Begründung die Pros und Contras sehr schön gegenüber gestellt hat – und bietet mit seiner Kernforderung einen guten zielorientierten Kompromiss!

Weitere Meinungen zu diesem Antrag: Contra von kpeterl und Pro von @noujoumIch habe übrigens vor 1½ Jahren schon mal zu diesem Thema gebloggt, als ich die Frage beantworte warum Schwule kein Blut spenden dürfen

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Jeden Tag ein Antrag: PA-140 Grundsatzprogramm Gesundheitspolitik (Tag 1)

Jeden Tag ein Antrag, heute: PA140 – Gesundheitspolitik. (Grundsatzprogramm)

Worum gehts?

In einem gemeinsamen Antrag von AG Gesundheitspolitik und AG Gesundheit wird eine grundsätzliche Vision für die Gesundheitspolitik der PIRATEN formuliert. Anstelle der sonst üblichen Vorgehensweise im Bereich der Gesundheitspolitik, die in der Regel immer sehr kleinteilige und detaillierte Lösungen für ganz konkrete Probleme formuliert, wird hier ein viel grundsätzlicherer Ansatz gewählt. Daher wurden in dem Antrag erst einmal aus Sicht der PIRATEN grundlegende Ziele und Aufgaben für das Gesundheitssystem definiert.

Es werden drei Grundaussagen getroffen:

  1. Bei den PIRATEN steht der Mensch im Mittelpunkt des Gesundheitssystems.
  2. Die PIRATEN streben eine am Patientennutzen orientierte Gesundheitsversorgung an.
  3. Mit den PIRATEN wird das Gesundheitswesen über solidarische Beiträge finanziert und effizient organisiert.

Im ersten Punkt geht es um die Förderung von gesundheitlicher Bildung und insgesamt einer “Gesundheitskultur” innerhalb der Bevölkerung, mit deutlicher Stärkung der Rolle von Prävention, und der Inklusion von Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen. Dadurch sollen zukünftig deutlich mehr Krankheiten verhindert werden, bevor sie auftreten können und damit dann zu Lasten des einzelnen bzw. des Systems als ganzen fallen würden. Wobei sich dieses Ziel primär am einzelnen Menschen orientiert!

In Punkt Zwei geht es darum die Versorgung von Patienten flexibler und entsprechend den tatsächlichen Bedürfnissen zu regeln. Schlagworte sind dabei der selbstbestimmte Patient, Wirtschaftlichkeit, freie Arztwahl, die Rolle kommunaler Anbieter, Palliative Versorgung und der Fachkräftemangel. Vor allem wird hier die Auflösung der bisher starren Grenzen der Krankenversorgung angestrebt.

Und in Punkt Drei geht es um Finanzierung und Organisation von medizinischer Versorgung. Das betrifft im einzelnen den Leistungskatalog und das Abrechnungssystem, aber auch den Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien, und Qualitätskontrolle. Wichtigstes enthaltenes Ziel ist eine solidarische Finanzierung des Gesundheitssystems durch alle Bürger und die Einschränkung der Privilegien von privaten Krankenversicherungen.

Was spricht dafür?

Letztendlich Alles! Wenn nur ein einziger Antrag zum Thema Gesundheitspolitik auf dem Bundesparteitag behandelt und angenommen werden sollte, dann dieser. Durch diesen Antrag gibt es ein sinnvolles Grundverständnis für alle weiteren Schritte in diesem Feld und es lassen sich prinzipiell viele zukünftige Positionen (und Antworten auf Fragen im politischen, bzw. parlamentarischen Alltag) daraus ableiten.

Was spricht dagegen?

Wer großer Verfechter von der traditionellen derzeitigen Aufteilung des Gesundheitsssystems in starre Sektoren mit klaren jeweiligen Abgrenzungen ist, der wird sich in diesem Antrag nicht wiederfinden können. Und auch wer für eine gehaltsunabhängige Finanzierung (“Kopfpauschale”) von Krankenkassen ist, für den ist dieser Antrag leider nichts.

Fazit?

Dafür! Dieser Antrag stellt einen sinnvollen Grundstein für die zukünftige Gesundheitspolitik der PIRATEN dar und sollte daher ins Grundsatzprogramm angenommen werden.

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